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Anleihemarkt Die Zinswende lässt weiter auf sich warten

 ·  Von der oft beschworenen Zinswende ist derzeit nichts in Sicht. Die Renditen in Amerika sind vielmehr wieder unter wichtige runde Marken gerutscht. Und in Deutschland bewegt sich die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen sogar nahe am Rekordtief.

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Totgesagte leben länger! Auf diesen Nenner lässt sich die Entwicklung am amerikanischen Anleihemarkt bringen. Denn obwohl von Experten schon oft die Wende bei den Renditen vorhergesagt wurde, lässt diese bis jetzt auf sich warten. Zuletzt haben sich die Renditen zur Überraschung der meisten Marktteilnehmer vielmehr sogar wieder nach unten orientiert.

So ist die Rendite für zehnjährige amerikanische Staatsanleihen wieder auf unter drei Prozent gerutscht und die für dreißigjährige Papiere auf unter vier Prozent. Zur Erinnerung: Im April waren im Zwischenhoch mit 4,01 Prozent und 4,85 Prozent schon deutlich höhere Stände erreicht worden. Und nicht nur das: In Deutschland bewegen sich die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen sogar nicht allzu weit entfernt vom Rekordtief bei 2,48 Prozent.

Konjunktursorgen und Stabilitätsstatus stützen deutsche und amerikanische Anleihen

Hauptverantwortlich für diese Entwicklung sind zwei Faktoren: Zum einen gelten deutsche und amerikanische Staatspapiere in Zeiten hoher Schuldenberge als Hort der Sicherheit. Wobei sich allerdings vor allem im Falle Amerikas angesichts der dortigen Schuldenorgie die Frage stellt, inwieweit dieser Ruf noch gerechtfertigt ist. Zum anderen haben sich zuletzt wieder die Konjunktursorgen verstärkt. Zwar rechnen die Volkswirte von Unicredit für 2010 mit einem globalen Wachstum von 3,7 Prozent, aber die Industrieländer dürften mit Plus 2,2 Prozent deutlich geringer wachsen. In vielen Ländern wie etwa in Amerika wird es deshalb verglichen mit dem Trendwachstumspfad bei einer deutlichen Produktionslücke bleiben.

Genährt wurden die Konjunkturbedenken in den vergangenen Tagen auch durch Konjunkturdaten, die speziell in Amerika zu wünschen übrig ließen Vor allem die Vorlaufindikatoren für das Verarbeitende Gewerbe vermittelten dabei den Eindruck, als ob der industrielle Aufschwung an Dynamik verliert. Zu wünschen übrig lies auch der am Freitagnachmittag veröffentlichte Arbeitsmarktbericht. Denn mit Minus 125.000 sank die Zahl der Beschäftigten in Amerika im Juni so stark wie seit Oktober 2009 nicht mehr.

Die Notenbank Fed, deren Auftrag bekanntlich auch lautet, für Vollbeschäftigung zu sorgen, dürfte angesichts des schwächelnden Arbeitsmarktes vorerst an ihrer Niedrigzinspolitik festhalten. „Die Wirtschaft steht noch auf wackeligen Beinen“, bilanziert der Präsident von Russel & Company, Robert Russell. „Die Fed wird ihren Zins deshalb dort belassen, wo er jetzt ist.“

Erwartung höherer Leitzinsen hat sich nach hinten verschoben

Auch mit Blick auf die in der kommenden Woche wieder tagende Europäische Zentralbank (EZB) gehen die meisten Beobachter davon aus, dass sie ihren Leitzins noch für längere Zeit bei einem Prozent belassen wird. In einer Reuters-Umfrage unter 76 Volkswirten und Geldpolitikexperten verschoben 21 Teilnehmer ihre Prognose für den Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung jedenfalls teils deutlich nach hinten. Unter dem Strich erwarten die Experten nun erst für das dritte Quartal 2011 ein erstes leichtes Drehen der Währungshüter an der Zinsschraube. Bei der Umfrage im Mai stand die erste Zinserhöhung noch im zweiten Quartal zur Debatte. Während noch Anfang des Jahres die große Mehrheit der Analysten erwartet hatte, dass der Leitzins Ende Dezember bei 1,5 Prozent steht, wird dieser Wert nun erst genau ein Jahr später prognostiziert.

Zeit lassen können sich die Verantwortlichen auch deshalb, weil derzeit noch kein Inflationsdruck erkennbar ist. In Europa hat sich die Teuerung im Juni wieder auf 1,4 Prozent abgeschwächt, nach 1,6 Prozent im Mai. Damit bewegt sich die Rate weiter unter den zwei Prozent, bei der die EZB von Preisstabilität spricht. Zusammengefasst kommt Daniel Zindstein, Fondsmanager beim Finanzdienstleister Gecam zu folgenden Schluss: „Die Rentenmärkte werden immer wieder von der Flucht in Sicherheit sowie der weiter von den Zentralbanken massiv zur Verfügung gestellten Liquidität profitieren. Die Renditen in Deutschland werden sich zwischen 2,50 Prozent und 3 Prozent seitwärts bewegen.“ Und in der Tat lassen derzeit die Rahmendaten nur den Schluss zu, dass die Zinswende noch weiter auf sich warten lassen wird.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @JüB
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