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Anlagepolitik Deutsche Versicherer scheuen das Risiko

19.10.2006 ·  Die Renditen am Anleihemarkt sind niedrig. Trotzdem scheuen deutsche Versicherer das Risiko, ihre Anlagen zu streuen. Das bedeutet für Kunden eine kleine Rendite, aber großes Zinsrisiko. Betroffen davon ist ein Großteil der Verbraucher.

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Deutschlands Versicherer und Pensionskassen verfolgen nach Ansicht von Fachleuten eine falsche Anlagepolitik. Trotz niedriger Zinsen am Anleihemarkt investieren sie zuwenig in Anlageformen wie Hedge-Fonds, Beteiligungskapital oder Immobilien. „Die deutschen institutionellen Investoren sind zu risikoavers“, bemängelt Carsten Zielke, Versicherungsexperte der WestLB.

„Für die Versicherungskunden bedeutet dies eine niedrige Rendite und ein hohes Zinsrisiko.“ Eine Maximierung der Rendite lasse sich nicht allein mit festverzinslichen Wertpapieren erreichen, bemängelt auch Martin Schliemann, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Betroffen davon ist ein Großteil der Verbraucher. Hierzulande gibt es gut 90 Millionen Lebensversicherungen, die mehr als 30 Millionen Menschen auch für die Altersvorsorge nutzen.

Renditemaximierung als oberstes Ziel der Strategen

Laut einer Studie von Ernst & Young unter Versicherern, Pensionskassen und Versorgungswerken investierten diese im Jahr 2005 knapp 76 Prozent ihrer Mittel in festverzinsliche Wertpapiere wie etwa Staatsanleihen. Aktien haben einen Anteil von 16 Prozent, alternative Anlageklassen wie Hedge-Fonds und Beteiligungskapital fallen kaum ins Gewicht. Im Widerspruch dazu haben die Anlagestrategen Renditemaximierung als oberstes Ziel angegeben.

Das passe nicht zusammen, sagt Rolf Wickenkamp, Gründer des an der Studie beteiligten Kölner Dachfonds CAM Private Equity. Alternative Anlagen sind weitaus riskanter als beispielsweise europäische Staatsanleihen, haben dafür aber höhere Renditechancen. Vor allem Stiftungsfonds amerikanischer Universitäten Yale oder Stanford gelten als Vorbilder für stabile und hohe Renditen durch alternative Investments.

Fast alle Anlageformen sind „Risikokapital“

Der Yale-Stiftungsfonds hat zuletzt eine Rendite von 22,3 Prozent erwirtschaftet - und dazu unter anderem 17 Prozent des Geldes in Beteiligungskapital investiert. Jedoch sind diese Stiftungen anders als Versicherer in ihrer Anlage völlig frei. „Amerikanische Stiftungen können trotzdem der Maßstab für deutsche Pensionskassen und Lebensversicherer sein, denn sie haben auch einen langfristigen Anlagehorizont mit Verpflichtungen, die weit in der Zukunft liegen“, sagt Wickenkamp. Auch das Argument, alternative Anlagen seien zuwenig liquide, gelte daher nicht.

Anders als landläufig vermutet, sind es nicht allein regulatorische Hürden, welche die Manager der Versicherer und Pensionskassen von risikobehafteten Anlagen zurückschrecken lassen. Zwar schreibt die Aufsichtsbehörde Bafin vor, daß maximal 35 Prozent des Sicherungsvermögens in „Risikokapital“ investiert werden darf. Unter Risikokapital versteht die Behörde im Prinzip fast alle Anlageformen mit Ausnahme festverzinslicher Wertpapiere.

Vorgaben an das Risikomanagement

Im Rahmen dieser Obergrenze dürfen zudem maximal höchstens 5 Prozent in Hedge-Fonds und 10 Prozent in Unternehmensbeteiligungen gesteckt werden. Hinzu kommen bestimmte Vorgaben an das Risikomanagement. „Darüber hinaus mischen wir uns in die Anlagepolitik aber nicht ein“, sagt ein Bafin-Sprecher.

Für die Versicherungsnehmer ist immerhin Besserung in Sicht. Analyst Zielke rechnet damit, daß sich die Anlagestrategie durch das von Anfang 2008 an geltende Versicherungsvertragsgesetz ändern wird. Wegen der darin vorgeschriebenen marktgerechteren Bewertung des investierten Vermögens könnten die Kunden die Renditen künftig besser vergleichen. Dadurch steige der Druck, die Anlagestrategien zu diversifizieren.

Quelle: da. / F.A.Z., 19.10.2006, Nr. 243 / Seite 21
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