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Freitag, 10. Februar 2012
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Anleihemarkt Deutschland plant erste Inflationsanleihe

01.06.2004 ·  Deutschland kommt mit Anleihen auf den Markt, die den Kapitalanleger gegen den Wertverlust aus der Inflation schützen. Das Volumen dieser Titel wird von 2005 an bis zu 5 Prozent der Kreditaufnahme des Bundes ausmachen.

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Der Bund will künftig inflationsindexierte Zinstitel begeben. Bisher gibt es solche Anleihen, bei denen Zins und Tilgung mit der Inflation zunehmen, in Deutschland nicht. Von 2005 an wird die Finanzagentur des Bundes neben den üblichen festverzinslichen Anleihen auch inflationsindexierte Anleihen begeben können. Erst kürzlich hatte das Bundesfinanzministerium mitgeteilt, es schaffe die Möglichkeit, im kommenden Jahr Fremdwährungsanleihen zu begeben.

Finanzstaatssekretärin Barbara Hendricks sagte am Dienstag in Berlin, derzeit würden die gesetzlichen Voraussetzungen für die beiden neuen Anleiheformen geschaffen. Hendricks erwartet, daß das Volumen dieser Titel höchstens 5 Prozent der Bruttokreditaufnahme des Bundes von insgesamt 230 Milliarden Euro - also etwa 10 Milliarden Euro - ausmachen werde. Die Anleihen würden voraussichtlich nicht über eine Auktion an den Markt gegeben werden, sondern über ein Bankenkonsortium. Ein ähnliches Volumen wie die inflationsindexierten Anleihen sollten auch die Fremdwährungsanleihen ausmachen. Die Bundesregierung erhofft sich von dem Einsatz der neuen Instrumente per Saldo sinkende Zinskosten.

Der Anleger kennt bei inflationsgeschützen Anleihen nicht die genaue Höhe der künftigen Zahlungen. Zins und Tilgung hängen zu einem großen Teil von der Inflation ab und sind an einen Verbraucherpreisindex gekoppelt. Der Schuldner zahlt einen relativ geringen Kupon. Steigt das Preisniveau und damit der Index, wächst im gleichen Ausmaß der jährliche Zins und die Tilgungsverpflichtung des Schuldners. Damit trägt der Emittent der Anleihe das Risiko unerwartet hoher Inflationsraten. Umgekehrt profitiert er, wenn die Teuerung geringer als erwartet ist.

Kapitalanleger gegen Wertverlust geschützt

Die Haushälter im Ministerium hatten sich unter Hinweis auf das Risiko unerwartet hoher Zahlungen zum Ende der Laufzeit eine Weile gegen die Einführung gewehrt. "Nach unseren Modellrechnungen sind die neuen Instrumente, über eine längere Zeit gesehen, aber günstiger als die festverzinslichen Anleihen - auch wenn ein Risiko nicht ausgeschlossen ist", sagte Hendricks. Sie verwies auf die Erfahrungen der übrigen G7-Länder sowie Länder wie Australien, Neuseeland, Österreich und Schweden, die schon über die Möglichkeit inflationsindexierter Anleihen verfügen. Die Erweiterung des Instrumentariums sei notwendig, um international Schritt zu halten, so Hendricks. Es stärke den Finanzplatz Deutschland. Inflationsindexierte Anleihen schützten den Kapitalanleger gegen den Wertverlust aus der Inflation. Wegen des Absatzpotentials hätten Investmentfonds, Versicherungen, Pensionsfonds und auch "risikoaverse Privatanleger" Interesse an dem Produkt.

Diese Annahme ist plausibel. Gerade jetzt kehren Inflationssorgen zurück. Gemessen am Renditeabstand zwischen inflationsgeschützten und normalen Anleihen aus Frankreich rechnen die Investoren für die kommenden Jahre mit einer Inflationsrate von 2,3 Prozent. Das ist der höchste Wert seit mindestens sechs Jahren. Aus Sicht der Anleger ist der Kauf einer inflationsgeschützten Anleihe die bessere Wahl, wenn sie mit einer höheren Teuerungsrate rechnen. Wird die Inflation in den kommenden zehn Jahren geringer als 2,3 Prozent sein, wären die Erträge bei Staatsanleihen mit fester Verzinsung höher. In den Vereinigten Staaten und in Großbritannien werden die Inflationsanleihen schon seit Jahrzehnten genutzt. Im Euro-Raum hat Frankreich solcher Titel erstmals begeben. Italien und Griechenland sind diesem Vorbild gefolgt. Weitere Emittenten sind Schweden, Kanada, Australien, Südafrika und neuerdings Japan. Das Marktvolumen ist nach Informationen der Investmentbank Barclays mit rund 200 Milliarden Dollar in den Vereinigten Staaten am größten, gefolgt von Großbritannien (89 Milliarden Pfund) und dem Euro-Raum (65 Milliarden Euro).

Quelle: enn./ruh., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2004, Nr. 126 / Seite 23
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