11.01.2008 · Amerikanische Kreditversicherer befinden sich in der Defensive. Kurzfristige Kursbewegungen nach oben sind bei Aktien wie der von MBIA jederzeit möglich. Grundsätzlich sprechen jedoch die steigenden Risikoprämien gegen das Unternehmen.
An den amerikanischen Finanzmärkten geht es schon seit Wochen turbulent zu, insbesondere bei den Immobilien- und Finanzwerten. Da sie sich im amerikanischen Häusermarkt verspekuliert haben, werden sie nun im einem Umfeld fallender Immobilienpreise, anhaltend hoher Risikoprämien auf der Finanzierungsseite und zunehmenden Zahlungsausfällen der Kunden mit starken Verlusten und hohen Abschreibungen konfrontiert.
So kann es kaum verwundern, das die Aktien der entsprechenden Unternehmen in den vergangenen Monaten massiv unter Druck geraten waren. Immer mehr professionelle Marktteilnehmer setzten auf fallende Kurse. Allerdings kam es in jüngster Zeit zu zum Teil deutlichen Gegenbewegungen nach oben. Insbesondere seit die Bank of America bekannt gegeben hat, das defizitäre und von der Pleite bedrohte Unternehmen Countrywide Financial zu übernehmen.
Kurzfristige Kursbewegungen nach oben sind bei der Aktie jederzeit möglich
Auch diese heftigen, kurzfristigen Kursbewegungen nach oben werden kaum jemanden überraschen. Sie werden von den so genannten Short-Sellern, die auf fallende Kurse spekulieren, immer dann ausgelöst, wenn es zu einer in Ansätzen positiven Veränderung der fundamentalen Situation des betrachteten Unternehmens kommt. Um ihre schon erzielten Gewinne zu sichern oder um sich gegen Verluste aufgrund steigender Kurse abzusichern kaufen sie dann die zuvor verkauften Aktien rasch zurück.
Am Freitag ist das auch beim amerikanischen Kreditversicherer MBIA der Fall. Nachdem die Aktie seit Dezember des Jahres 2006 bis zu 82 Prozent ihres Wertes verloren hatte - davon den größten Teil in den vergangenen drei Monaten - legt das Papier am Freitag bis zu 24 Prozent auf bis zu 17,50 Dollar zu. Der Grund dürfte einerseits in der Glattstellung von Risikopositionen vor dem Wochenende zu finden sein, zumal jede Menge Übernahmegerüchte à la Countrywide die Runde machen.
Zum anderen will der unter Druck geratene weltgrößte Anleihe-Versicherer sich frisches Kapital beschaffen und damit sein AAA-Rating retten. Das amerikanische Unternehmen kündigte am Mittwoch an, Schuldverschreibungen über eine Milliarde Dollar zu begeben. Zudem soll die Dividende um 62 Prozent gekürzt werden, wodurch sich das Unternehmen Einsparungen von jährlich etwa 80 Millionen Dollar erhofft. Für das vierte Quartal sagte die Firma allerdings Verluste über 737 Millionen Dollar voraus. Hauptgrund sind hohe Kosten für Ausfälle bei strukturierten Wertpapieren, für die MBIA Garantien übernommen hat.
„Mit diesen Schritten stärken wir unsere finanzielle Flexibilität in Zeiten hoher Volatilität an den Hypothekenmärkten“, erklärte Finanzchef C. Edward Chaplin. Experten der Ratingagentur Fitch sehen besonders in einer erfolgreichen Schuldenaufnahme am Kapitalmarkt einen wichtigen Schritt. Sollte MBIA einen solchen Vertrauensbeweis der Anleger erhalten und sich erfolgreich eine Milliarde Dollar beschaffen, werde das Finanzstärke-Rating mit“AAA“ bestätigt, kündigte die Agentur an. Dies müsse aber bis Ende Januar geschehen. Sonst drohe weiter eine Herabstufung.
Bonität des Unternehmens wird schon lange angezweifelt
Das Geschäftsmodell der auch Monoliner genannten amerikanische Bond-Versicherer basiert zentral auf deren Top-Bonitätsbewertungen. Denn mit Hilfe ihrer Spitzen-Ratings garantieren die Firmen Zins- und Rückzahlungen von Schuldverschreibungen und machen so die Schuldenaufnahme billiger. Insgesamt versichert die Branche Anleihen im Volumen von etwa 2,5 Billionen Dollar, darunter viele Bonds von Kommunen. MBIA und andere Wettbewerber haben aber auch Garantien für mit Hypotheken besicherte Anleihen übernommen, die wegen der Krise am Immobilienmarkt vermehrt ausfallen. Das führt nun zu Verlusten, die an der Kapitaldecke zehren.
Analysten werteten die Kapitalmaßnahmen positiv, warnten aber vor verfrühtem Optimismus, da die Krise am Immobilienmarkt noch lange nicht ausgestanden sei. Darauf deutet schon die Tatsache hin, nach welchen das Unternehmen bei den Schuldverschreibungen Renditen von bis zu 14 Prozent bieten will. So eine hohe Rendite ist jedoch normalerweise mit Papieren von Unternehmen bester Bonität nicht zu erwarten, sondern nur von Unternehmen mit schlechter Bonität. Das heißt, die hohe Rendite ist mit dem Rating nicht stimmig, eines von beiden ist falsch.
Kritische Analysten stellen betrachten das Rating des Unternehmens schon lange kritisch. Die Frage sei nicht, ob es ein AAA oder ein AA-Rating habe, sondern ob MBIA überhaupt noch kreditwürdig sei, heißt es. Das Unternehmen hatte Ende Dezember des vergangenen Jahres bekannt gegeben, Risiken von so genannten Collateralized Debt Obligations (CDOs) im Wert von knapp 31 Milliarden Dollar in den Büchern zu haben. Und das bei einem Eigenkapital, das Ende des Jahres 2006 noch bei 7,2 Milliarden Dollar gelegen hatte. So dürfte es kaum verwundern, dass die Risikoprämien, die MBIA zahlen muss, in den vergangenen Monaten durch die Decke gegangen sind und weiter nach oben tendieren. Das ist kein sonderlich gutes Zeichen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |