Börsianer zweifeln an einer robusten Nachfrage für eine 50-jährige Bundesanleihe. "Die Interessen des Bundes sind nicht die Interessen der Investoren", betont Analyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. „Für diese birgt eine derart langfristige Zinsbindung ein hohes Risiko", fügt er mit Blick auf die Zinsschwankungen in den vergangenen Jahrzehnten hinzu.
Auch Händler äußern sich skeptisch: „Für eine so langfristige Anleihe fehlt es uns hier an der notwendigen Anlagekultur.“ Rentenexperte Gregor Beckmann von HSBC Trinkaus & Burkhardt beurteilt das mögliche Anlegerinteresse dagegen optimistisch. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die erfolgreiche Platzierung einer 50-jährigen französischen Staatsanleihe in Höhe von sechs Milliarden Euro. Dabei seien 67 Prozent der Zuteilungen Investment- und Pensionsfonds sowie Versicherungen entfallen. Den Rest hätten sich Hedge-Fonds und Banken geteilt..
Orientierung am französischen Vorbild
Aber auch Beckmann schätzt die Chancen auf eine baldige Einführung von überlangen deutschen Rentenpapieren als gering ein. Zwar sei der Zeitpunkt für eine Ausgabe eines solchen Papiers günstig, der Bund stehe aber zunächst einmal vor der Ausgabe inflationsindizierter Anleihen sowie Fremdwährungsbonds. Gegen eine baldige Einführung spreche außerdem, daß die Finanzagentur offiziell noch gar nicht mit der Prüfung einer derartigen Emission betraut worden sei.
Anleihen-Experte Bernd Weidensteiner von der DZ Bank sagte dazu: „Wenn man zynisch sein wollte, könnte man sagen, daß die Deutschen wieder die letzten sind, die auf den Zug aufspringen". „Wenn der Markt das hergibt, kann das durchaus sehr positiv sein", wertete er ein solches Instrument. Das gelte insbesondere, da die Rendite schließlich nicht viel über der von 30-jährigen Anleihen liege, sie also kaum teurer seien.
Finanzministerium erwägt Emission überlanger Anleihen
In einer schriftlichen Antwort auf eine parlamentarische Anfrage hatte das Bundesfinanzministerium mitgeteilt, daß es beabsichtige, die Finanzagentur mit der Prüfung der Voraussetzungen und Auswirkungen von überlangen Bundesanleihen zu beauftragen. „Das Bundesministerium der Finanzen beabsichtigt, die Bundesrepublik Deutschland-Finanzagentur GmbH mit einer Untersuchung über die Voraussetzungen und die potenziellen Auswirkungen der Begebung von Bundeswertpapieren mit sehr langer Laufzeit zu beauftragen", erklärte Finanzstaatssekretär Karl Diller schriftlich auf eine parlamentarische Anfrage.
Bei Kapitalsammelstellen wie Versicherungen und Pensionsfonds bestehe wegen der langfristigen Natur der Verbindlichkeiten aus Gründen der Ertragssicherung und der Risikodiversifizierung vermutlich einen Bedarf an sicheren, langfristigen Anlagemöglichkeiten. Noch gebe es hierzu aber keine repräsentativen Untersuchungen.
Der CDU-Finanzexperte Steffen Kampeter begrüßte am Freitag diesen Schritt der Regierung. „Wir haben eine Grundsympathie und sind gerade auf dem Hintergrund des gegenwärtigen Zinsniveaus für solche Schritte am langen Ende offen", sagte Kampeter der Nachrichtenagentur Reuters. Ob man einem solchen Vorhaben näher rücken sollte, hänge aber davon ab, ob sich diese Überlegungen in der Prüfung als wirtschaftlich erweisen. „Das sollte man aber rasch prüfen", ergänzte er.
Bislang begibt der Bund Anleihen mit einer Laufzeit von maximal 30 Jahren. Vor rund zwei Wochen hatte Frankreich allerdings mit der erfolgreichen Platzierung einer 50-jährigen Anleihe Neuland betreten. Erstmals in der jüngeren Geschichte gab ein großer Emittent Staatspapiere mit überlanger Laufzeit aus.