Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve hat die Tür für eine abermalige Lockerung ihrer Geldpolitik weit geöffnet. Analysten rätseln nun über den nächsten Schritt. „Eine Lockerung ist keineswegs eine ausgemachte Sache“, kommentierten die Volkswirte von Goldman Sachs. Sie halten es indes für am wahrscheinlichsten, dass die Fed bei der nächsten Sitzung im September ihr Versprechen, den Leitzins niedrig zu halten, bis über das Jahresende 2014 hinaus ausweitet. Eine dritte Runde des Ankaufs von Anleihen, die QE3 genannte quantitative Lockerung, erwartet Goldman Sachs erst zur Jahreswende.
Entgegen Spekulationen hatte der Offenmarktausschuss der Fed am Mittwoch die Geldpolitik unverändert gelassen, zugleich aber in deutlicheren Worten als zuvor die Bereitschaft zur Lockerung signalisiert. „Der Ausschuss wird die Informationen über die wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung aufmerksam verfolgen und wird - wenn nötig - zusätzliche Stimuli geben“, hieß es. Damit knüpft die Zentralbank die Geldpolitik ausdrücklich an die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Sie ist gemäß ihres Doppelmandats über das schwache Wachstum beunruhigt, das die Besserung am Arbeitsmarkt gestoppt hat. Unverändert erwartet die Fed indes, dass die Wirtschaft in den kommenden Quartalen moderat wachsen und sich dann schrittweise erholen werde. Inflationsgefahren sieht sie keine.
„Die Fed hat sich für Abwarten entschieden“
Die Zentralbank ist in einer unkomfortablen Lage. Als wichtigste Risiken sieht der Vorsitzende Ben Bernanke die Euro-Schuldenkrise und die mögliche scharfe fiskalische Kontraktion in den Vereinigten Staaten zur Jahreswende, die „fiskalische Klippe“. Beide Risiken kann die Fed nicht beeinflussen. Zugleich gibt es im Offenmarktausschuss Zweifel, ob eine weitere Lockerung der Geldpolitik angesichts der sehr niedrigen langfristigen Zinsen der Wirtschaft noch etwas bringe.
„Die Fed hat sich für Abwarten entschieden und hofft auf die Selbstheilungskräfte der Wirtschaft“, kommentierte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Entscheidend für eine Lockerung sei, ob das Wachstum sich weiter abschwäche. Andere Analysten betonten dagegen, dass das Wachstum schon stärker werden müsse, damit die Fed nicht handle. „Derzeit sieht es so aus, als ob QE3 eher früher als später kommt“, erklärte Harm Bandholz, Amerika-Volkswirt der Unicredit. Die Fed werde sich in der dritten Runde der quantitativen Lockerung auf Hypothekenpapiere konzentrieren, um die Kosten für Hauskredite zu senken. Der Zinssatz für Hypotheken mit 30 Jahren Laufzeit lag zuletzt bei rund 3,75 Prozent.
Gegen einen schnellen weiteren Anleihekauf spricht, dass die Fed erst im Juni die „Operation Twist“ bis Dezember verlängert hatte. Dabei versucht sie, mit dem An- und Verkauf von Staatsanleihen im Wert von weiteren 267 Milliarden Dollar, die Langfristzinsen im Verhältnis zu den Kurzfristzinsen zu drücken. Die Fed sieht das Programm nicht als nebensächlich. Bernanke hat es als substantiell bezeichnet.
Gerüchte über außerplanmäßige Schritte
Aus politischen Gründen erwartet der Amerika-Chefvolkswirt von Morgan Stanley, Vincent Reinhart, als ersten Schritt der Lockerung keinen Anleihekauf, sondern ein längeres Niedrigzinsversprechen. Die Fed wolle sich vor der Wahl im November zurückhalten, argumentiert Reinhart. Die Fed weist eine Rücksichtnahme auf Wahltermine von sich. Wenige Monate vor der Präsidentenwahl steht sie aber politisch unter scharfer Beobachtung. Senator Charles Schumer, ein Spitzenpolitiker der Demokraten, sagte nach dem Zinsentscheid, die Fed solle sich nicht davon abhalten lassen, das Nötige zu tun, um die Arbeitslosigkeit zu senken. Der republikanische Kongressabgeordnete Kevin Brady lobte die Fed dagegen für ihre Zurückhaltung. Es wäre ein Fehler, wenn sie weiter in der Wirtschaft interveniere, erklärte Brady.
Als Zeichen der Unsicherheit an der Wall Street kochten direkt nach der Fed-Entscheidung neue Gerüchte über außerplanmäßige Schritte der Fed hoch. Spekuliert wurde, ob die Fed verklausuliert eine Lockerung noch vor September angekündigt habe. Als scheinbarer Beleg gilt, dass die Fed die Formulierung „aufmerksam beobachten“ wählte. Diese Worte galten in der Ära von Alan Greenspan als Indiz für eine mögliche Entscheidung zwischen den Sitzungen des Ausschusses. Bernanke hat die Formulierung aber schon anders verwendet.
Mehr Aufschluss über die Geldpolitik erwarten die Volkswirte an den Finanzmärkten von seiner Rede Ende August auf dem Notenbankertreffen in Jackson Hole. 2010 hatte Bernanke dort faktisch die zweite Runde der quantitativen Lockerung angekündigt. Diese ließ dann aber noch bis November auf sich warten.
Ohne die US Army
Daniel Grün (danielgruen)
- 03.08.2012, 08:45 Uhr
Vergiss Bernanke lass die PResident arbeiten
Gerard Ryan (Irishexiled)
- 03.08.2012, 00:18 Uhr