Home
http://www.faz.net/-gvt-7483p
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Zertifikate und ETFs

Anleiheauktion Spanien besorgt sich problemlos langfristiges Kapital

Trotz seiner hohen Schuldlast halten die Investoren Spanien am Kapitalmarkt die Treue. Das Land nahm am Donnerstag bei Auktionen von Anleihen mittlerer und langer Laufzeiten 4,8 Milliarden Euro ein. Seinen Refinanzierungsbedarf für 2012 hat Spanien damit komplett gedeckt.

© dapd Vergrößern Trotz Eurokrise: Anleger kaufen auch lang laufende spanische Anleihen.

Das krisengeschwächte Euroland Spanien hat sich am Donnerstag problemlos langfristiges Kapital besorgt. Bei einer Auktion dreier Staatsanleihen mit Laufzeiten von bis zu zwanzig Jahren konnte das Land sogar mehr Geld als geplant aufnehmen, insgesamt fast 5 Milliarden Euro. Dies geht aus Zahlen der nationalen Notenbank hervor.

Mehr zum Thema

Die Plazierung langlaufender Anleihen gilt angesichts der massiven Probleme Spaniens als schwierig. Die geglückte Auktion kann als Erfolg verbucht werden. Damit hat das als heißer Anwärter auf den Euro-Rettungsschirm gehandelte Land seinen Refinanzierungsbedarf für 2012 komplett gedeckt. Es kann nun in den verbleibenden Auktionen im November und Dezember bereits für 2013 Gelder einsammeln. Mit drei Staatsanleihen, die 2015, 2018 und 2032 fällig werden, nahm Spanien insgesamt 4,76 Milliarden Euro auf. Das sind gut 260 Millionen Euro mehr als ursprünglich anvisiert.

Sogar spanische Anleihen mit 20 Jahren Laufzeit gefragt

Die Anleger griffen auch bei den erstmals seit Mai 2011 wieder aufgelegten 20-jährigen Anleihen zu: Das Land brachte Papiere im Volumen von 732 Millionen Euro an den Mann. Die Nachfrage überstieg das Angebot um das 2,1-Fache, was als Vertrauensbeweis der Investoren gewertet wurde. Allerdings musste das Land einen relativ hohen Zins von 6,328 Prozent für die langlaufenden Papiere bieten.

Bei den Zinskosten eignet sich lediglich die kürzeste Anleihe mit Fälligkeit 2015 für einen Vergleich. Bei dem dreijährigen Papier sank die zu zahlende Rendite von 3,96 Prozent - erzielt bei einer Auktion im Oktober - auf 3,66 Prozent. Die vergangenen Versteigerungen der anderen beiden Papiere liegen für einen Renditevergleich zu lange zurück.

Hilftsantrag bleibt auf der Agenda

Trotz seiner hohen Schulden hat das Land bislang keinen Rettungsantrag in Brüssel stellen wollen. Spekulationen, wonach Spanien dieses Jahr nicht mehr in Brüssel anklopfen wird, drückten am Donnerstag auch auf dem Euro-Kurs. Investoren fürchten, dass sich in diesem Fall die europäische Schuldenkrise noch länger hinziehen könnte als ohnehin befürchtet. Die EZB steht bereits Gewehr bei Fuß, Spanien mit flankierenden Anleihekäufen am Sekundärmarkt unter die Arme zu greifen, falls es unter den Rettungsschirm schlüpft.

Der Ökonom Nick Stamenkovic von Ria Capital Markets geht davon aus, dass sich Ministerpräsident Mariano Rajoy nach den erfolgreichen Auktionen in seiner Sicht bestärkt sieht, dass ein Antrag nicht dringlich ist. „Aber wenn der Refinanzierungsbedarf für 2013 stärker ins Blickfeld rückt, dürfte das Land doch zu einer Flucht in die Arme der EZB getrieben werden.“

Nach Einschätzung der EU-Kommission wird Spanien noch mindestens zwei Jahre lang mit einem hohen Haushaltsdefizit kämpfen. Anders als von der Regierung in Madrid selbst berechnet, werde die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone auch 2014 mit einem Haushaltsloch von 6,4 Prozent weit vom vereinbarten Defizitziel von 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfernt sein, sagte die EU-Kommission in ihrer Herbstprognose voraus.

Quelle: FAZ.net mit dpa, Reuters

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Geldpolitik Die Anleihemärkte unterschätzen den Aufschwung

Die Anzeichen für einen Konjunkturboom nehmen zu, aber die Renditen für europäische Staatsanleihen fallen auf Rekordtiefs. Der Grund ist die EZB. Mehr Von Gerald Braunberger

27.02.2015, 08:36 Uhr | Finanzen
Brüssel Cameron wettert gegen Milliarden-Nachforderung

Die geforderte Nachzahlung von 2,1 Milliarden Euro sei absolut ungerechtfertigt. Der britische Premierminister David Cameron stellte erneut die Mitgliedschaft seines Landes in der EU infrage. Mehr

24.10.2014, 20:05 Uhr | Politik
Griechenland-Krise Merkel gegen Tsipras: Wer pokert höher?

Am Montag beginnt die entscheidende Runde um den Grexit. 18 Euro-Staaten stehen gegen die Griechen. Bisher hat Athen noch immer gewonnen. Mehr Von Ralph Bollmann und Christian Siedenbiedel

15.02.2015, 15:52 Uhr | Wirtschaft
Berlin Merkel unbesorgt über russische Flüge

Die vermehrten Militärflüge Russlands sind für Kanzlerin Merkel kein Grund zur Unruhe. Der Luftraum werde beobachtet. Sie rechne nicht damit, dass unerlaubte Grenzverletzungen erfolgen. Mehr

30.10.2014, 20:36 Uhr | Politik
Bankenstrafen-Ticker Morgan Stanley zahlt Milliardenstrafe für windige Hypothekendeals

Betrug, Geldwäsche, Zinsmanipulationen: Banken weltweit müssen für ihre Fehltritte büßen. Nun kommt die Beilegung eines Hypothekenstreits Morgan Stanley teuer zu stehen. Mehr

26.02.2015, 08:54 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 08.11.2012, 15:18 Uhr

Wertpapiersuche
Zinsen