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Anleiheemissionen Continental nutzt die Gunst der Stunde

03.09.2010 ·  Der Reifenhersteller Continental stößt trotz 8 Milliarden Euro Schulden mit einer neuen Hochzinsanleihe auf große Nachfrage bei Investoren. Ein wichtiger Grund ist der Renditeverfall bei den als ausfallsicher geltenden Bundesanleihen. Die Ratingagentur Standard & Poor's erwartet ein Rekordvolumen.

Von Markus Frühauf
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Nicht einmal zwei Monate sind vergangen seit der ersten Hochzinsanleihe von Continental. Nun hat der Reifenhersteller, der frühestens Ende 2011 mit dem fränkischen Automobilzulieferer Schaeffler verschmolzen wird, seinen zweiten High-Yield-Bond begeben. Und die Plazierung war ein Erfolg: Denn das ursprünglich geplante Volumen von 750 Millionen Euro wurde wegen des Ansturms der Investoren auf 1 Milliarde Euro aufgestockt. Zudem zahlt Continental für die nun siebenjährige Laufzeit einen Zins von 7,5 Prozent. Das ist ein Prozentpunkt weniger als bei der Mitte Juli begebenen, fünfjährigen Anleihe über 750 Millionen Euro.

Damals galt die finanzielle Situation der Schaeffler-Gruppe noch als undurchsichtig. Das Familienunternehmen in der Rechtsform einer GmbH hat am Mittwoch - und damit einen Tag vor der Anleiheplazierung von Continental - erstmals der Öffentlichkeit Zahlen vorgelegt. Schaeffler betrachtet sich selbst als bonitätsstarke Gesellschaft. Der Anleihemarkt ordnet solche Unternehmen dem Investment-Grade-Segment zu. Dies setzt bei der Ratingagentur Moody's eine Bonitätsnote von mindestens „Baa3“ und bei Standard & Poor's (S&P) von „BBB-“ voraus.

Unsicherheitsfaktor für Schaeffler und Continental

Schaeffler weist Finanzschulden von 6 Milliarden Euro aus. Allerdings verweisen Kritiker darauf, dass 5 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten bei den Eigentümern Maria-Elisabeth und Georg Schäffler liegen. Schaeffler hat sich 2008 im Zuge der Continental-Übernahme mit 12 Milliarden Euro verschuldet. Darunter befindet sich auch eine Kreditlinie der Banken von 1 Milliarde Euro, die bislang nicht gezogen worden ist. Die Familie zahlt für die übernommenen Kredite aber keine Zinsen und muss diese nicht tilgen. Die Darlehen sollen in sechs Jahren einschließlich der aufgelaufenen Zinsen fällig werden. Dies gilt als Unsicherheitsfaktor für Schaeffler und Continental.

Vom Investment-Grade-Status ist der Hannoveraner Reifenhersteller weit entfernt. Bei Moody's kommt Continental auf „B1“ und bei S&P auf „B“. Schuldtitel von Non-Investment-Grade-Emittenten werden am Anleihemarkt wenig schmeichelhaft als „Ramschanleihen“ bezeichnet. Auf Continental lasten Schulden von 8 Milliarden Euro. Davon wird der Großteil im Jahr 2012 fällig. Trotzdem haben viele Investoren Continental ein starkes Interesse an einer zusätzlichen Emission signalisiert, wie Finanzvorstand Wolfgang Schäfer berichtete. Er kündigte zwei weitere Anleiheemissionen an, ließ aber den Zeitpunkt offen.

Emissionen 2009 auf Rekordwert von 453 Milliarden Euro

Ein wichtiger Grund für die hohe Nachfrage der Investoren ist der Renditeverfall bei den als ausfallsicher geltenden Bundesanleihen. Insbesondere Lebensversicherer stehen vor einem Problem, denn der durchschnittliche Garantiezins von 3,5 Prozent für Alt- und Neuverträge ist mit Bundesanleihen nicht mehr zu verdienen. Die zehnjährige Laufzeit weist aktuell eine Rendite von 2,3 Prozent auf. Für die meisten Privatanleger scheiden Hochzinsanleihen als Anlageform aus, weil der Mindestanlagebetrag 50.000 Euro beträgt, wie bei den beiden Conti-Anleihen.

Zwar können die Emissionen bonitätsstarker Unternehmen in diesem Jahr nicht mit 2009 mithalten, dafür bahnt sich aber bei den Hochzinsanleihen ein Rekord an. Nach einer Studie der Ratingagentur S&P sind in diesem Jahr bislang von europäischen Unternehmen hochverzinsliche Anleihen von knapp 32 Milliarden Euro emittiert worden. Damit liegt der aus dem Jahr 2009 stammende Rekord von 38 Milliarden in Reichweite. Nach Ansicht der S&P-Analysten dürfte dieser Wert überboten werden, weil viele bonitätsschwache Unternehmen die niedrigen Zinsen für einen längeren Zeitraum sichern und über Anleihen die Finanzierungslücke aus der zunehmenden Zurückhaltung der Banken schließen wollen.

Laut S&P müssen europäische Unternehmen, die von Beteiligungsgesellschaften übernommen worden sind, bis zum Jahr 2017 fällig werdende Kredite von 500 Milliarden Euro ablösen. In der Regel übertragen Finanzinvestoren die für eine Übernahme eingegangenen Verbindlichkeiten auf das übernommene Unternehmen. Im europäischen Investment-Grade-Bereich haben die S&P-Analysten in diesem Jahr neue Unternehmensanleihen von 132 Milliarden Euro gezählt. Im Gesamtjahr 2009 hatten sich die Emissionen noch auf den Rekordwert von 453 Milliarden Euro belaufen.

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