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Veröffentlicht: 20.03.2013, 06:58 Uhr

4,5 Prozent für zwei Jahre Zyprische Sparer erhielten hohe Zinsen

Einlagen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit sind auf Zypern zuletzt mit 4,5 Prozent verzinst worden, in Deutschland nur mit 1,5 Prozent. Die Einlagen auf zyprischen Konten sind deshalb in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

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© dpa Anleger könnten Geld aus Zypern abziehen.

Der drohende Verlust eines Teils der Einlagen auf zyprischen Konten ist für die Anleger wenig erfreulich. Das höhere Risiko, das eine Geldanlage bei zyprischen Banken mit sich bringt, ist den Anlegern in den vergangenen Jahren jedoch durch höhere Zinsen vergütet worden. Privatanleger erhalten derzeit nach Angaben der zyprischen Notenbank für Einlagen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit eine jährliche Verzinsung von 4,45 Prozent. Für entsprechende Einlagen in Deutschland erhalten die Sparer hierzulande nach Angaben der Deutschen Bundesbank nur 1,51 Prozent.

Daniel Mohr Folgen:

Die Schere der Zinssätze hat sich im Lauf der Finanzkrise immer weiter geöffnet. Anfang 2008 erhielten die zyprischen Sparer 4,25 Prozent und die deutschen 4,04 Prozent. Schon im Frühjahr 2008, im Zuge der Unruhen um die amerikanische Investmentbank Bear Stearns, differenzierten die Anleger stärker nach Risiken und verlangten für zyprische Einlagen höhere Risikoaufschläge. Im Herbst 2008 erhielten Anleger in Zypern 0,7 Prozent höhere Einlagenzinsen als in Deutschland, im Frühjahr 2009 waren es schon um 1,9 Prozentpunkte höhere Zinsen und mittlerweile sind es fast 3 Prozent.

Infografik / Verzinsung von Einlagen auf Privatkonten © F.A.Z. Vergrößern

Im Frühjahr 2010 sank die Verzinsung in Deutschland auf weniger als 2 Prozent und pendelt seither für Einlagen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit zwischen 1,5 und 1,9 Prozent. Zyprische Anleger erhielten in dieser Zeit stets Zinsen zwischen 4 und 4,5 Prozent. Während die Zinsen hierzulande weiter gefallen sind und mit aktuell 1,5 Prozent den niedrigsten Stand überhaupt erreichen, sind sie in Zypern angesichts der finanziellen Schieflage der zyprischen Banken seit August 2010 sukzessive gestiegen und erreichen derzeit den höchsten Stand seit Herbst 2009. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg ergibt sich seit Anfang 2008 ein kumulierter Zinsertrag (ohne Berücksichtigung von Steuern) von mehr als 24 Prozent und damit im Durchschnitt etwa 4,5 Prozent im Jahr. In Deutschland liegt der Zinsertrag in den vergangenen fünf Jahren nur bei etwa 13 Prozent, was einem Durchschnitt von etwa 2,5 Prozent im Jahr entspricht.

Einlagen auf zyprischen Konten in vergangenen Jahren deutlich gestiegen

Angesichts der höheren Zinsen in Zypern, aber auch weil viele griechische Sparer ihr Geld auf Zypern in Sicherheit vor dem Zugriff heimischer Behörden wähnten und russische Anleger die niedrigen Steuern und die Verschwiegenheit der zyprischen Banken schätzten, sind die Einlagen auf zyprischen Konten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat stiegen die Einlagen privater Haushalte bei zyprischen Banken seit dem Jahr 2000 von 9 auf mehr als 30 Milliarden Euro im Jahr 2011.

Von den möglichen Zwangsabgaben auf die Einlagen auf zyprischen Konten dürfte deutsche Anleger kaum betroffen sein. „Hierzulande hat nie eine zyprische Bank um die Einlagen deutscher Sparer geworben“, sagt Max Herbst, der als Inhaber der FMH-Finanzberatung seit Jahren den Markt für Zinsanlagen in Deutschland beobachtet und analysiert. Auffälligste Akteure aus dem Ausland seien die Big Bank aus Estland, die NIBC aus den Niederlanden, Cortal Consors aus Frankreich und die Bank of Scotland aus Großbritannien gewesen. „Das Geld der Kunden wird  teilweise ins Ausland transferiert. Zuständig für die Einlagensicherung ist jeweils der Staat, der die Banklizenz erteilt, nicht unbedingt der deutsche Einlagensicherungsfonds.“ Große Anbieter von Tagesgeld- und Festgeldkonten wie die Santander Consumer Bank und die ING-Diba  besitzen jeweils eine deutsche Banklizenz und sind rechtlich eigenständige deutsche Tochtergesellschaften der spanischen Banco Santander und der niederländischen ING, so dass auch das deutsche Einlagensicherungssystem für die Banken zuständig ist.

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Dass deutsche Anleger für das Werben ausländischer Banken mit hohen Zinsen empfänglich sind, hat nicht zuletzt der große Markterfolg der isländischen Kaupthing-Bank gezeigt. „Hier waren jedoch nur 90 Prozent der Einlagen geschützt und auch nur bis 20.000 Euro und die Anleger haben trotzdem mehr angelegt“, mahnt Herbst die Anleger sich die Garantien für die Einlagen näher anzuschauen. Nach der Insolvenz der Kaupthing Bank wurden die deutschen Anleger jedoch vollends entschädigt.

Quelle: F.A.Z.

 

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