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Anleihen Währungsgewinne polstern Erträge auf

24.12.2005 ·  Staatsanleihen haben 2005 hohe Renditen erzielt, doch im Jahre 2006 werden voraussichtlich in den meisten Ländern die Leitzinsen angehoben. „Aktien schlagen Staatsanleihen“, erwartet daher Karsten Junius, Volkswirt der Deka-Bank.

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Die weithin unerwartete Schwäche des Euro hat vielen Anlegern im ablaufenden Jahr erquickliche Zusatzgewinne beschert. „Insgesamt war die Wertentwicklung in allen Vermögensklassen besser, als allgemein zu Jahresbeginn für möglich gehalten wurde“, sagt Karsten Junius, Volkswirt bei der Deka-Bank.

Motoren der günstigen Entwicklung sowohl an den Aktien- als auch an den Anleihemärkten waren das anhaltend kräftige Wachstum der Weltwirtschaft, die insgesamt moderate Inflation und das in vielen Ländern weiterhin niedrige Zinsniveau. Im nächsten Jahr, darin sind sich die meisten Fachleute einig, dürfte der Euro allerdings leicht aufwerten. Lars Kreckel, ein Aktienstratege bei ABN Amro in London, rät deshalb, europäische Werte überzugewichten, amerikanische Aktien hingegen unterzugewichten.

Vor einem Jahr hatten die meisten Fachleute allenfalls mit einer leichten Abwertung des Euro gerechnet, der im vierten Quartal 2004 steil von 1,22 auf 1,36 Dollar gestiegen war. Vielfach wurde sogar ein weiterer Anstieg des Euro vorhergesagt. Doch es kam anders: Im Jahresverlauf hat der Euro gegenüber den meisten großen Währungen deutlich an Wert verloren. Zum Dollar betrug die Abwertung bislang satte 14 Prozent. Für Anleger, die in Euro rechnen, war dies freilich von Vorteil, erläutert Junius. Die Wertsteigerung des Dollar hat die ansonsten mageren Renditen an den amerikanischen Aktien- und Anleihemärkten aufgepolstert. So ist der amerikanische Aktienindex S&P 500 in diesem Jahr nur um knapp 5 Prozent gestiegen. Bereinigt um den Wechselkurseffekt, hat ein in Euro rechnender Investor freilich eine Wertsteigerung von gut 19 Prozent verbucht.

Mit den Währungsprognosen für 2006 tun sich die Fachleute schwer

Selbst mit Engagements in zehnjährigen Staatsanleihen ließen sich im vergangenen Jahr satte Gewinne erzielen, in Kanada zum Beispiel fast 25 Prozent. Hierzu beigetragen haben nach Daten der Deka-Bank der laufende Zinskupon, eine Kurssteigerung in lokaler Währung von fast 7 Prozent und die Aufwertung des „Loonie“-Dollar zum Euro von gut 17 Prozent. Allerdings bescherten nicht alle Währungen Zusatzgewinne. Beispielsweise haben der Schweizer Franken und die schwedische Krone 2005 zum Euro an Wert verloren, was die Gesamtrendite eines in Euro rechnenden Investors an diesen Märkten geschmälert hat - sofern er sich nicht durch Devisentermingeschäfte abgesichert hatte.

Mit den Währungsprognosen für 2006 tun sich die Fachleute nach ihren letztjährigen Fehlschlägen schwer. Die Vorhersagen gehen weit auseinander. Beispielsweise sieht Robert Barrie von der Investmentbank CSFB den Euro Ende 2006 bei 1,08 Dollar, während Hans Jäckel von der DZ-Bank einen Kurs von 1,30 Dollar erwartet. Die Mehrzahl der Fachleute geht von einer moderaten Aufwertung des Euro von derzeit 1,18 auf 1,20 bis 1,25 Dollar aus. Für Anleger mit Auslandsengagements bedeutet dies, daß sie sich auf leichte Währungsverluste einstellen müssen.

Anhebung der Leitzinsen

Mit Staatsanleihen ist nach Einschätzung von Junius im kommenden Jahr fast nirgendwo Geld zu verdienen. Vielmehr dürfte es meist leichte Verluste geben. Der Grund: In fast allen Ländern wird die Anhebung der Leitzinsen das gesamte Renditeniveau nach oben verschieben - dürften die Anleihekurse mithin sinken. Selbst die Kuponzahlungen werden seiner Prognose zufolge nicht ausreichen, diese Kursverluste auszugleichen. Deshalb werde ein Engagement in zehnjährige Bundesanleihen dem Investor im kommenden Jahr eine Einbuße von knapp einem Prozent bescheren, sagt er voraus. Mit kanadischen Anleihen, den Rennern in diesem Jahr, seien 2006 Kurs- und Währungsverluste von insgesamt rund 4 Prozent zu erwarten. Generell rät er, Staatsanleihen mit kurzen Laufzeiten zu bevorzugen. Bei diesen Papieren sind die Kursverluste aufgrund der Verschiebung der Renditekurve nach oben geringer als bei Langläufern.

Fast alle Fachleute erwarten, daß die Weltwirtschaft auch 2006 weiterhin recht kräftig wächst, zumindest im ersten Halbjahr. Deshalb dürften die Aktienkurse an vielen Börsen weiter steigen. „Aktien schlagen Staatsanleihen“, resümiert Junius und sieht dabei insbesondere am deutschen Aktienmarkt gute Chancen. Seiner Prognose zufolge wird der Deutsche Aktienindex Dax am Jahresende bei 6.100 Punkten liegen, gut 12 Prozent höher als derzeit. Kreckel rät ebenfalls, deutsche Aktien überzugewichten. Deutsche Unternehmen hätten weiterhin großes Potential, ihre Kosten zu drücken und dadurch ihre Gewinne zu steigern. Das sei in den Kursen noch nicht genügend berücksichtigt. Kreckel sieht den Dax Ende 2006 bei 6.000 Punkten.

Quelle: bf., F.A.Z., 24.12.2005, Nr. 300 / Seite 19
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