20.12.2004 · Der Rentenmarkt in Amerika hat sich 2004 besser geschlagen als erwartet. Dazu beigetragen haben massive Käufe von Hedge Fonds. Doch genau das bereitet Beobachtern Sorgen, gelten Hedge Fonds doch als sprunghaft.
Die Amerikaner sind zur Finanzierung der jährlichen Haushaltsdefizite, die bis 2014 nach Schätzungen des Instituts für Haushaltsplanung auf insgesamt 3,6 Billionen Dollar anschwellen dürften, auf Käufer ihrer Staatsanleihen angewiesen. Dabei haben sich in letzter Zeit vor allem Hedge Fonds hervorgetan, die in den Steuerparadiesen der Karibik domiziliert sind.
Investoren mit Sitz auf den Bahamas, Bermuda, den Cayman Islands, den Niederländischen Antillen und in Panama haben ihre Investments bei Treasuries in den ersten zehn Monaten des Jahres um 54 Prozent auf 85,2 Milliarden Dollar geschraubt. Im letzten Jahr lag der Anstieg nur bei 8,3 Prozent. Nach Japan, China und Großbritannien ist die Karibik damit der viertgrößte Anleger im 3,8 Billionen Dollar schweren Markt für amerikanische Staatspapiere.
Kurzfrist-Denken der Hedge-Fondsmanager macht Sorgen
Das macht anderen Anlegern Sorgen: sollten sich die Hedge Fonds plötzlich zum Rückzug aus dem Treasury-Markt entscheiden, ist mit einem kräftigen Renditeanstieg und entsprechenden Kursverlusten zu rechnen. Denn Hedge Fonds sind nicht der Typ Anleger, die ein Investment ins Portfolio legen und dort ruhen lassen. Vielmehr sind sie für ihre häufigen Transaktionen bekannt. Was sie heute halten, stoßen sie oft schon morgen ab.
„Hedge Fondsmanager können ihre Ansicht zu einer bestimmten Anlagekategorie von einem Moment zum nächsten ändern", erläutert Richard Waugh, geschäftsführender Direktor bei Principal Global Investors in Des Moines im amerikanischen Bundesstaat Iowa. „Deswegen machen wir einen Bogen um den Treasury-Markt."
Auch die Primärhändler an der Wall Street, die direkt mit der Federal Reserve Bank Geschäfte machen, beobachten die Aktivitäten der Hedgefonds bei amerikanischen Staatspapieren. Die wachsende Abhängigkeit des amerikanischen Finanzministeriums von ausländischen Anleihegläubigern und Hedge Fonds berge Gefahren für Anleihe-Investoren, warnt Amy Falls, globale Strategin für festverzinsliche Werte bei Morgan Stanley in New York. "Es erhöht das Gesamtrisiko, das mit Treasuries verbunden ist."
Bedeutung der Ausländer am amerikanischen Anleihemarkt gestiegen
Die anhaltenden Haushaltsdefizite in Amerika dürften die Zinsen nach oben treiben. Das hängt jedoch auch davon ab, ob Investoren aus dem Ausland - einschließlich der in der Karibik registrierten Hedge Fonds - weiterhin Treasuries kaufen. Inzwischen halten ausländische Investoren und Zentralbanken rund die Hälfte aller im Umlauf befindlichen amerikanischen Staatspapiere. Mitte 2001 lag ihr Anteil noch bei 34 Prozent.
„Wenn ausländische Anleger, einschließlich Zentralbanken und Hedge Fonds, nicht so fleißig Treasuries kaufen würden, wären die Renditen für amerikanische Staatspapiere deutlich höher", beschreibt Paul Kasriel, Chefvolkswirt bei Northern Trust Securities Inc. in Chicago. Verlassen diese Anleger plötzlich den Markt, dürften die Renditen für zehnjährige amerikanische Staatsanleihen schnell auf sechs Prozent klettern, führt er aus. Für Anleger, die Treasuries am 10. Dezember mit einer Rendite von 4,15 Prozent gekauft haben, würde das einen Verlust von 13 Prozent bedeuten.
Die Federal Reserve Bank hat in diesem Jahr die Leitzinsen fünfmal angehoben, zuletzt am 14. Dezember um einen Viertelprozentpunkt auf 2,25 Prozent. Primärhändler erwarten laut einer Umfrage von Bloomberg News weitere Zinserhöhungen im nächsten Jahr. Die Renditen zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen dürften bis zum vierten Quartal 2005 auf 5,1 Prozent zulegen, von 4,15 Prozent am 10. Dezember, so die Erwartung der von Bloomberg News befragten Ökonomen.
Die Zahl der Hedge Fonds steigt und steigt
Für dieses Jahr können amerikanische Staatspapiere den besten Ertrag seit 2002 vorweisen. Bis zum 10. Dezember kommen Treasuries einschließlich reinvestierter Zinsen auf einen Ertrag von 3,55 Prozent, verglichen mit 2,26 Prozent für das gesamte Jahr 2003, zeigt der von Merrill Lynch & Co. erstellte Treasury Master Index. Und auch Hedge Fonds, die sich auf festverzinsliche Investments spezialisiert haben, blicken mit einem durchschnittlichen Wertzuwachs von fünf Prozent für die ersten zehn Monate 2004 auf ein erfreuliches Jahr, zeigt der CSFB/Tremont Hedgefonds- Index.
In den vergangenen drei Jahren verzeichneten Hedge Fonds Nettokapitalzuflüsse von 217 Milliarden Dollar. Die Branche kommt inzwischen auf ein Volumen von 890 Milliarden Dollar. Mittlerweile gehen Hedge Fondsmanager weniger Risiken ein, sind stärkeren aufsichtsrechtlichen Regelungen unterworfen und die Renditen sind niedriger.
Allein, die Zahl der Hedge Fonds steigt und steigt: in den ersten neun Monaten 2004 haben 866 neue Hedgefonds aufgemacht, insgesamt sind 7156 Hedge Fonds am Markt, zeigen Daten von Hedge Fund Research Inc. in Chicago. Die Anzahl der Investmentfonds, die auf den Cayman Islands domiziliert ist, hat sich seit Dezember 1997 mehr als verdreifacht und liegt jetzt bei über 4.000.