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Anleihen-Rückkauf : Der Trick der Griechen

Bild: Thilo Rothacker/Claudius Zellmer

Griechenland kauft seine Staatsanleihen zurück und hat die Frist bis Dienstag verlängert. Das Geschäft klappt nur, weil kein Anleger mehr an das Land glaubt.

          Es klingt verflucht nach wundersamer Geldvermehrung. Die Griechen haben es tatsächlich geschafft, sich zehn Milliarden Euro zu leihen und damit Schulden in Höhe von 30 Milliarden Euro zu begleichen. Man stelle sich vor: Wir als Hausbauer könnten das machen. Wir zahlen die Hypothek bei unserer Bank über 300.000 Euro ab, indem wir uns einfach woanders 100.000 Euro leihen. Das wäre doch zauberhaft!

          Wie ist das möglich? Der Mechanismus funktioniert so: Länder verschulden sich, indem sie Staatsanleihen an Anleger ausgeben. Sie versprechen, dafür Zinsen zu entrichten und das Geld am Ende der Laufzeit zurückzuzahlen. Wenn ein Land nun aber besonders hoch verschuldet ist, werden diese Anleihen am Kapitalmarkt unter ihrem Ausgabepreis, mit einem sogenannten Abschlag, gehandelt. Der Grund dafür ist, dass die Anleger sich nicht sicher sind, ob sie ihr Geld am Ende wiedersehen.

          Lieber billig Geld leihen

          Das hat sich Griechenland nun zunutze gemacht. Ähnlich wie Bolivien auch schon im Jahr 1988. Wenn so ein übermäßig verschuldetes Land irgendwie an frisches Geld kommt, kann es seine eigenen alten Staatsanleihen zu dem niedrigen Preis ausgesprochen günstig zurückkaufen und so seine Staatsschulden verringern. Denn die Griechen müssen jetzt nur zehn Milliarden Euro zahlen statt 30 Milliarden am Ende der Laufzeit.

          Das Vorgehen ist ungewöhnlich, aber es gibt Parallelen. Auch Unternehmen und Privatleute kaufen bisweilen eigene Schulden zurück. Allerdings gibt es dabei einen entscheidenden Unterschied: Wenn ein Unternehmen sich heute billiger verschulden kann als vor drei Jahren, weil die Zinsen gesunken sind, dann ist es sinnvoll, dass es sich heute billiger Geld leiht und damit die alten Schulden zurückzahlt. Zumindest dann, wenn diese vorzeitige Rückzahlung nicht mit hohen zusätzlichen Kosten verbunden ist.

          Das Risiko steigt

          Bei Griechenland ist das anders. Das Land kann sich ohne fremde Hilfe praktisch gar kein Geld mehr leihen. Schon gar nicht besonders günstig. Das Geschäft funktioniert nur, weil der europäische Rettungsfonds sich das Geld gleichsam im Namen der Griechen leiht. Für den Rettungsfonds aber haften alle Euroländer. Darum leihen die Anleger dem Fonds das Geld lieber und viel billiger als den Griechen. Die hohe Kreditwürdigkeit der anderen Euroländer wird also ausgenutzt, um den Schuldenstand der Griechen zu senken. Zugleich steigt das Risiko für die anderen Euroländer. Aber das würde es natürlich auch tun, wenn sie Griechenland einfach so mehr Geld leihen würden. Was bedeutet das nun für Griechenland, die Anleger und die Zukunft des Euro?

          Schon die Tatsache, dass dieses Projekt geklappt hat, ist einer Paradoxie zu verdanken, die bedenklich stimmt. Der Schuldenrückkauf soll schließlich dazu führen, dass Griechenland wieder auf einen grünen Zweig kommt. Aber er hat nur deshalb funktioniert, weil die Anleger nicht glauben, dass Griechenland auf einen grünen Zweig kommt.

          „Der Erfolg der Aktion zeigt, wie kritisch die Anleger Griechenland beurteilen“, sagt Kai Konrad, Geschäftsführender Direktor am Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen in München. „Ein Anleger nimmt ein solches Angebot ja nur an, wenn er damit rechnet, dass er andernfalls noch weniger zurückbekommt.“

          Schuldentragfähigkeit soll wieder hergestellt werden

          Nur weil die Anleger davon ausgehen, dass früher oder später doch noch ein weiterer Schuldenschnitt für Griechenland kommt und sie dann noch viel stärker zur Kasse gebeten würden, waren sie bereit, ihre Anleihen für weniger Geld zurückzugeben, als sie bekommen hätten, wenn sie bis zum Laufzeitende gewartet hätten.

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