Die enttäuschenden Beschäftigtenzahlen des amerikanischen Arbeitsmarktes haben die Notenbank Federal Reserve keine zwei Wochen nach ihrer Veröffentlichung am 7. September zum Handeln bewogen. Mit einem einzigen Schlag nach bester Zorro-Manier nahm die Fed eine Senkung des Diskont- wie auch des Tagesgeldsatzes vor und sorgte dafür, dass Standard & Poor's die Rezessionserwartungen für die kommenden zwölf Monate von 40 auf 33 Prozent nach unten korrigiert hat.
Unserer Ansicht nach müssen andere Anleger ähnlich empfunden haben, da sie die Aktienkurse im Laufe des Septembers bereitwillig in die Höhe getrieben haben, obwohl sie eine herannahende Rezession fürchten mussten. (Der kräftige Aufwärtstrend hat sich sicherlich bis in die erste Börsensitzung des Oktobers fortgesetzt.) Die Large-, Mid- und Small-Cap-Indizes von S&P wiesen im dem Monat Anstiege in Höhe von 1,4 bis 3,6 Prozent aus, während neun von zehn Sektoren des S&P Composite 1500 ebenfalls Gewinne verzeichneten.
Amazon treibt, Harley-Davidson bremst
Die Sektoren Energie und Grundstoffe schnitten am besten ab, da der Ölpreis die Marke von 80 Dollar pro Barrel durchbrochen hat und die Aussichten für das weltweite Wirtschaftswachstum durch die niedrigeren kurzfristigen Zinssätze gestiegen sind. Somit wurden die hoffnungsvollen Erwartungen einer steigenden Nachfrage nach Rohstoffen neu entfacht. Der Sektor dauerhafte Konsumgüter verbuchte allerdings einen Rückgang von 1,1 Prozent, was auf die anhaltende Besorgnis über die Auswirkungen der Immobilienkrise auf Zuversicht und Ausgabeverhalten der Verbraucher zurückzuführen ist.
Die Unternehmen Monsanto, Freeport-McMoRan Copper & Gold und Amazon halfen, die Preise in den Teilsektoren Düngemittel, Metall sowie Internet-Einzelhandel überdurchschnittlich in die Höhe zu treiben, während Harmon International, Lennar und Harley-Davidson den Gruppen Unterhaltungselektronik, Hausbau und Motorradproduktion zweistellige Verluste bescherten.
Der Ruf des Oktobers lässt Anleger erschauern...
Worüber sollten wir uns grämen, nun da wir den September hinter uns gebracht haben? Es ist der Ruf des Oktobers, der die Anleger erschauern lässt. Dies hat weniger mit Halloween zu tun, sondern vielmehr damit, dass in diesem Monat die Talsohle so mancher Krise an den Aktienmärkten durchschritten wurde.
So endeten fünf der letzten neun Bärenmärkte in den vergangenen 50 Jahren im Monat Oktober. Auch war dies der Monat, in dem die Mutter aller Börsencrashs im Jahre 1929 für Unheil sorgte, und im Oktober 1987 kam es ebenfalls zu einem massiven Einbruch am Aktienmarkt.
...zu Unrecht
Dennoch verzeichnet der Aktienindex S&P 500 seit 1945 im Oktober einen durchschnittlichen Anstieg von 1,1 Prozent, (während er in den übrigen Monaten nur durchschnittlich 0,7 Prozent zulegt). Eine Performance, die so manchen Anleger überrascht. Das S&P Investment Policy Committee geht davon aus, dass der S&P 500 im Jahr 2007 bei 1.560 Punkten schließen wird - also etwa zwei Prozent über dem kürzlich erreichten Niveau von 1.525 Zählern und zehn Prozent über dem Schlussstand des Jahres 2006 von 1.418 Zählern.
Nach Ansicht von S&P werden folgende Faktoren den Aktienkursen in den letzten Monaten des Jahres zu einem moderaten Aufwärtstrend verhelfen:
1. Die Fed wird im Rahmen der für den 30./31. Oktober anberaumten Sitzung des Offenmarktausschusses mindestens eine weitere Senkung des Tagesgeldsatzes auf schätzungsweise 4,5 Prozent vornehmen.
