19.12.2008 · Trotz einem robusten Wachstum hat die weltweite Kreditkrise auch die brasilianischen Staatsanleihen gedrückt. Doch inzwischen befinden sich die Kurse wieder auf Erholungskurs.
Wie praktisch alle Anleihen aus Schwellenländern haben in diesem Jahr auch die brasilianischen Staatsanleihen unter der Kreditkrise und der damit verbundenen Risikoaversion gelitten. Der Risikoaufschlag gegenüber Euro-Staatsanleihen beläuft sich derzeit auf 399 Basispunkte. Zum Jahreswechsel waren es noch deutlich geringere 245 Basispunkte.
Die bis zum 24.01 2011 laufende Brasilien-Anleihe (Isin XS0123149733, Kurs: 105,6 Prozent) wirft dadurch aktuell eine Rendite von 6,51 Prozent ab und die bis zum 24.09.2012 laufende Brasilien-Anleihe (Isin XS0201110037, Kurs: 105,3 Prozent) bringt 6,85 Prozent. Deutlich verloren hat übrigens auch die Landeswährung Real, die seit Ende August gegenüber dem Dollar um fast 50 Prozent abgewertet hat.
Sorge vor nachlassender konjunktureller Dynamik
Beim Blick auf das nach wie vor stramme Wirtschaftswachstum erschließt sich aber nicht sofort, warum auch Brasiliens Staatsanleihen sowie der Real unter Druck geraten sind. Denn mit einem Plus von 6,8 Prozent stieg das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal unerwartet stark. Der Kreditkrise zum Trotz war dies der stärkste Anstieg seit vier Jahren. Und auch in Sachen Direktinvestitionen sowie Verschuldungskennzahlen kann das Land bisher überzeugen.
Doch wie immer an den Finanzmärkten richten die Marktteilnehmer ihr Augenmerk eben vornehmlich auf die Zukunft. Und da wird wegen der weltweiten Finanzkrise, den vorgenommenen Zinserhöhungen und der gefallenen Rohstoffpreise (die wichtigsten Exportgüter sind Sojabohnen, Eisenerz und Zucker) mit einer nachlassenden konjunkturellen Dynamik gerechnet. So gehen die Volkswirte bei Goldman Sachs für kommendes Jahr nur noch von einem Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent aus. Und auch bei der Leistungsbilanz wird mit einem Abrutschen ins Negative gerechnet, was wegen der sinkenden Exporte vielleicht auch schon in diesem Jahr erstmals seit 2002 wieder droht.
WGZ Bank senkt die Einstufung auf Halten
Auch laut Analyst Tobias Gruber von der WGZ Bank werden die Auswirkungen der Kreditklemme auf die wirtschaftlichen Aktivitäten in Form eines gefallenen Produzenten- und Verbrauchervertrauens immer deutlicher. Neben fallenden Exporten rechnet er auch mit einer schwächer werdenden Inlandsnachfrage und wegen der geringeren Kreditverfügbarkeit und teureren Finanzierungen auch mit sinkenden Investitionsausgaben. Wegen der wachsenden konjunkturellen Herausforderungen und der etwas schwer einzuschätzenden Ausgangslage hat die WGZ Bank die Empfehlung für brasilianische Staatsanleihen von Kaufen auf Halten gesenkt. Nur wenn sich die Situation insgesamt wieder beruhigt, komme ein Neueinstieg in Frage.
Trotz aller Bedenken haben genau das offenbar schon zuletzt andere Investoren getan. Denn die Kurse der brasilianischen Staatsanleihen haben sich in den vergangenen Wochen bereits wieder deutlich erholt. Diese Käufe sind durchaus nachzuvollziehen, präsentiert sich das Land doch in einer weitaus besseren Verfassung als noch vor einigen Jahren (so haben die Ratingagenturen Fitch und Standard & Poor´s in diesem Jahr die Kreditwürdigkeit auf Investment Grade hoch gestuft). Dank der vorhandenen Devisenreserven und Primärüberschüsse ist Brasilien zudem verglichen mit anderen Ländern relativ gut auf die Krise vorbereitet.
Zudem ist der Leitzins mit 13,75 Prozent vergleichsweise hoch, was für den Fall Spielraum eröffnet, dass sich die in diesem Jahr vermutlich bei mehr als sechs Prozent einpendelnde Inflationsrate weiter zurückbilden sollte. Wer bis zur Endfälligkeit dabeibleiben will und sich auch von weiterhin möglichen volatilen Kursausschlägen nicht abschrecken lässt, der kann zur Beimischung durchaus eine nicht zu lange laufende brasilianische Staatsanleihe ins Depot aufnehmen..