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Agentur Egan-Jones Rating-Revoluzzer im Visier

 ·  Die Kreditbewertungsagentur Egan-Jones war angetreten, den drei Großen Konkurrenz zu machen. Nun beschuldigt die amerikanische Börsenaufsicht SEC die Agentur, falsche Angaben gemacht zu haben.

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Die amerikanische Börsenaufsicht SEC erhebt möglicherweise geschäftsschädigende Vorwürfe gegen die kleine Kreditbewertungsagentur Egan-Jones Ratings, die sich in den vergangenen Jahren als scharfer Kritiker ihrer Branche einen Namen gemacht hat. Die SEC beschuldigt Egan-Jones, beim Antrag auf Anerkennung als offizielle Ratingagentur vor vier Jahren falsche Angaben gegenüber der Behörde gemacht zu haben. So soll Egan-Jones die bisherige Erfahrung mit der Bewertung von Anleihen übertrieben dargestellt und Bücher zum Teil nicht richtig geführt haben. Die SEC könnte Egan-Jones nun verbieten, offiziell anerkannte Bonitätsnoten für Staatsanleihen und Kreditverbriefungen zu vergeben. Verbunden mit einem Rufschaden würde das möglicherweise das Aus für die Agentur bedeuten. Diese Einschätzung vertrat Egan-Jones zumindest im vergangenen Jahr in einer Antwort auf die SEC, welche die Agentur vor möglichen rechtlichen Schritten gewarnt hatte.

Egan-Jones will sich gegen die Vorwürfe „energisch“ wehren und beschuldigt die SEC, sie als Zielscheibe zu wählen und gleichzeitig große Konkurrenten zu verschonen. Egan-Jones und andere Branchenkritiker geben den großen drei Agenturen Standard & Poor’s, Moody’s Investors Service und Fitch Ratings eine Mitschuld an der Finanzkrise vor vier Jahren. Die Gesellschaften hatten zweitklassige Hypothekenpapiere, die im Zentrum der Krise standen, lange zu hoch bewertet. „Egan-Jones glaubt, dass das Vorgehen der SEC nur als Versuch erklärt werden kann, Egan-Jones zum Schweigen zu bringen und den Status Quo eines Monopols von Ratingagenturen zu erhalten, die Interessenkonflikte haben“, hieß es in einer Mitteilung der Agentur. Egan-Jones wirft den führenden Ratingagenturen Interessenkonflikte vor, weil sie von Emittenten der Wertpapiere für deren Bewertung bezahlt werden. Emittenten haben ein Interesse an möglichst hohen Bonitätsnoten, weil Spitzennoten niedrige Zinssätze bei der Ausgabe von Anleihen garantieren.

Egan-Jones warnte früher als die Konkurrenz

Egan-Jones wird dagegen von Anlegern für die Bewertung bezahlt. Das führt nach Ansicht von Sean Egan, dem Geschäftsführer und Mitbegründer der Agentur, zu besseren Ergebnissen. „Unsere Kunden sind institutionelle Investoren, die eine präzise und rechtzeitige Einschätzung der Kreditqualität wollen, um das Geld ihrer Kunden zu vermehren oder zu schützen. Das ist ein komplett anderer Auftrag, als ihn die anderen Agenturen haben“, sagte Egan kürzlich in einem Interview mit dieser Zeitung. Egan führt eine Liste mit der Zahl der Bewertungen von Unternehmens- oder Staatsanleihen, bei denen die großen Agenturen den Analysen von Egan-Jones in den vergangenen Jahren tendenziell gefolgt sind. Seit dem Jahr 2001 war demnach Egan-Jones fast ausnahmslos in mindestens 95 Prozent aller Fälle schneller. Egan-Jones hatte unter anderem den Vereinigten Staaten wegen der hohen Staatsverschuldung die Bestnote AAA schon entzogen, bevor Standard & Poor’s im August 2011 gefolgt war. Im Januar hatte Egan-Jones die Bonität deutscher Staatsanleihen wegen der befürchteten Kosten für die Euro-Rettung von AA weiter auf AA- heruntergestuft. Die drei großen Ratingagenturen betrachten Deutschland noch als exzellenten Schuldner.

Das Wirtschaftsmagazin „Fortune“ setzte Sean Egan 2008 auf die Liste der wenigen Auguren, die früh die Gefahren einer Finanzkrise erkannt hatten. Egan-Jones warnte auch im Fall der später verstaatlichten amerikanischen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac frühzeitig vor negativen Auswirkungen für Anleihebesitzer.

Egan-Jones stufte Anfang des vergangenen Jahrzehnts auch die Bonität der später in Betrugsskandale verwickelten Unternehmen Enron und Worldcom früher herab als die Konkurrenz. Die SEC bekam angesichts des häufigen Versagens der großen Ratingagenturen im Jahr 2006 den Auftrag, sie zu regulieren und für mehr Wettbewerb in diesem Bereich zu sorgen. Das führte zur Zulassung von Egan-Jones und anderen kleineren Anbietern. Nach der Finanzkrise hat der Gesetzgeber von der SEC verlangt, zu prüfen, wie sich Interessenkonflikte bei Ratingagenturen reduzieren lassen.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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