16.02.2005 · Oft prognostiziert - nicht realisiert: Die Zinswende läßt auf sich warten. Und die Renditen bleiben niedrig. Welche Anleihen versprechen dennoch eine gute Verzinsung? FAZ.NET befragte die Rentenmarktexperten der Banken.
Der Rentenmarkt scheint gegenüber Prognosen resistent zu sein. Seit über einem Jahr kursiert das Wort von der „Zinswende“ in den Vorhersagen der Analysten. Damit sind steigende Renditen gemeint. Aber seit über einem Jahr sinken sie mehr oder minder kontinuierlich. Zumindest in Euroland, wo die 10-jährige Bundrendite kürzlich neue Tiefstände erreichte.
Doch weiterhin wird mit einem Eintreten der Zinswende gerechnet. Die jüngsten Leitzinserhöhungen in den Vereinigten Staaten, die robuste Weltkonjunktur und steigende Inflationsrisiken lassen diese Erwartung logisch erscheinen. Träte die Zinswende nun ein, wäre es sinnvoll, kurzlaufende Anleihen zu halten, denn diese reagieren mit geringeren Kursverlusten auf steigende Renditen, als langlaufende.
„Igendwann ist die Party zu Ende“
Deshalb finden sich unter den Anleiheempfehlungen der Banken vor allem kurz- bis mittellanglaufende Papiere mit Restlaufzeiten von zwei bis fünf Jahren. Die relative Einmütigkeit was die Laufzeiten angeht, findet sich weniger in den Empfehlungen für unterschiedliche Marktsegmente. Sollten Anleihen solider Emittenten aus dem Euroraum, Unternehmens-, oder Schwellenländeranleihen gekauft werden?
Kirsten Werner von der Deutschen Bank setzt auf die sicherste, die erste Kategorie. Der Renditeabstand zwischen solchen Titeln und Unternehmensanleihen habe sich schon weit eingeengt. Sie sieht derzeit kein Potential für weitere Einengungen und findet: „Irgendwann ist auch da die Party zu Ende.“ Eine ähnliche Meinung hat sie zu Schwellenländeranleihen: „Der Risikoaufschlag, der in diesem Segment gezahlt wird, ist sehr gering.“ Einige dieser Anleihen, fügt sie hinzu, könnten unter Umständen dennoch interessant sein.
„Das Konvergenzspiel spielen“
Torsten Hähn von der WGZ Bank glaubt solche Anleihen gefunden zu haben. Zwar rät auch er derzeit von „aggressiven Neueinstiegen“ im Schwellenländersegment ab, doch betrachtet er das ein oder andere Papier als „interessante Beimischung“. Er empfiehlt unter anderem eine ukrainische Staatsanleihe, die in Euro notiert, noch zwei Jahre läuft und mehr als sechs Prozent Rendite abwirft. Nach der Wahl sei eine gewisse Ruhe in der Ukraine eingekehrt, Ratingheraufstufungen seien möglich.
Hochrentierliche Anleihen aus dem Osten empfehlen auch die Analysten der RZ Bank in Wien. Martin Stelzeneder empfiehlt polnische Zlotyanleihen. Diese seien einen Monat lang zu halten. In dieser Zeit seien schöne Gewinne möglich, danach, spätestens im Herbst, wenn in Polen gewählt werde, drohten Risiken durch sinkende Zlotykurse und Renditen.
Gintaras Shlizhyus von der RZ Bank hat längerfristige Anlagen im Auge. Den von ihm empfohlenen Unternehmensanleihen aus Osteuropa traut er Kursgewinne zu. Er will „das Konvergenzspiel spielen“, glaubt also, daß die Renditeabstände, die osteuropäische zu westeuropäischen Anleihen haben, sich weiter verringern werden. In Rußland sieht er zusätzliches Kurspotential. Dort falle das Rating für einige Unternehmen zu niedrig aus. Der Stahlproduzent Severstal etwa, verfüge über eine finanzielle und geschäftliche Position, die ein höheres Rating rechtfertigen würde. Bei einer Heraufstufung wären Kursgewinne zu erwarten. Die Rendite der 10-jährigen Serverstalanleihe liegt bei stattlichen 8,6 Prozent.
Warten auf die Zinswende
Aber sie notiert in Dollar, was neben Risiken, die der russische Markt birgt, auch Währungsrisiken impliziert. Es erscheint sinnvoll zu sein, riskante, wenn auch hochrentierliche, Anleihen, dem Depot nur unter eingehender Prüfung beizumischen. Kirsten Werner glaubt, daß „es zunehmend Sinn macht defensiver zu investieren.“ Die von ihr empfohlenen Anleihen rentieren allerdings nur mit etwa drei Prozent. So lange die Renditen sicherer Anlagen so niedrig sind erscheint die Suche nach „exotischen“ Titeln verlockend.
Sobald aber die Zinswende kommen sollte, stiegen auch die Anleiherenditen von sicheren Schuldnern wieder an. Dann könnten riskante Papiere zunehmend unattraktiver werden. Dies wiederum birgt die Gefahr, daß die Schwellenländer in Refinanzierungsnöte und ihre Anleihen unter Druck geraten werden. Wenn die Zinswende denn tatsächlich kommt.
Die in der folgenden Tabelle dargestellten „Zinstips“ der Banken stellen keine Musterdepots, sondern besonders interessant erscheinende Einzeltitel verschiedener Marktsegmente dar.