03.07.2009 · Staatsanleihen aus Indonesien haben in diesem Jahr flankiert durch fallende Leitzinsen einen sehr guten Lauf. Dadurch ist das Land nicht mehr in der Liste der zehn Staaten, deren Ausfallrisiko am höchsten eingeschätzt wird.
Wie viele andere Anleihen von Emittenten aus Schwellenländern haben sich im Zuge der wieder gestiegenen Risikobereitschaft unter den Anlegern auch die indonesischen Staatsanleihen kräftig erholt. So war die bis zum 12. Oktober 2035 laufende Anleihe (ISIN US455780AT33, Nominalzinssatz 8,5 Prozent) im Vorjahr nach der Emission zunächst bis auf 107,80 Prozent gestiegen, bevor sie dann wegen der Kreditkrise bis auf 55 Prozent abstürzte. Inzwischen ist der Kurs aber wieder bis auf 102,70 Prozent gestiegen und das Papier wirft damit eine Rendite von 8,415 Prozent ab.
Die jüngsten Kursanstiege lassen sich zum Teil aber auch mit hausgemachten Gründen erklären. So ist die Wirtschaft im Vorjahr um 6,1 Prozent gewachsen und in diesem und im nächsten Jahr sollen die Zuwachsraten laut Volkswirten bei 4,2 Prozent und 5,1 Prozent liegen. Im internationalen Vergleich ist das sehr solide. „Das Wachstum überrascht positiv und es gibt Hoffnungen, dass der amtierende Präsident die Wahlen gewinnt. Dadurch erfährt Indonesien derzeit so etwas wie ein Re-Rating“, erklärt Tim Condon von der ING Groep.
Expansive Geldpolitik stützt
Eine Wiederwahl von Präsident Susilo Bambang Yudhoyono würde an den Märkten deshalb begrüßt, weil unter ihm Reformen verwirklicht wurden, die in den vergangenen beiden Jahren ein Wirtschaftswachstum von mehr als sechs Prozent ermöglicht haben. Im Falle eines Wahlsieges hat er versprochen, die staatlichen Infrastrukturausgaben bis 2014 um 128 Prozent auf 140 Milliarden Dollar zu erhöhen. Außerdem will er Regeln abschaffen, die das Wirtschaftswachstum In dem mit einem Bruttoinlandsprodukt von 433 Milliarden Dollar wirtschaftlich größten Land in der Region Südostasien behindern.
Trotz dieser Pläne gingen die Analysten bei Moody´s bisher davon aus, dass die externe Schuldenlast auf 25 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt gesenkt werden kann. Und vor dem Hintergrund dieser Annahme hatte die Ratingagentur den Ausblick für die Kreditwürdigkeitsnote, die mit Ba3 derzeit drei Stufen unter einem Investmentgrade liegt, Mitte Juni auf positiv erhöht.
Flankiert wird das zuletzt freundliche Umfeld auch noch durch den expansiven geldpolitischen Kurs, den die Notenbank fährt. An diesem Freitag wurde der Leitzins wie erwartet um 25 Basispunkte auf 6,75 Prozent reduziert. Seit Beginn des Lockerungszyklus im Dezember 2008 fiel der Leitzins damit um insgesamt 275 Basispunkte. Die geldpolitische Lockerung wird von der sinkenden Inflation im Lande begünstigt. Nach Aussage der stellvertretenden Notenbankgouverneurin Miranda Goeltom wird die Jahresteuerung in Indonesien im laufenden Jahr vermutlich unter 5 Prozent liegen. Im Juni war die Inflationsrate auf 3,65 Prozent von 6,04 Prozent im Vormonat gefallen und bisher waren die Verantwortlichen von einer Inflationsrate für das Gesamtjahr zwischen 5 und 7 Prozent ausgegangen.
Aufnahme in die Bric-Staaten winkt
Die ansonsten steigende Bedeutung des Landes und positivere Wahrnehmung in Anlegerkreisen spiegelt sich ansonsten in der Überlegung von Morgan Stanley wider, Indonesien bald in den erlauchten Kreis der so genannten Bric-Staaten aufzunehmen. Diese bestehen derzeit aus den als wachstumsstark eingeschätzten Ländern Brasilien, Russland, China und Indien. Aber weil die Analysten bei Morgan Stanley auch Indonesien bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts ein jährliches Plus beim Bruttoinlandsprodukt von im Schnitt sechs bis sieben Prozent zutraut, wird jetzt über eine Aufstockung auf fünf Länder nachgedacht.
Insgesamt haben die jüngsten Kursgewinne zu deutlich gesunken Renditeaufschlägen geführt. Alleine im zweiten Quartal sanken sie gemessen an den Sätzen der Credit-Default Swaps um 267,5 Basispunkte. Dadurch befindet sich Indonesien aktuell auch nicht mehr in der Liste der zehn Staaten deren Ausfallrisiko am höchsten eingeschätzt wird. Damit wird das Land jetzt solider als Argentinien, Ukraine oder etwa Island eingestuft. Und angesichts der relativ soliden volkswirtschaftlichen Rahmendaten scheint dies auch gerechtfertigt zu sein.
Ob die Renditen, die indonesische Anleihen derzeit abwerfen, noch lukrativ genug sind, muss letztlich jeder Investor für sich selbst entscheiden. Der Schub, der zusätzlich von den Zinssenkungen ausging, dürfte jedenfalls bald auslaufen. Zumindest hat die Notenbank signalisiert, dass das Ende im Lockerungszyklus erreicht sein könnte. Wer sich trotzdem interessiert und wem die bis 2035 laufende Anleihe zu langfristig ist, der sollte sich die bis zum 20. April 2015 laufende Staatsanleihe (ISIN: USY20721AB57, Kurs: 99,05 Prozent, Kupon: 7,25 Prozent) anschauen. Denn diese wirft unter den bis 2015 und 2017 laufenden Titeln mit 7,589 Prozent die höchste Rendite ab.