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Anlagestrategien Rekordniedrige Zinsen lasten auf Versicherern

25.08.2010 ·  Die langfristigen Renditen sind niedriger als der Garantiezins für Lebensversicherungen. Angesichts des mageren Umfelds ändern Gesellschaften ihre Anlagestrategien und investieren mehr in reale Werte wie Unternehmensanteile.

Von Kerstin Papon und Philipp Krohn
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Die langfristigen Zinsen sind historisch niedrig. Die Rendite von Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit fiel am Mittwoch zeitweise sogar unter 2,10 Prozent. Dieses Niedrigzinsumfeld ist für Privatanleger ärgerlich. Doch für große institutionelle Investoren wie Lebensversicherer wirft es immer größere Probleme auf. Für sie wird es nicht nur schwieriger attraktive Renditen für ihre Versicherten zu erwirtschaften. Mittlerweile sind zudem die langfristigen Zinsen tiefer als der Garantiezins, der sich seit dem Jahr 2007 für das Neugeschäft auf 2,25 Prozent beläuft.

Für die Versicherten setzt sich die Gesamtverzinsung ihrer Policen aus dem Garantiezins und einer variablen Überschussbeteiligung zusammen. Verzinst wird allerdings nur der Sparanteil der Verträge, der nach dem Abzug der Kosten- und Risikoanteile übrigbleibt. Im Durchschnitt erbringen die Verträge nach Schätzungen von Fachleuten derzeit 4,2 Prozent Die Überschussbeteiligung wird jährlich festgesetzt. Sie orientiert sich daran, was die Versicherer an den Märkten verdient haben. Gleichwohl haben die Gesellschaften ein Interesse daran, auch in schwierigeren Marktlagen möglichst kontinuierliche Renditen zu bieten.

Das schlechteste Szenario

Der Garantiezins wird jedes Jahr im Herbst von Bundesministerium für Finanzen für das darauffolgende Jahr festgelegt und gilt für die dann abgeschlossenen neuen Verträge. Für Altverträge gibt es einen Bestandschutz. Hier gilt der bei Vertragsabschluss gültige Garantiezins für die gesamte Vertragsdauer. Im Durchschnitt über alle Laufzeiten liegt er aktuell bei 3,5 Prozent.

In diesem Jahr steht die Entscheidung des BMF für 2011 noch aus. Die Empfehlung der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), die im Frühjahr dieses Jahres ausgesprochen wurde, lautet, den Garantiezins auf 2,25 Prozent zu belassen. Daran orientiert sich das BMF in aller Regel. Doch es ist nicht an diese Vorgabe gebunden und kann einen anderen Zins bestimmen, sollte es die Marktlage erfordern. Selbst wenn der Garantiezins für 2011 unverändert bleiben sollte, rechnen Branchenkenner danach mit Senkungen.

Grundlage für die Berechnung des Garantiezinses durch die DAV ist die Umlaufrendite zehnjähriger Bundesanleihen, Maßgeblich ist der Mittelwert der letzten zehn Jahre. Derzeit wären dies rund 4 Prozent. Dabei darf der zulässige Garantiezins nicht höher sein als 60 Prozent dieses Wertes, also zum Beispiel 2,4 Prozent. Auf dieser Basis werden neun verschiedene Szenarien durchgerechnet, die jeweils auf zehn Jahre ausgelegt sind. In einer Variante bleibt die Umlaufrendite unverändert. In einer anderen fällt sie in dieser Zeit gleichmäßig um 0,5 Prozentpunkte oder sinkt zunächst, um dann wieder zu steigen. Aus dem Sicherheitsgedanken heraus, wähle man das schlechteste Szenario, denn die Versicherer müssten den Wert garantieren können, heißt es vom DAV.

Rund 90 Millionen Versicherungspolicen gab es in Deutschland zum Jahresende 2009. Die Versicherungssumme belief sich auf 2,5 Billionen Euro. Nach Angaben des Branchenverbandes GDV hatten die Versicherer rund 700 Milliarden Euro am Kapitalmarkt investiert. Der größte Anteil der Portfolios entfiel auf Anleihen und andere Zinstitel. Obgleich viele ältere Papiere noch höher verzinst sind, bekommen die Versicherer das Niedrigzinsumfeld immer mehr zu spüren.

Reale Anlageklassen zunehmend attraktiv

Die niedrigen Zinsen beschäftigen nicht nur die Lebensversicherer, sondern die gesamte Branche. Auch die Rückversicherer, die sehr viel flexibler auf veränderte Kapitalmarktbedingungen reagieren können, denken um. „Wir haben in den vergangenen Wochen die Quote der Unternehmensanleihen erhöht“, sagte Roland Vogel, Finanzvorstand der Hannover Rück der Börsen-Zeitung. „Das war überfällig, weil wir Ende 2008 unsere Aktien ganz verkauft haben und danach voll in Staatsanleihen gegangen sind.“ Binnen zwei Jahren strebe der Konzern wieder eine Aktienquote zwischen 3 und 5 Prozent an. Vor der Finanzkrise waren es 12 Prozent.

Den Anteil von Unternehmensanteilen habe man von 20 auf 22 bis 23 Prozent erhöht. Ähnliche Überlegungen hat auch der Konkurrent Munich Re, der knapp 200 Milliarden Euro Kapitalanlagen verwaltet. Er will vor allem seine Investitionen in erneuerbare Energien ausbauen. Bis zu 2,5 Milliarden Euro sind dafür vorgesehen. Seit einiger Zeit gibt der größte Rückversicherer der Welt das Ziel aus, die Aktienquote von 2,5 in Richtung 5 Prozent auszubauen.

Der größte deutsche Versicherer Allianz verfügt über Kapitalanlagen von 440 Milliarden Euro. Zuletzt erklärte das Unternehmen, das Engagement in Immobilien von 17 auf 30 Milliarden auszubauen. Hierzu passen die jüngsten Investitionen in Filialen des Einzelhändlers Aldi Süd und in das Frankfurter Bürogebäude Triton, wofür 200 Millionen Euro eingesetzt wurden. Auch Allianz-Vorstand Paul Achleitner hält reale Anlageklassen für zunehmend attraktiv. So will das Unternehmen in Wind- und Solarparks investieren und kaufte vor einiger Zeit sogar Parkuhren in Chicago.

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Jahrgang 1967, Redakteurin in der Wirtschaft.

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