Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten werden von Marktteilnehmern gerne positiv interpretiert. So verstärkt sich am Mittwoch die an den Finanzmärkten schon weit verbreitete Wachstumseuphorie, nachdem der amerikanische Dienstleister mitgeteilt hatte, die Zahl der Beschäftigten in den Vereinigten Staaten habe im Dezember um 297.000 zugenommen.
Das war deutlich mehr als im Vorfeld erwartet worden war. Kurz danach wurde der Stimmungsindex für die Dienstleistungsbrache veröffentlicht. Er lag bei 57,1 und damit ebenfalls über den Erwartungen. Ein Indexstand deutete in der Vergangenheit regelmäßig auf eine wirtschaftliche Expansion hin.
Kurse an den Rentenmärkten kurzfristig in der Defensive
Diese Daten werden von vielen Marktteilnehmern optimistisch aufgenommen. Sie führen dazu, dass sich die Kurse an der Wall Street rasch von anfänglichen Kursgewinnen erholen, der Dollar auf breiter Front gegen die meisten Währungen weltweit aufwertet und dass die Kurse an den Rentenmärkten in die Defensive geraden. In den Vereinigten Staaten steigt die Rendite der Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren von 4,412 auf 4,465 Prozent, die der Papiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren von 3,331 auf 3,403 Prozent und die der Papiere mit einer Restlaufzeit von zwei Jahren von 0,62 auf 0,685 Prozent.
Deutsche Bundesanleihen mit einer Laufzeit zehn Jahren mussten am Mittwoch im Verlauf zwischenzeitliche Kursgewinne wieder abgeben. Der Bund- Future liegt am Nachmittag mit einem Minus von 34 Basispunkten bei 125,77 Prozent, nachdem er im Laufe des Vormittagshandels noch Kurse von bis zu 126,52 Prozent erreicht hatte. Die Rendite liegt bei 2,98 Prozent und damit deutlich über den Zwischentief von 2,275 Prozent, das Ende August des vergangenen Jahres markiert worden war.
Skeptikern wird der allgemeine Optimismus allerdings langsam unheimlich. Sie weisen unter anderem darauf hin, dass von den 297.000 geschaffenen Jobs gerade einmal 27.000, also nicht einmal zehn Prozent, in der produzierenden Wirtschaft geschaffen wurden. Der Rest entfiel auf den Dienstleistungsbereich. Das drängt sie unmittelbar zur Vermutung, es handele sich vielfach um saisonale Stellen, die zur Bewältigung des Weihnachtsgeschäftes dienten und die bald wieder wegfallen würden. Sie verweisen zudem auf die Beobachtung, nach welchen in den vergangenen Monaten die Anzahl der von amerikanischen Bundesbehörden geschaffenen Stellen stark zugenommen hätten.
Rastant zunehmende Staatsverschuldung - strukturelle Probleme
Das würde den allgemein in den Vereinigten Staaten zu beobachtenden Trend bestätigen, die Wirtschaft unter Inkaufnahme einer rasant zunehmenden Staatsverschuldung und von Transferzahlungen am Laufen zu halten. In den vergangenen Wochen wurden nicht nur die Dauer von Steuervergünstigungen, sondern auch die der Zahlungen an Hilfsbedürftige und Arbeitslose verlängert. Nur so lässt sich die anhaltend hohe Konsumneigung in den Vereinigten Staaten erklären. Langfristig ist diese Strategie nicht durchzuhalten, weil sonst die Staatsschulden noch weiter aus dem Ruder laufen. Ende des vergangenen Jahres lagen sie - ohne Berücksichtigung der Verbindlichkeiten aus Sozial- und Rentenkassen - bei 14.000 Milliarden Dollar oder knapp 100 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, nachdem sie alleine im Jahr 2010 um 1,7 Billionen Dollar oder um knapp 14 Prozent zugenommen hatten.
Diese Kombination von Faktoren bringt die Rentenmärkte kurzfristig in die Defensive. Allerdings ist nicht sicher, ob die Euphorie allzu weit tragen wird. Denn abgesehen von temporären und saisonalen Effekten sieht die amerikanische Wirtschaft kaum robust aus. Das lässt mittel- und längerfristig die Rückkehr deflationärer Effekte befürchten.