29.01.2009 · Die Weltwirtschaft wird womöglich noch für geraume Zeit in der Krise stecken und das Ende der Rezession in den Vereinigten Staaten hinauszögern. Die Angst vor einer Deflation wächst. Gleichzeitig gibt es eine Diskussion um Ankauf von Staatsanleihen.
Von Claus Tigges, WashingtonDie Weltwirtschaft wird womöglich noch für geraume Zeit in der Krise stecken und das Ende der Rezession in den Vereinigten Staaten hinauszögern. Die schwache Nachfrage aus dem Ausland kann Amerika sogar an den Rand einer gefährlichen Deflation führen, die die Konjunktur zusätzlich lähmen würde.
Diese düstere Botschaft hat der geldpolitische Rat der Notenbank Federal Reserve (Fed) nach seiner Sitzung am Mittwoch den Akteuren an den Finanzmärkten vermittelt. Die Währungshüter um den Vorsitzenden Ben Bernanke äußerten in ihrer schriftlichen Mitteilung nicht nur die Einschätzung, dass sich die heimische Wirtschaftslage in den vergangenen Wochen deutlich verschlechtert habe; erstmals wiesen sie auch darauf hin, dass die „globale Nachfrage sich offenbar deutlich verlangsamt“.
Alle zur Verfügung stehenden Werkzeuge einsetzen
Nach Ansicht des Rates besteht ein gewisses Risiko, dass die Inflationsrate unter jenes Niveau fallen könnte, „das das Wirtschaftswachstum und die Preisstabilität langfristig am besten fördert“. Dahinter verbirgt sich die Sorge Bernankes und seiner Kollegen, dass das Preisniveau insgesamt fallen könnte. Solch eine Entwicklung wäre gefährlich, weil Verbraucher und Unternehmen Anschaffungen und Investitionen aufschieben in der Erwartung, dass die Preise noch weiter fallen werden. Die Verbraucherpreise in Amerika sind im Dezember durchschnittlich um 0,7 Prozent gefallen; die jährliche Inflationsrate betrug nur 0,1 Prozent.
„Die Befürchtung, es könnte zu einer Deflation kommen, wird offenbar größer“, kommentiert Harm Bandholz, der die Fed für die Uni-Credit-Gruppe aus New York beobachtet, die Nachricht aus Washington. Bandholz richtet seine Aufmerksamkeit auf das Versprechen der Währungshüter, „alle zur Verfügung stehenden Werkzeuge einzusetzen“, um der Wirtschaft und dem Finanzsystem zu helfen und eine Deflation abzuwenden. Ziel der Fed sei es, die langfristigen Zinsen auf dem Kapitalmarkt weiter zu senken. Das versuche sie zum einen durch die Zusage, das niedrige Leitzinsniveau von 0 bis 0,25 Prozent für geraume Zeit beizubehalten.
„Zum anderen ist die Fed nun aber auch grundsätzlich bereit, langfristige amerikanische Staatsanleihen zu kaufen“, sagt Bandholz. Auf diese Weise können die Anleihekurse in die Höhe getrieben und die Renditen gesenkt werden. Eine Entscheidung, dies tatsächlich zu tun, ist nach Einschätzung des Bankökonomen aber noch nicht gefallen. Die Fed werde die Entwicklung ihrer Bilanz, die sich durch Käufe anderer Wertpapiere, insbesondere hypothekenbesicherte Anleihen, in den vergangenen Monaten deutlich ausgeweitet hat, genau beobachten und nur dann Staatsanleihen kaufen, wenn dies opportun erscheine.
Einen günstigen Zeitpunkt abwarten
David Greenlaw von Morgan Stanley hingegen meint, dass die für die Geschäfte am offenen Markt zuständige Federal Reserve von New York schon zu Käufen langlaufender Staatsanleihen ermächtigt sei und nur einen günstigen Zeitpunkt abwarte. Greenlaw weist darauf hin, dass die Fed in Kürze mit der Umsetzung eines neuen Programms beginnen werde, der sogenannten „Term Asset-Backed Securities Loan Facility“ (TALF). Dabei handelt es sich um eine neue Kreditfazilität für Finanzmarktakteure, die mittelbar die Vergabe von Darlehen an Haushalte und kleine Unternehmen in Gang setzen soll.
Aus Enttäuschung darüber, dass die Fed den Kauf von Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten nicht explizit angekündigt hat, sind deren Renditen geringfügig weiter gestiegen. Die Anleihe des Schatzamtes in Washington mit einer Laufzeit von zehn Jahren wirft derzeit 2,66 Prozent ab, rund 46 Basispunkte mehr als Mitte Januar. Papiere mit fünf Jahren Laufzeit weisen eine Rendite von rund 1,7 Prozent auf, 35 Basispunkte mehr als vor zwei Wochen. Die Währungshüter hoffen, dass sich durch niedrigere Renditen am Kapitalmarkt auch die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und deren Möglichkeiten zur Kapitalaufnahme verbessern.
Was dagegen spricht
Achim Land (AchimLand)
- 30.01.2009, 00:37 Uhr
Naturalwirtschaft statt Geldwirtschaft@emilgilels
Fritz Vandermöhlen (FritzV)
- 30.01.2009, 09:43 Uhr
@haupricht
Alexis Schweitzer (alexisschweitzer)
- 30.01.2009, 10:09 Uhr