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Anlagestrategie Dividendenstarke Titel gehören in jedes Depot

 ·  Bei Aktien wird die Rendite zu einem Gutteil durch die Dividendenzahlungen bestimmt. Worauf es bei einer dividendenbasierten Anlagestrategie ankommt, erklärt die Allianz in einer Studie.

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In den vergangenen 40 Jahren war die annualisierte Gesamtrendite der Aktienanlage zu über 40 Prozent durch Dividendenzahlungen bestimmt. Das macht Mut. Denn die Dividendenrenditen des weltweiten Aktienmarktes sind zuletzt auf ein neues Jahreshoch geklettert. Und weil gleichzeitig die Realverzinsung amerikanischer und deutscher Anleihen negativ ist, erscheint das momentan besonders verlockend.

Richtig gut absahnen lässt sich dabei in Europa. Zeigen sich doch insbesondere europäische Unternehmen im internationalen Vergleich ausschüttungsfreundlich. So ist die durchschnittliche Dividendenrendite auf dem alten Kontinent Ende 2011 auf rund 4,2 Prozent geklettert. Die im MSCI Europa High Dividend Index enthaltenen Werte kamen im Schnitt gleichzeitig sogar auf rund 6 Prozent.

Dividenden sind ein wichtiger Performance-Treiber

Wie wichtig Dividenden für den Anlageerfolg mit Aktien sind, zeigt Analyst Dennis Nacken von Allianz Global Investors in einer aktuellen Studie. Wie er darin vorrechnet, hätte sich ein Investor, der 1970 einmalig 100 Euro in Aktien des MSCI Europa investiert und die Dividendenzahlungen jährlich wieder angelegt hat, Ende 2011 trotz der Finanzkrise über ein Vermögen von 4.676 Euro (vor Steuern) freuen können. Ohne den Beitrag der jährlich reinvestierten Dividenden wäre der Betrag nur rein mit der Kursentwicklung lediglich auf 1.027 Euro gewachsen (siehe Grafiken). Per Saldo war in dieser Zeitspanne die annualisierte Gesamtrendite der Aktienanlage von 9,5 Prozent somit zu rund 43 Prozent durch die Dividendenzahlungen bestimmt.

Ob sich die Erfolgsgeschichte wiederholen kann, hängt unter anderem davon ab, wie nachhaltig die Dividendenrenditen im derzeitigen Marktumfeld sind und welche Vorteile Dividendenstrategien dem langfristig orientierten Investor bieten können? Um die „Spreu vom Weizen zu trennen“, gilt es laut Nacken für Anleger im Rahmen einer fundamentalen Nachhaltigkeitsanalyse unter anderem die hinreichende Profitabilität sowie Dividendenkontinuität eines Unternehmens zu überprüfen.

Welche Gründe im aktuellen Marktumfeld für stabile Dividendenrenditen sprechen

Erstens scheine die Basis für zumindest stabil hohe Dividendenausschüttungen für das Geschäftsjahr 2011 bereits gelegt worden zu sein. Denn im Zuge sinkender realwirtschaftlicher Indikatoren werde sich zwar vermutlich die Gewinndynamik bei den Unternehmen Ende 2011 abgeschwächt haben, aber nach Analystenschätzungen werden europäische und amerikanische Konzerne für das Gesamtjahr 2011 immer noch Gewinnsteigerungen von 22 Prozent und 16 Prozent verbucht haben.

Zweitens seien aufgrund der freundlichen Gewinnentwicklungen im Vorjahr sind die Ausschüttungsquoten der Konzerne deutlich gesunken. Ein Blick auf die aktuelle Ausschüttungspolitik internationaler Konzerne zeige folgendes: In Europa ist das Verhältnis von ausbezahlter Dividende zum Gewinn je Aktie mit derzeit etwa 45 Prozent im historischen Vergleich moderat. In Amerika befindet sich der Quotient von rund 30 Prozent sogar auf dem niedrigsten Stand seit 40 Jahren (siehe Grafiken). Der Spielraum für weitere zukünftige Dividendenerhöhungen habe sich somit für die Unternehmen erhöht.

Drittens verfügten die Unternehmen derzeit über einen hohen Bestand an frei verfügbaren Mitteln (Cash flow). Die Phase des „Deleveraging“ nach der Finanzkrise, als die Eigenkapitalbasis gestärkt und das Fremdkapital abgebaut wurde, sei bei den Firmen – mit Ausnahme der Banken – bereits weit vorangeschritten. 2012 könnten sich die Unternehmen deshalb weiterhin dem Shareholder-Value widmen (siehe Grafiken).

Trotz Risiken scheint die Basis für zumindest stabile Dividenden gelegt

Allerdings gebe es auch einzelne Faktoren, die gegen eine marktweite Erhöhung der Dividendenrenditen sprechen:

Zu beachten sei erstens, dass nach Finanzmarktkrisen die Erholungen eher schwach ausfielen und ein selbsttragender Aufschwung nur zähflüssig in Gang komme. Gleichzeitig signalisierten weltweit sinkende Frühindikatoren eine Abschwächung der Wirtschaft sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern. Dies nähre die Erwartung an ein Nachlassen der Wachstumsdynamik im Geschäftsjahr 2012. Das Wachstum dürfte eher moderat und unter Potenzial verlaufen. Für das laufende Jahr 2012 drohe eventuell sogar ein Rückgang der weltweiten Konzerngewinne.

