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Kalte Küche : Alno stellt Insolvenzantrag

Am Küchendesign hat Alnos Pleite wohl nie gelegen Bild: dpa

Der 1927 gegründete Küchenhersteller Alno ist zahlungsunfähig. Der Leidensweg war lang – auch für die Aktionäre.

          Nach langen Jahren des Kampfes gegen das anscheinend doch Unvermeidliche ist es jetzt soweit. Der Küchenhersteller Alno ist zahlungsunfähig und hat beim Amtsgericht Hechingen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Das teilte das Unternehmen am Dienstagabend mit. Der Vorstand habe sich zu diesem Schritt entschlossen, weil in den Verhandlungen mit potentiellen Investoren und Gläubigern zuletzt keine Einigung erzielt werden konnte.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Anfang des Jahres eingeschlagene Sanierungskurs solle nunmehr innerhalb eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung unter Führung des bisherigen Vorstands fortgesetzt werden, hieß es weiter. Die Tochtergesellschaften Gustav Wellmann und Alno Logistik würden ebenfalls in den Insolvenzantrag einbezogen. Alle übrigen in- und ausländischen Tochtergesellschaften einschließlich der Pino Küchen seien davon nicht betroffen. Der Geschäftsbetrieb laufe unverändert weiter.

          Alno hatte erst Ende Juni die Veröffentlichung seines Jahres- und Konzernabschluss für 2016 zum dritten Mal verschoben und den 14. August als neuen Termin hierfür genannt. Zugleich teilte das Unternehmen mit, dass der Umsatz in den ersten fünf Monaten 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,8 Prozent gefallen sei.

          Alno kämpft seit dem Börsengang 1995 mit Problemen - bis auf wenige Ausnahmen gab es jedes Jahr Verluste. Schon Ende der Neunziger Jahre wurde die Dividende gestrichen und die Beschäftigten mussten einen Lohnverzicht leisten. Im Mai 2000 hatte Arthur Nothdurft, Sohn des 1997 verstorbenen  Firmengründers Albert Nothdurft zunächst den Vorstandsvorsitz und kaum ein Jahr später wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Vorstand den Aufsichtsratsvorsitz niedergelegt. Albert Nothdurft hatte bis zu seinem Tod mit 91 Jahren gemeinsam mit seinem Sohn die Geschäfte geführt.

          Das letzte Mal wies Alno im Jahr 2004 einen Reingewinn aus. Auch die Gewinne gingen oft genug auf Sondereffekte zurück.

          Viel hektische Betriebsamkeit

          Der Umsatzrückgang hält im Trend seit 2006 an. Vorübergehende Besserung brachte die Übernahme des Schweizer Marktführers AFG zu Beginn des Jahres 2014. Doch mit dieser gingen auch drei Jahre mit kleinen Betriebsgewinnen zu Ende. Dass die AFG-Übernahme kein erfolgreicher Schritt war, zeigte sich spätestens im Februar, als Alno einen operativen Verlust von 14 Millionen Euro vor Restrukturierung für 2016 vermeldete und als Ursache einen „unerwartet hohen Ergebnisrückgang der Schweizer Konzerntöchter“ nannte. Zusätzlich belasten Währungskursverluste gegenüber dem Schweizer Franken und dem britischen Pfund.

          In jüngster Zeit hatte es auch viel Unruhe im Gesellschafterkreis und der Unternehmensführung gegeben. Die bosnische Hastor-Familie, die in Deutschland durch den Lieferstopp ihres Unternehmens Prevent gegen VW und andere Autohersteller sowie die gescheiterte Übernahme des Sitzherstellers Grammer bekannt wurde, hatte Alno vor einem Jahr ein Darlehen über 20 Millionen Euro gewährt und später die Kontrolle übernommen.

          ALNO AG 13/18

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          Im Zuge dessen waren zunächst vier Aufsichtsräte zurückgetreten. Per Erweiterung hatten die Hastors über ihre Gesellschaft Tahoe dann im Februar die Mehrheit in diesem Gremium übernommen Ende Mai trat der langjährige Vorstandsvorsitzende und Großaktionär Max Müller zurück, nachdem Finanzchefin Ipek Demirtas im Dezember schon kurzfristig durch den Hastor-Vertreter Christian Brenner ersetzt worden war. Das hatte überrascht, weil Demirtas Tahoe erst mit ins Unternehmen geholt hatte.

          Tahoe hatte eine Gemeinschaft mit dem Unternehmen Brillant 1956 gebildet, um zu verhindern, dass durch einen Kontrollwechsel die im Mai 2018 fällige Mittelstandsanleihe im Volumen von 45 Millionen Euro zum Nennwert kündbar würde. Diese wurde am Vortag des Insolvenzantrags nur mir 28 Prozent der Nominale gehandelt. Der Geschäftsführer von Brillant soll der langjährige Steuerberater der Hastor-Familie sein.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Die Alno-Anleihe war im Mai 2013 verkauft worden. Ihr Kurs begab sich sogleich in den Sinkflug, da Alno von der Agentur Scope von Vornherein nur mit der schlechten Bonitätsnote „CCC+“ bewertet worden war. Anfang 2015 wurde diese weiter auf „CCC“ und Ende 2016 auf „CC“ gesenkt.

          Die ursprünglich einmal für 59 D-Mark verkaufte Aktie war 1999 noch für mehr als 11 Euro gehandelt worden. 2012 war ihr Kurs zum ersten Mal unter einen Euro gefallen. Am Dienstagabend ging sie mit 27,3 Cent aus dem Handel. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 500 Millionen Euro wurde damit nur noch mit 21 Millionen Euro bewertet.

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