23.12.2008 · Die Kreditkrise und die Beinahe-Pleite des Landes haben die Renditeaufschläge für Ungarn-Anleihen in die Höhe katapultiert. Doch inzwischen normalisiert sich die Lage etwas und die Notenbank ist dabei, ihre Leitzinsen zu senken.
Die Notenbank Ungarns hat am Montag ihren Leitzins wie erwartet erneut gesenkt. Und zwar um 50 Basispunkte auf nunmehr 10,0 Prozent. Damit hat die Notenbank den Leitzins seit November um insgesamt 1,5 Punkte zurückgenommen. Zudem gaben die Verantwortlichen deutliche Hinweise auf weiter sinkende Zinsen in den kommenden Monaten.
Im Oktober hatte die Notenbank auf den rasanten Kursverfall der heimischen Währung noch mit einer Erhöhung um 3,0 Punkte reagiert. Dazu muss man auch wissen, dass Ungarn wegen seiner hohen Verschuldung (die Bruttoauslandsschulden belaufen sich 2008 vermutlich auf 102 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt) und einem hohen Leistungsbilanzdefizit (2008 vermutlich bei 7,1 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt) von der Finanzkrise besonders hart getroffen wurde. Das Land musste mit einem internationalen Notkredit von 20 Milliarden Euro sogar vor dem Zusammenbruch bewahrt werden.
Trübes volkswirtschaftliches Umfeld
Im Gefolge dessen waren die Renditeaufschläge ungarischer Staatsanleihen nach oben geschossen. Vergangene Woche stand noch ein Spread gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen von 474 Basispunkten zu Buche. Verglichen mit dem Jahresanfang war das ein Anstieg von 418 Basispunkten.
Begleitet wird diese Entwicklung mit einem trüben volkswirtschaftlichen Umfeld. So rechnet die ungarische Notenbank im kommenden Jahr mit einem Schrumpfen der Wirtschaft um ein Prozent. Für 2008 wird laut Regierung noch ein Wachstum von zwei Prozent für möglich gehalten, vor der Krise hatte man für 2009 mit einem Wachstum von 3 Prozent gerechnet. Das Budgetdefizit wird 2009 voraussichtlich auf 2,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes sinken und damit erstmals unter die Drei-Prozent-Marke. Die Krise und die Einbrüche im ungarischen Exportziel Deutschland werden wohl zehntausende Jobs in Ungarn kosten und die Arbeitslosigkeit von derzeit 7,7 Prozent um einige Prozentpunkte in die Höhe treiben.
Noch immer bestehen vergleichsweise große Risiken
Das spricht nicht gerade für eine boomende Inlandskonjunktur, zudem die Privaten auch noch unter sehr hohen Fremdwährungskrediten leiden. Zudem sind dem Staat als Impulsgeber wegen dem zur Konsolidierung des Staatshaushalts notwendigen Sparprogramm die Hände gebunden. Passend dazu ist auch die Meldung vom Freitag, wonach die Einzelhandelsumsätze im Oktober mit minus 1,4 Prozent den 21. Monat in Folge gesunken sind. Und weil auch die für Ungarn so wichtigen Exporte in die EU weg brechen, ist es nicht gut bestellt im die weiteren konjunkturellen Aussichten. Sofern es die zuletzt von 5,1 auf 4,2 Prozent gefallene Inflationsrate (die Verantwortlichen rechnen damit, dass die Rate mittelfristig unter die Zielmarke von drei Prozent fallen wird) und die Entwicklung des Forint zulässt, dürfte die Notenbank den Leitzins in den kommenden Monaten vermutlich weiter senken. Bei der österreichischen RZB sagt man für das Jahr 2009 einen Rückgang bis auf sieben Prozent voraus.
Läuft dieser Prozess in einem stabilen Umfeld ab, könnten sich die Kurse der ungarischen Staatsanleihen, die bereits in den vergangenen Wochen zulegten, weiter erholen. So hat sich die bis zum 18. Juli 2016 laufende Ungarn-Anleihe (Isin: XS0240732114) mit aktuell 81 Prozent (Rendite: 6,79 Prozent) wieder deutlich von dem Ende Oktober markierten Tief bei knapp unter 58 Prozent deutlich erholt. Allerdings hat die jüngste Krise auch eindrucksvoll gezeigt, auf was für einem dünnen Eis sich das Land bewegt. Die Analysten bei der WGZ Bank haben deswegen Mitte Oktober eine Ungarn-Anleihe aus dem Strategieportfolio genommen.