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Anlagestrategien : Der Contrarian-Ansatz

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Sich immer gegen die Mehrheit zu stemmen, ist verdammt schwer. Wer ein echter Contrarian ist, versucht genau das.

          Gegen den Strom schwimmen. Immer das Entgegengesetzte tun. Antizyklisch handeln. So oder ähnlich kann die Strategie des so genannten „Contrarian“ auf eine Formel gebracht werden. Dieser Anlegertyp versucht also, stets entgegen der allgemeinen Marktstimmung zu handeln.

          Die Idee dahinter: Wenn alle dasselbe tun, ist die Wende nahe. Kaufen alle zu steigenden Kursen, gehen dem Markt irgendwann die Käufer aus. Verkaufen alle zu fallenden Kursen, wird es irgendwann keine Abgabebereitschaft mehr geben. Im Ideal steigt der Contrarian also ein, wenn der Pessimismus am höchsten ist, und verabschiedet sich zum Zeitpunkt der größten Euphorie. So weit das Ideal. Die Realität wartet - wen wundert's - mit zahlreichen Schwierigkeiten auf.

          Problem Nr. 1: Die Psyche

          Der echte Contrarian ist eigentlich ein ziemlich spekulativer Anleger. Er muss grundsätzlich Aktien kaufen, die im Moment total out sind. Wie schwierig das in der Praxis ist, kann sich jeder leicht ausmalen, der an die gerade am meisten geprügelten Werte denkt. Genauso in Zeiten des Überschwangs. Wenn eine gute Nachricht die andere jagt, und der Kurs permanent steigt, fällt es äußerst schwer, den Absprung zu finden. Die besten Nachrichten kommen bei hohen Kursen. Um da zu verkaufen, muss jeder über seinen Schatten springen. Gefragt ist also eine äußerst untypische Psyche.

          Problem Nr. 2: Wendepunkte erkennen

          Wann ist aber der Boden oder der Gipfel nahe? Diese Frage kann auch der Contrarian erst hinterher sicher beantworten. Als Anhaltspunkt hat sich zuweilen die Reaktion der Börse auf gute oder schlechte Nachrichten bewährt. Nimmt der Markt in einer Baisse schlechte Nachrichten gelassen hin, und reagiert er in Zeiten der Hausse auf gute Neuigkeiten nicht mehr, kann dies auf eine Wende hinweisen.

          Die Rezeption von Nachrichten kann sich aber ebenso als trügerisches Zeichen erweisen, wie Martin Roth erklärt. Beliebt ist der Medien-Indikator. Je stärker das Börseninteresse in Medien wie die Boulevardpresse wandert, desto näher ist die Wende nach unten.

          Problem Nr. 3: Langfristtrends

          Ein schwerwiegendes, da systematisches Problem des Contrarian-Ansatzes ist es schließlich, mit langfristig steigenden oder fallenden Aktien umzugehen. Wer eine Aktie in Zeiten der Euphorie grundsätzlich verkauft, wird damit von vielen Aktien nur einen Bruchteil des Anstiegs mitbekommen. Auf der anderen Seite kauft man mit den vermeintlich zurückgebliebenen Werten systematisch auch die schwächsten mit ein, die sich langfristig auf dem Weg nach unten befinden. Ein Problem, das eine reine Contrarian-Strategie fast unmöglich macht.

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