31.10.2008 · Mit ihrem jüngsten Zinsschritt kappte die amerikanische Notenbank den Tagesgeldsatz auf ein Prozent. Wie können Investoren ihre Ersparnisse bei einem derart niedrigen Zinsniveau sicher und einigermaßen renditeträchtig anlegen? Es gibt Auswege aus dem Dilemma.
Von Ben StevermanNach der jüngsten Zinssenkung der amerikanischen Notenbank dürfte Anlegern die Vermehrung ihrer Ersparnisse noch schwerer fallen. Am 29. Oktober kappte die Fed den Tagesgeldsatz auf nunmehr ein Prozent. Dieses Leitzinsniveau wurde in der Vergangenheit zwar gelegentlich erreicht (zuletzt im Jahr 2004), eine Senkung unter ein Prozent wurde hingegen seit 1958 nicht mehr vorgenommen.
Marktbeobachter waren sich unschlüssig, welche unmittelbaren Auswirkungen dieser Zinsschritt haben würde: Die Renditen auf risikolose amerikanische Staatsanleihen sind bereits sehr niedrig. Viele hoffen, dass letztlich auch die Zinsen auf Hypothekendarlehen und Verbraucherkredite fallen werden, wodurch die Wirtschaft angekurbelt würde. Diese Hoffnungen ruhen zunächst jedoch vor allem auf einer Wiederherstellung des Vertrauens in das Finanzsystem. „Wenn die Finanzinstitutionen nicht bereit sind, sich untereinander Geld zu leihen, wird von dieser Zinssenkung nur wenig bei den Verbrauchern ankommen“, sagt Ward McCarthy von Stone & McCarthy Research Associates.
Auf der Suche nach hohen Dividendenrenditen
Der äußerst niedrige Leitzins steht sinnbildlich für die Lage an den Kreditmärkten: Nachdem Anleger scharenweise in Staatsanleihen und andere relativ sichere Häfen geflüchtet sind, ist es schwieriger geworden, vernünftige Renditen für sein sauer Erspartes zu erzielen.
Eine Möglichkeit ist natürlich der Aktienmarkt, wo die Papiere vieler Unternehmen mit einer Quartalsdividende versehen sind. General Electric weist beispielsweise derzeit eine Dividendenrendite von 7 Prozent auf, während die Bank of America mit 6,2 Prozent aufwarten kann.
Diese hohen Renditen sind jedoch auch Spiegelbild ernster Sorgen über die Zukunftsperspektiven dieser Unternehmen. So haben etwa die Aktien von General Electric oder der Bank of America in diesem Jahr kräftig nachgegeben. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, könnten Aktienanleger durch sinkende Kurse mehr Geld verlieren, als sie in Form der Quartalsdividenden verdienen.
Jagd nach Rendite
Konservative Investoren vertrauen in der Regel auf die Kreditmärkte, um Erträge bei gleichzeitigem Risikoschutz ihrer Kapitalanlage zu generieren. Doch auch hier lauern überall Gefahren.
Je höher etwa der für Unternehmensanleihen gezahlte Zinssatz, desto höher sind in der Regel auch die mit diesen Wertpapieren verbundenen Risiken. „Rendite und Risiko gehen Hand in Hand“, sagt Marilyn Cohen, Geschäftsführerin von Envision Capital Management. „Einer der Gründe für die aktuellen Probleme der Wirtschaft liegt in der in den vergangenen Jahren betriebenen Jagd nach Rendite“, meint Steven Medland, Gesellschafter bei TABR Capital Management in Orange, Kalifornien. „Für die zusätzlichen Risiken, die sie dabei schulterten, wurden sie nur gering entlohnt.“
Hochzinsanleihen werfen dieser Tage zwar höhere Renditen ab, doch auch die damit einhergehenden Risiken sind sehr viel offensichtlicher als in früheren Jahren. Unternehmensanleihen „sind mit Risiken behaftet, weil einige dieser Unternehmen von der Bildfläche verschwinden werden“, sagt Marshall Groom Jr. von Groom Financial Advisory aus Richmond, Virginia. Je schwerer die Rezession wird, desto stärker steigt das Ausfall- und Konkursrisiko.
Internationale Anleihen mit Risiken
McCarthy erinnert jedoch daran, dass auch Anleihen „einiger ziemlich solider Unternehmen“ hohe Spreads aufweisen, ihre Renditen also weit oberhalb der Niveaus risikoloser Staatsanleihen angesiedelt sind.
Auch internationale Anleihen können Risiken bergen. Hier sei es Groom zufolge sinnvoll, sich an einen vertrauenswürdigen Rentenfondsmanager zu wenden, der das richtige Gleichgewicht zwischen Chancen und Risiken austarieren kann. Groom empfiehlt seinen Klienten diesbezüglich den T. Rowe Price International Bond Fund (TRIBX).
