06.05.2005 · Schock nach der Bonitätsabstufung: Experten befürchten einen Kursverfall bei Anleihen von General Motors und Ford. Die Papiere stehen unter starkem Verkaufsdruck, viele Anleger müssen aussteigen.
Die Herabstufung der Bonität von General Motors und Ford überschwemmt den Markt für Hochzinsanleihen. Insbesondere der bisher leicht zu überschauende Markt für Euro-Titel könnte aus den Fugen geraten, befürchten einige Analysten.
Bisher zählten die Anleihen der beiden großen amerikanischen Automobilhersteller zum sogenannten Investment Grade, dem Emittenten mit zumindest mäßiger Kreditqualität angehören. Doch am Donnerstag stufte die Ratingagentur Standard&Poor's die Bonitätsnote von Ford um eine Stufe auf „BB+“ herab. General Motors rutschte überraschend sogar um zwei Stufen auf „BB“ ab. Von der Note „BB+“ an dürfen oder wollen viele institutionelle Investoren die Anleihen nicht mehr halten und müssen verkaufen. „Dieser technische Zwang ist das größte Risiko derzeit“, sagt Bernhard Jeggle, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg. Die Renditen der betroffenen Anleihen wirkten zwar mit bis zu 12 Prozent mehr als attraktiv. Aber es sei kaum abzuschätzen, wie weit die technischen Faktoren die Kurse noch nach unten treiben können.
Viele Belastungsfaktoren
In einigen Studien schätzen Analysten den Anteil der Investoren, die sich von ihren General-Motors-Anleihen trennen müssen, auf mehr als 50 Prozent. Eine Schätzung sei schwierig, heißt es bei deutschen Fondsgesellschaften, aber ein Wert von mehr als 50 Prozent sei vermutlich zu hoch gegriffen. Zudem hätten sich schon viele Anleger, die nur begrenzte Risiken eingehen dürfen, von ihren Titeln getrennt. Andere könnten den Schritt noch hinauszögern, so daß die Belastung sich auf einen längeren Zeitraum verteile. Unstrittig ist hingegen, daß der erzwungene Ausstieg vieler institutioneller Investoren ein Belastungsfaktor ist, der eine Erholung der Anleihekurse noch längere Zeit behindern kann. Zu groß ist das Volumen, das der Markt verkraften muß. Bisher gibt es auf dem Markt für Hochzinsanleihen, die in Euro denominiert sind, Titel im Wert von rund 55 Milliarden Euro. Mit General Motors und Ford, dem zweit- und drittgrößten Unternehmensschuldner, kommen auf einen Schlag weitere 40 Milliarden Euro hinzu. In Amerika erhöht sich das Volumen von derzeit etwa 570 auf 730 Milliarden Dollar. Dieses Jahr habe die höchste Zahl und das größte Volumen an sogenannten „Fallen Angels“ gebracht, schreiben Analysten der Ratingagentur S&P. Damit sind Unternehmen gemeint, deren Bonitätsnote auf „BB+“ oder noch tiefer fällt. Die in Europa bisher größten Fälle waren im Jahr 2002 Ericsson und Fiat.
Chancen für Anleger
Die Herabstufung von General Motors und Ford hat die Kurse der betroffenen Anleihen am Donnerstag und Freitag unter starken Verkaufsdruck gesetzt. So notierte die im Jahr 2013 fällige Euro-Anleihe von General Motors mit weniger als 75 Cent je Euro Nennwert und erreichte so ein neues Rekordtief. Die Kehrseite der Medaille ist, daß Anleger, die jetzt zugreifen, auf mehr als 12 Prozent jährliche Rendite hoffen können, bei einer Laufzeit von acht Jahren. Auch die Anleihen europäischer Automobilhersteller sind mit der Herabstufung der Konkurrenten unter Druck geraten. So fiel zum Beispiel der Kurs fünfjähriger Titel von Daimler-Chrysler um knapp ein Prozent.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |