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Anlageprodukte Sparerfreibetrag macht Sparkassen kreativ

05.09.2006 ·  Weil der Sparerfreibetrag zum Jahreswechsel sinken soll, steigen viele Sparer auf Anlageprodukte mit vorgezogener Zinszahlung um. Der Phantasie der Produktentwickler sind kaum Grenzen gesetzt.

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Die Absenkung des Sparerfreibetrags zum Jahreswechsel hat vor allem in der Sparkassen-Finanzgruppe die Phantasie der Produktentwickler beflügelt. In diesen Wochen sind einzelne örtliche Sparkassen mit Sparprodukten auf den Markt gekommen, die mindestens 16 Monate laufen und dabei für die ersten Monate bis zum Jahresende eine überdurchschnittlich hohe Zinszahlung vorsehen, die in der Zeit nach dem Jahreswechsel mit einer sehr niedrigen Zinszahlung auf Normalmaß zurückgeschraubt wird. Gleichzeitig bieten einzelne Landesbanken Stufenzinsanleihen an, die nach einem ähnlichen Muster gestrickt sind.

Die Angebote richten sich an Kunden, die derzeit noch unter der Freibetragsgrenze bei der Besteuerung von Kapitalerträgen liegen, im kommenden Jahr jedoch nach der vorgesehenen Reduzierung um fast die Hälfte über die Freibetragsgrenze rutschen. Derzeit können Alleinstehende 1370 Euro und Ehepaare 2740 Euro zuzüglich der Werbungskostenpauschale von 51 Euro pro Person steuerfrei vereinnahmen. Ab dem kommenden Jahr sind es dann nur noch 750 Euro beziehungsweise 1500 Euro. Lediglich die Werbungskostenpauschale bleibt ungekürzt erhalten.

Keine vorzeitige Verfügung über angelegtes Geld

Die Konstruktionen der Sparkassen und Landesbanken bieten ihnen nun die Möglichkeit, ihren nicht ausgeschöpften Freibetrag durch die vorgezogene Zinszahlung in diesem Jahr noch einmal steuermindernd in Anspruch zu nehmen und dafür ab dem kommenden Jahr auf Zinszahlungen zu verzichten. Ein Nachteil dieser Konstruktion ist allerdings, daß Anleger bis zu einem festgelegten Termin über ihr Geld nicht verfügen können - es sei denn, sie verzichten auf den Zinsvorteil in diesem Jahr und begnügen sich mit Sparbuchkonditionen.

Eine der ersten Sparkassen mit einem solchen Angebot war die Nord-Ostsee-Sparkasse mit Sitz in Schleswig. Von Anfang Juli bis zum 31. August bot sie ihr „Anlagekonto Extra“ mit einer Verzinsung von 6,5 Prozent per annum für dieses Jahr und 2 Prozent für die anderthalb Jahre an. Die Gesamtverzinsung beträgt auf dieser Basis 3,125 Prozent, was im marktüblichen Bereich liegt. „Das Angebot lief sehr gut“, blickt eine Sparkassen-Sprecherin zurück. Allerdings sei auch deutlich geworden, daß die Zielgruppe klar umrissen ist. Zum Ende der Angebotsfrist ebbte die Nachfrage deutlich ab. Zu den Nachzüglern gehört in diesen Tagen die Sparkasse Offenbach. Der späte Start in das Geschäft bringt allerdings den Vorteil, mit runden 10 Prozent per annum bis zum Jahreswechsel werben zu können. Auch ist hier die Laufzeit kürzer. Das Geld muß nur bis zum 2. Januar 2008 liegenbleiben. Dafür gibt es aber auch nur ein Prozent Zinsen im kommenden Jahr.

Für Großbanken nicht profitabel genug

Welche örtlichen Sparkassen ähnliche Angebote auf Lager haben, ist schwer zu überschauen. Beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband laufen diesbezüglich keine Produktinformationen zusammen. Allen Sparkassen-Kunden bietet sich allerdings ein Zugang über spezielle Stufenzinsanleihen einzelner Landesbanken mit einem ähnlichen Effekt an. Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) sammelte kürzlich mit einer Stufenzinsanleihe fünf Millionen Euro ein, die für die ersten viereinhalb Monate bis Weihnachten 14 Prozent per annum bot. Für die darauffolgenden drei Jahre steht dann ein Zins von 2 Prozent jährlich. Der Druck auf den Anleger, die Anleihe bis zur Endfälligkeit zu halten, kommt hier durch den Kurs. Dieser wird durch den hohen ersten Kupon zunächst deutlich unter 100 Prozent liegen.

Im Verbund der Genossenschaftsbanken sind bislang nur vereinzelt Anlageprodukte mit vorgezogenen Zinserträgen bekanntgeworden. Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken hat den einzelnen Instituten zwar entsprechende Anregungen zukommen lassen, aber keine Rückmeldungen über die Umsetzung erhalten. Die WGZ-Bank als eines der beiden Zentralinstitute der Volksbanken plaziert in diesen Tagen eine Stufenzinsanleihe mit drei Jahren Laufzeit. Hier werden zunächst 7 Prozent per annum bis zum Jahreswechsel und dann 2,95 Prozent jährlich geboten. Die durchschnittliche Verzinsung liegt dann bei 3,28 Prozent. Großbanken wie die Dresdner Bank und die Commerzbank sind gegenüber Sparprodukten mit vorgezogenen Zinsen für dieses Jahr zurückhaltend. Für sie ist das Geschäft wegen seiner Kleinteiligkeit offenbar nicht profitabel genug.

Quelle: sfu., F.A.Z., 06.09.2006, Nr. 207 / Seite 25
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