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Anleihen Argentiniens Umschuldung könnte Präzedenzfall werden

21.02.2005 ·  Argentiniens Rekordumschuldung von mehr als 100 Milliarden Dollar Zins- und Anleiheschulden geht in die Endphase. Auch andere Schwellenländer fordern Schuldenerleichterungen.

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Argentiniens Rekordumschuldung von mehr als 100 Milliarden Dollar Zins- und Anleiheschulden geht in die Endphase. Noch bis zum Freitag (16.15 Uhr New Yorker Zeit) können Anleger ihre seit drei Jahren nicht mehr bedienten Altanleihen in neue Titel mit um bis zu zwei Drittel gekürztem Schuldkapital, wesentlich niedrigeren Zinsen und längeren Laufzeiten eintauschen.

Obwohl die Annahme des Angebots einen Verlust von rund drei Viertel der nominellen Forderungswerte bedeuten würde, gehen Beobachter inzwischen von einer höheren Akzeptanzquote aus als ursprünglich erwartet. Aufgrund der weiter sinkenden Renditeabstände von Schwellenländer-Anleihen zu amerikanischen Staatspapieren ist selbst das bescheidene argentinische Angebot lukrativer geworden.

Kein besseres Angebot in Sicht

Zudem könnte das überraschend kräftige Wirtschaftswachstum in Argentinien die wachstumsabhängige Komponente in der Verzinsung der neuen Anleihen attraktiver erscheinen lassen. 2004 stieg das Bruttoinlandsprodukt um 8,8 Prozent, für 2005 werden mehr als 6 Prozent Wachstum erwartet. Überdies schwindet die Hoffnung, daß Argentinien auf absehbare Zeit ein besseres Angebot vorlegen könnte, nachdem sich die Regierung vor zehn Tagen jede Nachbesserung vom Parlament per Gesetz hat verbieten lassen. Den langwierigen, mit hohen Kosten und Risiken behafteten Weg einer gerichtlichen Klage auf volle Zahlung gehen bisher nur wenige Anleger. „Eine Teilnahme am Umtauschangebot ist für die Privatanleger im Vergleich zu den vergangenen Wochen attraktiver geworden“, befindet Mauro Toldo von der Deka Bank.

Allein schon aufgrund der hohen Beteiligung in Argentinien selbst (etwa 90 Prozent) dürfte die Teilnahme am Tausch bis zum Ende der vergangenen Woche eine globale Quote von 45 Prozent erreicht haben, schätzt die Dresdner Bank Lateinamerika. Bis Ende dieser Woche könnten global 70 bis 80 Prozent erreicht werden. Die Deutsche Bank hält sogar eine Teilnahmequote von bis zu 85 Prozent für möglich. Fachleute erwarten, daß in den nächsten Tagen internationale Großanleger in den Tausch einsteigen. Diese Profis dürften bis zum letzten Moment abwarten, um die für sie optimale Anlageentscheidung zu treffen.

Neue Kredite

Viele resignierte Kleinanleger haben ihre Anleihen in den vergangenen Wochen verkauft - die Deutsche Bank schätzt das Volumen auf 10 Milliarden Dollar. Wichtigste Käufer waren vermutlich professionelle Großanleger, die sich aus der Teilnahme an dem Schuldentausch einen raschen Gewinn versprechen. Mit dem Nährerrücken des Umtauschdatums ist das Handelsvolumen der Altanleihen jedoch drastisch gesunken. Die Stuttgarter Börse setzte den Handel sogar aus, da „ein Market Making der betreuenden Banken nicht mehr möglich“ sei. An den anderen Börsen waren am Montag drastische Kurseinbrüche um teils zweistellige Prozentsätze zu beobachten. Argentiniens Aktienkurse eilen derweil in Erwartung einer erfolgreichen Umschuldung von Rekord zu Rekord. Der Leitindex Merval stieg in vier Wochen um rund 15 Prozent.

Mit einer höheren Teilnahmequote dürften auch die Chancen steigen, daß der Internationale Währungsfonds (IWF) Argentinien wieder neue Kredite gewährt. Das würde es Argentinien wiederum erleichtern, die neuen Anleihen ordnungsgemäß zu bedienen. Die Haltung des IWF werde „entscheidend für den Erfolg der Umschuldung sein“, kommentierte Toldo. Mit einer Akzeptanzquote von etwa 70 Prozent werde sich der Währungsfonds wahrscheinlich zufriedengeben, heißt es bei der West LB. Die Haltung des IWF werde womöglich „mehr durch politische als durch strikt wirtschaftliche Faktoren beeinflußt“, sagen die Analysten. Bei früheren Umschuldungen etwa in Rußland und Ecuador hatten Anleger maximal auf 40 Prozent der Schulden verzichten müssen - Zustimmungsquoten von mindestens 95 Prozent waren üblich.

Rauher Umgang mit den Privatgläubigern

Argentiniens wesentlich rauherer Umgang mit den Privatgläubigern, der „anscheinend vom IWF und vom amerikanischen Schatzamt voll unterstützt“ werde, könnte einen „gefährlichen Präzedenzfall“ für die Finanzmärkte der Schwellenländer setzen, warnt Walter Molano von BCP Securities. In kleineren Ländern wie Panama und der Dominikanischen Republik seien bereits Forderungen nach Schuldenerleichterung laut geworden. Wenn Länder glaubten, daß gutes Verhalten gegenüber den Gläubigern nicht belohnt werde, was wird dann in größeren Ländern wie Brasilien und Venezuela passieren?“ fragt Molano.

Vertreter des Globalkomitees der Argentinien-Gläubiger (GCAB) werden nicht müde, darauf hinzuweisen, daß Argentinien wesentlich mehr zahlen könne, als es biete. Das GCAB, das nach eigenen Angaben die Interessen von fast drei Viertel der ausländischen Gläubiger vertritt, prüfe inzwischen auch die Möglichkeit, Argentinien vor einem Schiedsgericht der Weltbank zu verklagen.

Quelle: mos., F.A.Z., 22.02.2005, Nr. 44 / Seite 21
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