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Aktienanleihen Aktienanleihen sind Etikettenschwindel

 ·  Hohe Zinsen sind nicht alles. Anleger sollten sich davon nicht blenden lassen und bei Aktienanleihen genau wissen, wo die Risiken liegen.

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Zehn, 15 oder gar 20 Prozent Rendite versprechen Aktienanleihen pro Jahr. Das hört sich gut an - aber wo ist der Haken, mag sich der Anleger fragen. Immerhin gibt es am Kapitalmarkt garantiert nichts umsonst. Wie also soll es möglich sein, dass diese Instrumente das Doppelte, Dreifache oder gar Vierfache der Rendite einer normalen Bundesanleihe bringen können?

Eine Aktienanleihe ist vom Risikoprofil her nichts anderes als ein Termingeschäft - genauer ein Optionsgeschäft. Präziser formuliert handelt es sich dabei um eine "Short Put-Strategie" oder auf deutsch: den Verkauf einer Verkaufsoption. Genau das sollte sich der Anleger klar machen, wenn er eine Aktienanleihe kauft. Denn er räumt dem Verkäufer - in der Regel der Emissionsbank - das Recht ein, ihm eine Aktie zu einem bestimmten Kurs anzudienen, wenn sie am Ende der Laufzeit darunter liegt.

Vier Gewinn- & Verlustszenarien

Angenommen, Anleger Hempel kauft eine Aktienanleihe auf die Aktie Pyrrhus mit einer Laufzeit von einem Jahr, einem Kupon von 16 Prozent und einem Wandlungspreis von 50 Euro. Liegt die Aktie nach einem Jahr über den 50 Euro, so erhält er 16 Prozent ausbezahlt, notiert sie darunter, erhält er die Aktie. Damit gibt es für Hempel vier Szenarien:

Erstens, ist die Aktie stärker gestiegen als 16 Prozent, so hat er auf einen Teil des Kursanstieges verzichtet und macht einen Opportunitätsverlust. Ist die Aktie zweitens weniger als 16 Prozent gestiegen, fährt er mit der Aktienanleihe gut. Ist die Aktie drittens weniger als 16 Prozent gefallen, dann erhält er die Aktie, aber günstiger, als wenn er sie direkt im Markt kaufen würde. Ist die Aktie viertens aber mehr als 16 Prozent gefallen, dann erzielt er einen Pyrrhus-Sieg und macht einen effektiven Verlust. Das Problem dabei: das Verlustpotenzial ist theoretisch unbegrenzt, während die Maximalrendite immer bei 16 Prozent bleibt.

Mit der Aktienanleihe auf Pyrrhus spekuliert Hempel also im Prinzip darauf, dass sich die Aktie nach einem Jahr in einem Band von 50 Euro plus-minus 16 Prozent befindet. Liegt sie darüber, wäre er mit der Aktie selbst besser gefahren, liegt sie darunter, verliert er tatsächlich Geld. Berücksichtigt man Steuereffekte, dürfte die Bandbreite kleiner werden.

Aktienanleihe reagiert kaum auf Zinsänderungen

Neben diesem strategischen Merkmal gibt es weitere Besonderheiten. Kauft Hempel eine normale Anleihe, so erhält er am Ende der Laufzeit bei einem guten Schuldner immer 100 Prozent des investierten Kapitals zurück. Bei Aktienanleihen kann er dagegen bei schwachen Börsen mit Aktien bedient werden - und die sind dann in der Regel weniger Wert. Der Kurs einer normalen Anleihe orientiert sich an der Zinslandschaft, der Laufzeit und der Bonität des Schuldners. Die Aktienanleihe reagiert dagegen vor allem auf steigende oder fallende Aktienkurse und die damit verbundene Volatilität. Die Zinsentwicklung spielt höchstens eine untergeordnete Rolle, da die Laufzeit in der Regel nur kurz ist.

Fazit: Mit der Einbürgerung des Namens Aktienanleihe schrammen die "innovativen" Banken haarscharf am Rande der Seriosität, wenn sie ihn nicht sogar überschreiten. Denn mit einer Anleihe hat das Instrument so gut wie nichts gemeinsam. Und wenn auch nur im Entferntesten, dann vielleicht mit einer Wandel- oder einer Optionsanleihe. Allerdings mit einem signifikanten Unterschied: Verbindet eine Wandelanleihe die Chance auf steigende Aktienkurse mit einem gewissen Sicherheitspolster gegen fallende Notierungen, so legt sich der Anleger mit einer Aktienanleihe allein das Risiko fallender Kurse ins Depot. Wenn auch gegen eine unter Umständen stattliche Prämie, nämlich die versprochene "Überrendite“.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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