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Staatsanleihen : Marathonläufer haben Charme für Anleger

Für Großanleger interessant: amerikanische Staatsanleihen Bild: Bloomberg

Trotz der niedrigen Renditen werden Anleihen mit sehr langen Laufzeiten gern gekauft. Deshalb erwägen nun auch die Vereinigten Staaten die Ausgabe solcher Marathonläufer.

          Bisher sind sich die Finanzminister in Berlin und in New York in einem einig gewesen: Länger als 30 Jahre sollte die Laufzeit eigener Staatsanleihen nicht sein. Doch während in Berlin Wolfgang Schäuble an diesem Grundsatz festhalten will, liebäugelt in Washington sein Kollege Steven Mnuchin mit noch länger laufenden Staatsanleihen.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          „Wir haben eine Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema beschäftigt“, sagte Mnuchin am Montagabend. „Wir denken, dass dies für uns sinnvoll sein könnte.“ Beschlossen ist noch nichts, aber der Reiz, sich als Schuldner die gegenwärtig sehr niedrigen Renditen zu sichern, bewegt die Regierenden in Washington. Am Anleihemarkt wurden Mnuchins Sätze ernst genommen. Die Renditen langlaufender amerikanischer Staatsanleihen stiegen stärker als die Renditen von Papieren mit kurzen Laufzeiten.

          Während die Logik der Ausgabe von Anleihen mit sehr langen Laufzeiten – Fachleute sprechen von Marathonläufern – in einem Niedrigzinsumfeld aus der Sicht der Schuldner offensichtlich erscheint, bleibt die Frage, warum Anleger sich mit dem Erwerb solcher Papiere sehr niedrige Zinskupons über Jahrzehnte in ihre Depots legen sollten. Außerdem lässt sich die Bonität eines Schuldners nicht über ein halbes oder gar ein ganzes Jahrhundert abschätzen.

          Und dennoch ist der Kauf solcher Anleihen für Großanleger interessant, die wie Versicherungen, Pensionskassen oder Versorgungswerke weit in die Zukunft reichende Auszahlungsverpflichtungen haben. Mit sehr langfristigen Anleihen können solche Anleger versuchen, die Laufzeiten ihrer Kapitalanlagen und Auszahlungsverpflichtungen aneinander anzupassen, um Risiken zu vermeiden. Sinkt wie in den vergangenen Jahren die Rendite der Anleihen, ohne dass alle Großanleger ihre Auszahlungsverpflichtungen kürzen können, entsteht für diese Anleger ein Anreiz, weitere sehr langlaufende Anleihen zu erwerben.

          Bild: F.A.Z.

          Der Anreiz, Risiken durch den Kauf sehr langlaufender Anleihen von Staaten mit guter Bonität zu reduzieren, fördert solche Käufe gerade auch dann, wenn Großanleger wegen des niedrigen Zinsniveaus gleichzeitig stärker in potentiell renditeträchtigere, aber auch möglicherweise riskantere Kapitalanlagen wie Aktien oder Anleihen von Schuldnern mit schwächerer Bonität investieren. Auf diese Weise ist die auf den ersten Blick paradox wirkende Beobachtung, dass in einer Zeit sehr niedriger Renditen Anleihen mit niedrigen Kupons und sehr langen Laufzeiten gekauft werden, rational erklärbar.

          Staatliche und private Schuldner profitieren

          Von einer solchen Nachfrage sehr weit in die Zukunft planender Großanleger profitieren seit mehreren Jahren staatliche wie private Schuldner, auch wenn es sich insgesamt immer noch um einen nicht sehr liquiden Nischenmarkt handelt. Zwar sind die aus früheren Jahrhunderten bekannten „ewigen Anleihen“ – das sind Anleihen, die offiziell kein Laufzeitende, meist aber ein Sonderkündigungsrecht des Schuldners besitzen – nahezu ausgestorben.

          Aber in den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Anleihen mit Laufzeiten zwischen 40 und 100 Jahren ausgegeben, und dies nicht nur von Schuldnern mit erstklassiger Bonität. So haben im vergangenen Jahr Frankreich, Belgien, Irland und Spanien Anleihen mit Laufzeiten von 50 Jahren ausgegeben.

          Die Frankreich-Anleihe rentierte am Dienstag mit 2,08 Prozent; sie trägt einen Kupon von 1,75 Prozent. Zuvor hatten China und Mexiko sogar Anleihen mit einer Laufzeit von 100 Jahren plaziert ebenso wie in Europa die Unternehmen Bayer, Rabobank und GDF Suez. Die Anleihe Mexikos trägt einen Kupon von 4 Prozent und rentierte am Dienstag mit 4,45 Prozent.

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          Sollte Mnuchin tatsächlich amerikanische Staatsanleihen mit Laufzeiten von mehr als 30 Jahren an den Markt bringen, wären solche Laufzeiten für den amerikanischen Kapitalmarkt keine Novität. Denn dort sind von Unternehmen ausgegebene Marathonläufer schon bekannt; zum Beispiel in Gestalt hundertjähriger Anleihen von Coca-Cola, Ford, IBM, Motorola sowie der Eisenbahngesellschaft Norfolk Southern.

          Man braucht wenig Phantasie, um sich eine Nachfrage für sehr langlaufende amerikanische Staatsanleihen vorzustellen, denn die Papiere des Schatzamts aus Washington gelten rund um den Globus als das Musterbeispiel einer langfristig sicheren Anlage. Staatliche amerikanische Marathonläufer könnten auch die ersten sehr langfristigen Wertpapiere sein, für die sich ein einigermaßen liquider Markt bildet, auf dem jederzeit gehandelt werden kann.

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          Quelle: F.A.Z.

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