Zweitens gebe es nach wie vor viele Gesellschaften mit volatilen Erträgen, wie etwa die Banken, die angesichts des hohen Refinanzierungsbedarfs sowie der zunehmenden Regulierungen kaum eine Dividendenkontinuität gewährleisten könnten. Und drittens könnten sich Unternehmen wieder verstärkt nach Investitionsmöglichkeiten umschauen, anstatt die frei verfügbaren Mittel auszuschütten. In der Summe scheine aber zumindest die Basis für stabile – in vielen Fällen sogar höhere – Dividendenausschüttungen bereits gelegt worden zu sein. Daher erschienen die aktuell überdurchschnittlich hohen Dividendenrenditen attraktiv.

Dividenden tragen auch dazu bei die Kursschwankungen zu verringern

Dividendenstarke Titel bieten Anlegern laut Nacken zudem den weiteren Vorteil, dass sich die Dividendenzahlungen zumeist stetiger entwickelten als die Konzerngewinne. Ein Vergleich von Dividenden und Gewinnen der Indexmitglieder des MSCI Europa zeige, dass die Unternehmensgewinne in den vergangenen 30 Jahren weitaus größeren Schwankungen unterworfen gewesen seien (siehe Grafiken). Ursache sei unter anderem die Dividendenpolitik als häufig aktiver Bestandteil der Unternehmensstrategie. Folglich seien die Konzerne bestrebt, eine kontinuierliche Dividendenzahlung zu gewährleisten. Damit verfüge der Aktionär über einen Einkommensstrom aus jährlichen Dividendenzahlungen. Dieser sei verhältnismäßig gut planbar und der Anleger könne darüber Jahr für Jahr frei verfügen.

Eine genauere Analyse der Performanceanteile des S&P 500 seit 1926 zeige, dass der Performancebeitrag der Dividende in den vergangenen 10-Jahreszeiträumen sehr stetig und von 1,8 Prozent bis 5,9 Prozent stets positiv gewesen sei (siehe Grafiken). Im Gegensatz dazu seien die Schwankungen der Aktienkurse in den vergangenen Dekaden sehr groß gewesen. Mit Kursgewinnen in den 90er Jahren von 15,3 Prozent bis zu Verlusten von 5,3 Prozent in den 30er Jahren und auch im jüngsten Jahrzehnt. Gekoppelt mit einer geringeren Volatilität der Gewinnausschüttungen seien Dividendenpapiere in der Vergangenheit eher weniger Kursschwankungen unterworfen gewesen als der übrige Markt.

So sei seit 1972 die Volatilität (gemessen an der 36 Monate rollierenden Standardabweichung) von amerikanischen Aktien, deren Unternehmen eine Dividende zahlten gegenüber Aktiengesellschaften, die keine Gewinne ausschütteten, spürbar geringer gewesen (siehe Grafiken). Ein Grund für die geringere Kursvolatilität dürfte gewesen sein, dass Unternehmen mit hoher Dividendenrendite zumeist über gesunde Bilanzrelationen mit relativ hohem Eigenkapitalbestand und stabilen Cash flows verfügten. Sie böten ihrem Anleger einen regelmäßigen Einkommensstrom – und damit auch mehr Sicherheit. Außerdem wäre bei Gesellschaften mit einer soliden Dividendenvergangenheit häufig auch eine solide Ergebnishistorie unterstellt. Eigenschaften, die Investoren gerade in schwierigen Marktphasen schätzten, was sich in der Vergangenheit in attraktiveren Rendite-Risiko-Profilen von Dividendenstrategien widergespiegelt habe.

Bei der Titelselektion auf die zu erwartenden Dividenden fokussieren

Trotz aller Risiken bei einzelnen Aktien könnten nach Ansicht von Nacken die insgesamt stark gestiegenen Dividendenrenditen auch ein Signal dafür sein, dass sich der breite Aktienmarkt wieder stabilisiere. Die Titel des MSCI Europa würden mit einer Dividendenrendite von über 4 Prozent deutlich mehr abwerfen als europäische Staatsanleihen. Dies sei zuletzt im Frühjahr 2003 und Ende 2008 der Fall gewesen, als die Aktienmärkte nach einer deutlichen Talfahrt wieder auf Erholungskurs eingeschwenkt seien. Letztendlich deuten die hohen Dividendenrenditen darauf hin, dass der Pessimismus der Marktteilnehmer bezüglich der Gewinnentwicklungen der Unternehmen bereits schon hoch ist und die Risiken größtenteils eingepreist zu sein scheinen, so Nacken. Sobald sich die Anzeichen einer wieder steigenden Risikofreude und einer konjunkturellen Stabilisierung mehrten, könnte sich für Anleger ein Investment in dividendenstarke Aktien bezahlt machen.

Die Jagd nach Dividendenrendite berge bekanntlich aber auch Risiken. Sie sei deshalb nicht gänzlich unkritisch zu betrachten. Die Dividendenrendite könne natürlich auch Fehlsignale für den Aktienkauf liefern. So werde unterstellt, dass die aktuellen Ausschüttungen auch in Zukunft stabil bleiben. Das sei aber nicht immer der Fall. Als ein Beispiel führt Nacken die Finanzwerte an, die bis Mitte 2007 mit hohen Ausschüttungen glänzten. Doch mit dem Ausbruch der Finanzkrise verzeichneten sie große Kurseinbußen und die Konzerngewinne sowie Dividendenzahlungen stürzten mit ihnen ab. Es komme daher bei der Anlageentscheidung zusätzlich auf Titelselektion und aktives Management an. Um solche Enttäuschung z vermeiden, komme es darauf an, sich bei der Titelselektion nicht auf die zuletzt ausgeschütteten, sondern auf die künftig zu erwartenden Dividenden zu fokussieren.

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