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Anlage-Strategie Wie gut Aktien bei Inflation zum Vermögenserhalt taugen

Viele Anleger befürchten eine steigende Inflation. Und sie fragen sich, ob Aktien ein Schutzmittel sind. Laut einer RBI-Studie ist das der Fall. Doch zwei andere Anlageklassen taugen noch besser als Inflationsschutz.

© picture-alliance/ dpa Vergrößern Viele Deutsche haben historisch bedingt Angst vor Inflation

Wegen der von den großen Notenbanken verfolgten expansiven Geldpolitik sorgen sich viele Anleger vor einer mittelfristig anziehenden Inflation. Besorgt um die Ersparnisse wird deswegen nach Anlagestrategien gesucht, die einen Schutz gegen die befürchtete Inflationsgefahr bieten. Auf der Suche nach Rat empfehlen Experten als Lösung zumeist Investments in Aktien.

Die Analystinnen Veronika Lammer und Dorina Huszar von der österreichischen Raiffeisen Research GmbH sind in einer Studie der Frage nachgegangen, wie gut sich Aktien in der Vergangenheit in Zeiten mit steigenden Preisen geschlagen haben. Sie untersuchten dazu die Entwicklung von Aktien und anderen Assetklassen in Amerika in den 1970er Jahren. Denn damals ereigneten sich gleich zwei große Inflationsschübe im Laufe von zehn Jahren hintereinander. Diese Phase eignet sich somit sehr gut dazu, die Wertentwicklung der verschiedenen Anlageklassen über eine längere inflationäre und disinflationäre Periode zu analysieren.

Infografik / Durchschnittliche Performance p.a. der Anlageklassen 1979-1981

Studie untersucht Kursentwicklung während der Inflationsschübe in Amerika in den 1970er Jahren

Die erste zweistellige Inflationsphase zwischen Februar 1974 und April 1975 wurde dabei durch einen Angebotsschock im Lebensmittelsektor, durch die erste Ölkrise und durch Folgeerscheinungen einer vorübergehenden Lohn- und Preiskontrolle der Regierung Nixon ausgelöst. Die Preissteigerungen waren während des ersten Inflationsschubes im Dezember 1974 mit 12,2 Prozent p.a. am höchsten. Danach folgte bis Januar 1977 eine disinflationäre Periode. Die zweite zweistellige Inflationsperiode war zwischen März 1979 und Oktober 1981 zu beobachten. Als Hauptauslöser des zweiten Inflationsschubs können wieder höhere Lebensmittelpreise und die zweite Ölkrise angesehen werden.

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Laut Lammer und Huszar erreichte die Inflationsrate ihr Maximum während der zweiten Periode im März 1980 mit 14,7 Prozent p.a. Einen weiteren wichtigen Einflussfaktor auf die Finanzwelt in der Periode stellte der Kurseinbruch an den internationalen Aktienmärkten dar, der sich zwischen 11. Januar 1973 und 06. Dezember 1974 ereignete. Im Hintergrund des Börsencrash in Amerika standen demnach der Arabisch-Israelische Krieg, die Watergate-Affäre, und die erste Ölkrise. Der Rücktritt von Präsident Richard Nixons im August 1974 führte zu einem Ausverkauf, der den S&P 500 schlussendlich im September auf nur noch 62 Punkte fallen ließ (ein Verlust von 50 Prozent innerhalb von 21 Monaten). Daran schloss sich 1975 eine rasche Kurserholung an.

Infografik / Durchschnittliche Performance p.a. der Anlageklassen 1976-1978

Die damalige Performance der vier großen Assetklassen, Aktien, Anleihen, Immobilien- Investmentfonds und Edelmetalle wurde von Lammer und Huszar anhand verschiedener Indizes gemessen: Die durchschnittliche Performance der Aktien wurde mit Hilfe der drei großer Aktienindizes, des S&P 100, S&P MidCap 400 sowie des S&P SmallCap 600 ermittelt. Die durchschnittliche Performance der Anleihen wurde mit Hilfe der Barclays Corporate Intermediate, der Barclays Corporate Long und der Barclays Aggregate Government Indizes gemessen. Der FTSE/NAIRET All REITs Index stellt die durchschnittliche Performance der Immobilien-Investmentfonds dar. Und die Performance der Edelmetalle ist in der Untersuchung durch den S&P GSCI Precious Metal Index vertreten.

Infografik / Durchschnittliche Performance p.a. der Anlageklassen 1974-1982

Infografik / S&P GSCI Precious Metal Total Return Index zwischen 1974 und 1982

Infografik / FTSE/NAIRET All REITs Total Return Index zwischen 1974 und1982

Um ein umfangreiches Bild über die Performanceentwicklung dieser vier Anlageklassen während der Periode zu erhalten, wurden die jeweiligen durchschnittlichen Performances einerseits für die Gesamtperiode (1974-1982) ermittelt. Andererseits wurde dargestellt, wie sich die verschiedenen Asset-Klassen während der zweistelligen Inflationsperiode zwischen 1979-1981, sowie zwischen den zwei Inflationsschüben (als die Inflationsrate sich zwischen 1976 und 1978 zwischen 6 Prozent und 9 Prozent bewegte) verhalten haben. Die durchschnittlichen Performances der zwei einander folgenden dreijährigen Perioden (1976-1978 und 1979-1981) waren überdies schon nicht mehr durch die Auswirkungen des Börsencrash 1973- 1974 betroffen. Dadurch ergibt sich laut Lammer und Huszar auch ein eindeutigeres Bild über das Verhältnis von Inflation und Performanceentwicklung der Anlageklassen.

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