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Veröffentlicht: 28.04.2017, 21:03 Uhr

Finanzmarkt Am Anleihemarkt gibt es keine Inflationsfurcht

In vielen Ländern ist ein leichter Anstieg der Inflationsrate zu sehen. Doch am Anleihemarkt wird dies nicht als eine große Gefahr wahrgenommen. Woher kommt die Ruhe?

von
© dpa Federal Reserve Präsidentin Janet Yellen

Ein kleines Zucken war zu beobachten, als am Freitagvormittag neue und etwas höher als erwartet ausgefallene Inflationsdaten aus der Eurozone bekanntwurden. Da stiegen die Renditen der Staatsanleihen in der Eurozone ein wenig – die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen kletterte von 0,29 auf 0,34 Prozent. Aber das sind nur kleine Bewegungen, die nicht vergessen lassen, dass in vielen Industrienationen die Renditen in den vergangenen Wochen eher gefallen sind. Die Botschaft vom Anleihemarkt ist klar: Dort gilt ein kräftiger und nachhaltiger Anstieg der Inflationsrate auf absehbare Zeit als eher unwahrscheinlich.

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Am auffälligsten ist die Situation in den Vereinigten Staaten. Dort ist die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen in den vergangenen Wochen von 2,60 auf 2,30 Prozent zurückgegangen, obwohl der Markt für dieses Jahr neben einer schon beschlossenen Erhöhung des kurzfristigen Leitzinses durch die Fed zwei oder drei weitere Erhöhungen erwartet und obwohl führende Vertreter der Fed überdies öffentlich darüber nachdenken, vom Jahresende an die Anleihebestände der Notenbank abschmelzen zu lassen, um die Bilanzsumme zurückzuführen. Die Erwartung einer solchen Rückführung der Bilanz müsste nach dem Lehrbuch renditesteigernd wirken. Aber davon ist nichts zu sehen. Schaut man sich die aus den Renditedifferenzen zwischen normalen und inflationsgeschützten Anleihen ablesbaren Inflationserwartungen des Marktes an, so liegen sie auf Sicht von fünf Jahren derzeit bei 1,8 Prozent – also leicht unter der Zielmarke der Fed. Inflationsfurcht sieht anders aus.

Trumps Steuerreform ändert nichts

Dieser Befund erklärt sich mit einem Wirtschaftswachstum, das seit Jahren solide, aber auch nicht extrem dynamisch ist. Immer wieder werden in den Vereinigten Staaten sehr gut ausgefallene von eher enttäuschenden Konjunkturdaten abgelöst. So sorgte am Freitag eine unerwartet niedrige Schätzung des Wirtschaftswachstums für das erste Quartal von nur 0,7 Prozent für Ernüchterung, auch wenn vorübergehende Sondereffekte eine dämpfende Rolle gespielt haben dürften. „Sand im Getriebe“, konstatiert das Bankhaus Lampe in einer Analyse. Die Bayern LB sieht die Vereinigten Staaten „im üblichen Winterschlaf“.

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Hinzu kommt, dass die im vergangenen Herbst noch starken Erwartungen einer die Inflation fördernden expansiven Finanzpolitik durch den neuen Präsidenten mittlerweile weitgehend verschwunden sind. Auch die Vorstellung eines Plans zur Steuerreform konnte daran nichts ändern. Die Skepsis gegenüber einer Reflation durch Donald Trump scheine in dieser Woche einen Höhepunkt erreicht zu haben, kommentiert das Bankhaus Julius Bär: „Zu viele Ankündigungen wurden in den ersten 100 Tagen seiner Präsidentschaft nicht umgesetzt oder sind gescheitert.“

„Gut etablierte Handelsspannen“ von 0,2 bis 0,5 Prozent

In der Eurozone belaufen sich die Schätzungen für die Inflationsrate auf 1,9 Prozent für die Konsumentenpreise – das ist die Zielgröße der EZB – und auf 1,3 Prozent für die von Ökonomen stark beachtete Kernrate, für deren Berechnung die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Nahrungsmittel nicht berücksichtigt werden. Beide Werte zeigen einen Anstieg, aber auch der gegenwärtigen Geldpolitik sehr kritisch gegenüber stehende Banken wie die Commerzbank und die DZ Bank erwarten für den weiteren Jahresverlauf einen Rückgang der Inflationsrate und keinen weiteren Anstieg.

Infografik / rendite zehnjähriger staatsanleihen © F.A.Z. Vergrößern

Sowohl die Anleiherenditen als auch der Eurowechselkurs reagierten auf die neuen Inflationszahlen, aber besonders am Anleihemarkt handelte es sich um wenig auffällige Reaktionen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen werde wohl nicht aus ihrer „gut etablierten Handelsspanne“ von 0,2 bis 0,5 Prozent ausbrechen, heißt es im Wochenendkommentar der Commerzbank. Dagegen meint die Deutsche Bank, angesichts der steigenden Inflationsrate könne für Anleihen „der Gegenwind auffrischen“.

Zudem könnte in der Eurozone das Wirtschaftswachstum positiv überraschen, vor allem, wenn sich die politische Unsicherheit legen sollte. Die neuesten Daten zur Geldmengenentwicklung in der Eurozone seien mit einem Wirtschaftswachstum von über 2 Prozent in diesem Jahr vereinbar, heißt es in einer Analyse von Berenberg: „Die monetäre Stimulans der EZB erreicht die Realwirtschaft.“ Die meisten aktuellen Schätzungen gehen von einem Wachstum zwischen 1,3 und 1,7 Prozent aus.

Britische Staatsanleihen im Visier

Bemerkenswert ist auch der deutliche Rückgang der Renditen britischer Staatsanleihen seit Februar, obgleich die Inflationsrate in Großbritannien, bedingt durch die deutliche Abwertung des Pfunds, stärker steigt als in vielen anderen Industrienationen und die Bank of England schon Ende 2016 andeutete, sie sei bereit, im Interesse des Wirtschaftswachstum vorübergehend auch ein Überschießen der Inflationsrate über die Zielmarke von 2 Prozent zu tolerieren. Nun liegt die Inflationsrate bei 2,3 Prozent, und nach Kalkulationen mancher Ökonomen könnte sie sich im Sommer der Marke von 3 Prozent nähern. Der Anleihemarkt scheint dies aber nur als ein vorübergehendes Phänomen anzusehen, denn andernfalls müssten die Renditen steigen und nicht fallen.

Die geringe Inflationsfurcht in den Industrienationen ist ein globales Phänomen; daher lässt sie sich auch im weit entfernten Australien beobachten. Dort ist die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen in den vergangenen Wochen von 3 auf 2,58 Prozent gefallen, obgleich auch in Australien die Inflationsrate etwas zulegt. Die Notenbank in Canberra hat sich ein Inflationsziel von 2 bis 3 Prozent gesetzt, und erstmals seit längerer Zeit liegt die Rate der Geldentwertung derzeit wieder etwas über 2 Prozent. Am Markt für australische Staatsanleihen erzeugt dies aber keine Unruhe.

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