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60 Milliarden Euro Pfandbriefmarkt erhält Schützenhilfe von EZB

 ·  Die Europäische Zentralbank will für 60 Milliarden Euro Pfandbriefe kaufen. Damit kann sie das Zinsniveau für Baukredite drücken und anderen Anlageklassen eine bessere Position verschaffen. Eine leichte Erholung ist in Sicht.

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Der europäische Markt für mit Forderungen gedeckte Bankschuldverschreibungen (Covered Bonds) hat am Donnerstag unerwartete Schützenhilfe von der Europäischen Zentralbank (EZB) erhalten. Mit 60 Milliarden Euro will die Notenbank dem Pfandbriefmarkt der Europäischen Währungsunion unter die Arme greifen.

Mit ihrem Aufkaufprogramm, also der Abschöpfung von Papieren am Sekundär- und womöglich auch am Primärmarkt, wird die EZB das mittel- und langfristige Renditeniveau in diesem Marktsegment drücken, mithin indirekt das Zinsniveau lang laufender Baukredite senken.

Zu den gedeckten Bankschuldverschreibungen gehören allen voran die deutschen Pfandbriefe und mit Hypotheken besicherte Covered Bonds aus anderen Ländern. Sie erfreuten sich im vergangenen Jahr trotz der dramatischen Finanzkrise immer noch einer besseren Nachfrage und verhielten sich am Markt tendenziell stabiler als mit Hypotheken besicherte, strukturierte Kreditprodukte (MBS) und in weiteren Verschachtelungen an den Markt gestreute Kreditprodukte (CDO), deren Sekundärmarkt nahezu komplett zusammenbrach.

Gerade weil Banken jedoch mit anhaltendem Kapitalmangel kämpfen und ihnen die Möglichkeiten des Abverkaufs von Kreditrisiken an die Märkte strukturierter Kreditpapiere derzeit noch verwehrt sind, ist die Stellung des Marktes für Covered Bonds und Pfandbriefe so wichtig, um das Bau- und Hypothekengeschäft in Schwung zu halten. Die Bedeutung zeigte sich kürzlich darin, dass die Deutsche Bank eine Pfandbrief-Lizenz beantragt hat.

Keine zusätzliche Liquidität von der EZB

Um den Markt über zusätzliche Nachfrage zu fördern, greift nun die EZB mit einem Kaufprogramm in dem Marktsegment ein. Im Juni wird sie noch bekanntgeben, welchen Laufzeitenbereich sie für ihre Käufe nutzen, welches Segment des Pfandbriefmarktes sie wählen und wie das sterilisierte Programm der Notenbank technisch durchgeführt werden wird.

Anders als bei dem Programm der Bank von England mit ihrer quantitativen Lockerung der Geldmengenpolitik und dem am Donnerstag auf 125 Milliarden Pfund aufgestockten Kaufprogramm von britischen Staatsanleihen will die EZB keine zusätzliche Liquidität in den Markt führen und die Geldmenge mit ihrem Pfandbriefprogramm erhöhen (deshalb sterilisiert).

Klotzen, nicht kleckern bei der Bank von England

Insgesamt handelt sich bei dem für die EZB relevanten Markt um ein ausstehendes Emissionsvolumen von 1,6 Billionen Euro, davon entfallen auf Hypothekenpfandbriefe 685 Milliarden Euro, auf öffentliche Pfandbriefe 860 Milliarden Euro und auf gemischte Papiere 95 Milliarden Euro. Auf das ausstehende Marktvolumen bezogen, würde das Kaufvolumen der EZB von 60 Milliarden Euro also weniger als 4 Prozent bedeuten.

Noch deutlicher wird ein Vergleich das Kaufprogramms mit der Wirtschaftskraft der Europäischen Währungsunion: Während das Kaufvolumen der EZB nur 0,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) der Europäischen Währungsunion ausmacht, addieren sich die Kaufprogramme der Bank von England auf 8,5 BIP-Prozent, wie die Credit Suisse kalkuliert.

Die Engländer fahren also deutlich schwerere Geschütze auf, zumal die Bank von England nicht nur über die quantitative Lockerung am staatlichen Anleihemarkt tätig ist, sondern auch Commercial Paper, Unternehmensanleihen und mit Hypotheken besicherte strukturierte Kreditprodukte am Markt aufkauft.

Erste Zeichen der Erholung

Das EZB-Programm dürfte vor allem den deutschen, französischen und spanischen Markt von Pfandbriefen bzw. Covered Bonds betreffen und dortige Emittenten. Denn dies sind die drei mächtigsten europäischen Covered-Bond-Märkte.

Trotz der Finanzkrise wurden in Deutschland im vergangenen Jahr nach Angaben des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken (VDP) mit 63,4 Milliarden Euro mehr als doppelt so viele Hypothekenpfandbriefe emittiert als im Jahr 2007 mit 27,5 Milliarden Euro. Die Emission öffentlicher Pfandbriefe, die mit Krediten an Schuldner der öffentlichen Hand gedeckt sind, brach hingegen um 17 Prozent auf 90 Milliarden Euro ein.

Im Februar zeigte der Markt für Hypothekenpfandbriefe nach einer Schwächephase auf dem Höhepunkt der Finanzkrise mit den ersten Jumboanleihen wieder erste Zeichen einer Erholung.

Das Programm der EZB, den Pfandbriefmarkt zu stützen, ist eine Erleichterung für Emittenten und Marktteilnehmer, denn an den Anleihemärkten bestehen ernste Bedenken, dass die gewaltigen Emissionsvolumina von staatlichen Anleihen zur Finanzierung der verheerenden Haushaltsdefizite in zahlreichen Ländern mit stetig höheren Renditen jegliche anderen Emittenten und Anlageklassen an die Seite drängen werden. Hier könnten die Maßnahmen der EZB ausgleichend wirken.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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