Ein erstaunliches Merkmal der gegenwärtigen Finanzkrise bestehe darin, dass sie „überall ihre Spuren hinterlassen hat“, so Cohen. Alle Bereiche des Kreditmarktes wurden auf die eine oder andere Weise gestört, und bislang ist kein wesentliches Abflauen der Turbulenzen zu beobachten. „Der Markt ist noch immer mit Problemen überladen“, sagt er. „Die Liquiditätsströme sind nach wie vor stark vereist.“
Sogar Kommunalobligationen betroffen
Der Markt für Kommunalobligationen gilt gemeinhin als verschlafene Region der Anleihewelt, als sicher Hafen für konservative, risikoscheue Anleger auf der Suche nach steuerfreien Erträgen.
Doch auch dieser Bereich blieb nicht verschont. Laut Matt Fabian von Municipal Market Advisors wurde der Markt für Kommunalobligationen in den vergangenen Monaten durchgeschüttelt. Die Renditen für Kommunalobligationen stiegen von Mitte September bis Mitte Oktober um 1,5 Prozentpunkte - ein gewaltiger Sprung für einen solch konservativen Markt.
Zwischenzeitlich sind die Renditen gesunken, doch Fabian sieht hier „große Renditechancen, wenn auch nicht unbedingt große Performance-Chancen“ voraus. Die Kurse [der Obligationen] haben sich sehr volatil gezeigt [und] könnten in absehbarer Zukunft weiter zurückgehen“, so Fabian. Das Ausfallrisiko der meisten Kommunalobligationen - die von Bundesstaaten, Städten und Kommunen begeben werden - ist dagegen selbst während einer Rezession äußerst gering. Solange man eine Handvoll risikoreicherer Anleihen meidet, kann man mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, sein Geld wiederzusehen.
Steuerbefreite Kommunalobligationen bleiben attraktiv
Hinzu komme, dass die Steuersätze unabhängig vom Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahlen angehoben werden dürften, was die steuerbefreiten Kommunalobligationen noch attraktiver mache, so Cohen. Cohen und Fabian raten zum Kauf einzelner Obligationen, anstatt diese im Rahmen von Fonds zu erwerben, da erstere derzeit tendenziell bessere Renditen abwerfen würden.
Für absolut risikoscheue Anleger gibt es bessere Alternativen als das Horten von Bargeld unter der Matratze, beispielsweise bombensichere Staatsanleihen, etwa in Gestalt der Fondslösung iShares Lehman One-to-Three Years Treasury Bond Fund (SHY).
Sicherheitsdenken nicht übertreiben
Eine weitere sehr sichere Alternative sind Geldmarktfonds oder Einlagenzertifikate von Banken. Bankeinlagen sind vom staatlichen amerikanischen Einlagensicherungsfonds FDIC bis zu 250.000 Dollar garantiert, und erst vor kurzem hat die Regierung der Vereinigten Staaten eine ähnliche Einlagensicherung für Geldmarktfonds eingerichtet. (Man sollte natürlich darauf achten, dass diese Garantien auch für das ins Auge gefasste Investmentprodukt gelten.)
Medland verfolgt derzeit zwar selbst eine konservative Anlagestrategie, warnt jedoch vor einer Übertreibung des Sicherheitsdenkens. Übervorsichtige Anleger würden ihre Ersparnisse am liebsten vollständig in bar halten. Das „mag kurzfristig beruhigen“, sagt er. Doch die Bedingungen werden sich verbessern und angesichts der anhaltenden Geldentwertung ist das Horten von Bargeld auf lange Sicht „ein Verlustgeschäft“.
Oder wie es Investorenlegende Warren Buffett Mitte Oktober in seinem Artikel in der New York Times formulierte: „Heutzutage fühlen sich diejenigen wohl, die liquide Mittel halten. Das sollten sie nicht. Sie haben sich für einen auf lange Sicht armseligen Vermögenswert entschieden, der ihnen praktisch nichts einbringt und mit Sicherheit an Wert verlieren wird.“
Viele Möglichkeiten und eine Menge Unsicherheit
Die Finanzkrise hat Anlegern auf der Suche nach Erträgen das Leben erschwert. Die Risiken leichtfertiger Anlagestile sind offen zutage getreten. „Jeder, der bereit ist, ein wenig Risiko in Kauf zu nehmen, wird da draußen einige Perlen finden“, sagt McCarthy und fügt an: „Das Problem ist nur, dass man beim Sprung ins trübe Wasser natürlich nicht der erste sein möchte.“
Letztlich dürfte das sehr niedrige Zinsniveau zur Linderung der Krise beitragen. In der Zwischenzeit stehen Anlegern zahlreiche Möglichkeiten offen, die allerdings von einer Menge Unsicherheit begleitet werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.751,96 | −0,09% |
| FAZ-INDEX | 1.505,26 | −0,19% |
| TecDAX | 772,73 | −1,05% |
| MDAX | 10.296,70 | −0,54% |
| SDAX | 4.989,81 | −0,62% |
| REX | 423,38 | +0,51% |
| Eurostoxx 50 | 2.489,35 | −0,18% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,46 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.904,00 | +0,96% |
| Nasdaq 100 | 2.592,29 | +1,42% |
| S&P500 | 1.358,04 | +1,10% |
| Nikkei225 | 9.238,10 | −0,24% |
| EUR/USD | 1,3137 | +0,59% |
| Rohöl Brent Crude | 120,19 $ | +0,97% |
| Gold | 1.733,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 138,73 € | −0,23% |