2. Die im dritten Quartal erzielten operativen Gewinne der S&P-500-Unternehmen werden über den aktuellen Schätzungen von 2,4 Prozent liegen, sofern die Erwartungen auch weiterhin übertroffen werden.
3. Der Dollar wird seinen Abwärtstrend fortsetzen. Dies dürfte die operativen Gewinne weiter ankurbeln, da die im S&P 500 gelisteten Unternehmen laut Einschätzung der Abteilung S&P Index Services 45 Prozent ihrer Einkünfte aus Überseegeschäften beziehen.
Gründe für bescheidenen Optimismus
Ein weiterer Grund für unseren bescheidenen Optimismus zum Jahresende hin liegt darin, dass nun das vierte - und traditionell stärkste - Quartal des Jahres begonnen hat. Seit 1945 legt der S&P 500 im Laufe dieser letzten drei Monate durchschnittlich 4,1 Prozent zu, während er in den ersten drei Quartalen jeweils ein Plus von 2,3, 2,0 und 0,3 Prozent verzeichnet. Darüber hinaus ist der S&P 500 seit Ende des zweiten Weltkriegs in 79 Prozent aller Jahresendquartale gestiegen.
Seit Beginn der branchenbezogenen Datenanalyse des S&P GICS (Global Industry Classification Standard) im Jahre 1990 zog der S&P 500 im Laufe des vierten Quartals durchschnittlich um 6,5 Prozent an. Während sieben von zehn Sektoren nur durchschnittliche Zuwächse über den mittleren Marktwert hinaus erreichten, zeigte lediglich die Gruppe der dauerhaften Konsumgüter, die den Markt mit einer Häufigkeit von 65 Prozent outperformte, eine nennenswerte Leistung. Die neu emittierten Energieaktien fielen in diesem letzten Quartal dagegen relativ schwach aus. Mit einem Kursanstieg von nur 1,8 Prozent konnten sie den Markt nur etwa alle drei Jahre überrunden.
Hervorragende Leistungen lieferten die Hersteller von Elektrokomponenten und -anlagen sowie Elektronikausrüster und Multiline-Versicherer, die den Markt jeweils 75 Prozent der Zeit überflügelten und im vierten Quartal durchschnittlich Kursgewinne von über 9,8 Prozent einfuhren. Zu den dauerhaften Underperformern, die den breiteren Markt lediglich 25 Prozent der Zeit übertrafen, zählten der Lebensmitteleinzelhandel, die Goldbranche sowie Förder- und Produktionsunternehmen von Erdöl und Erdgas.
Energie und IT ins Depot
Obgleich solche über- und unterdurchschnittlichen Kursentwicklungen und Preisänderungen häufig ins Auge fallen, sollte man nicht vergessen, dass Werteentwicklungen der Vergangenheit keinerlei Rückschlüsse auf künftige Ergebnisse zulassen. Doch durchschnittliche Werteentwicklungen innerhalb eines einzigen Quartals ergeben noch lange keine Strategie. Wir empfehlen Anlegern weiterhin, ihr Augenmerk auf die Sektoren Energie und Informationstechnologie zu legen und den Sektor dauerhafte Konsumgüter unterzugewichten.
In punkto Energiewerte haben wir vor kurzem unsere Jahresprognose 2007 für den Kassapreis von West-Texas-Intermediate-Rohöl auf 68,68 Dollar pro Barrel angehoben. Die Prognose für das Jahr 2008 korrigierten wir mit 74,25 Dollar pro Barrel ebenfalls nach oben. Dies spiegelt die Erwartungen einer wachsenden globalen Nachfrage, gepaart mit einem steigenden Opec-Anteil der voraussichtlichen Förderung, wider. Unsere Empfehlung zur Übergewichtung von IT-Werten stützt sich auf die Überzeugung, dass dieser Sektor von der Aussicht auf eine überdurchschnittliche Gewinnentwicklung je Aktie und der internationalen Ertragsausrichtung profitieren wird.
Die Aktien des Sektors dauerhafte Konsumgüter dürften unserer Ansicht nach im Vergleich zum gesamten Marktumfeld eher unterdurchschnittlich abschneiden, was auf einen Rückgang der Konjunktur, eine anhaltende Flaute am Immobilienmarkt sowie eine relative erbewertung zurückzuführen ist.
