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Anlage-Strategie Was für europäische Aktien spricht

03.02.2012 ·  Trotz Schuldenkrise steigen die Kurse an den europäischen Börsen in diesem Jahr wieder. Mit welchen Vorzügen Aktien aus Europa aufwarten können, zeigt das Bankhaus Sarasin in einer Studie.

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Im Vorjahr haben sich die Aktienkurse in Amerika deutlich besser entwickelt als in Europa. Das passte auch zu den volkswirtschaftlichen Rahmendaten. Denn bis in das vierte Quartal 2011 hinein entwickelten sich vor allem die Makrodaten in Amerika besser als erwartet, während die Nachrichten aus Euroland auf eine Rezession hindeuteten.

Die jüngsten Daten zeigen laut Philipp Bärtschi, Chefstratege beim Schweizer Bankhaus Sarasin aber, dass sich der Industriesektor auch in Euroland zumindest stabilisiert hat. Beispielsweise seien die Erwartungen des deutschen ifo-Indexes im Januar zum dritten Mal in Folge gestiegen. Doch nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Peripherie deuteten die Indikatoren auf eine Stabilisierung hin.

Obwohl eine technische Rezession immer noch möglich scheine, sei das Abgleiten in eine tiefe Rezession unwahrscheinlich geworden. Die Europäische Zentralbank (EZB) habe zudem mit der langfristigen Finanzierung der Banken das Systemrisiko deutlich reduziert. Deshalb ist es nicht erstaunlich, dass die Aktienmärkte in Euroland seit Jahresbeginn zu den Besten gehören, so Bärtschi.

Positive Überraschungen bei Euroland-Makrodaten beflügeln die Aktienmärkte

Die Überraschungen auf volkswirtschaftlicher Ebene in Euroland seien den Überraschungen in Amerika mit einer Verzögerung von rund 3 Monaten gefolgt (siehe Grafiken). Seit Januar überraschten die EU-Makrodaten nun mehrheitlich positiv. Das schlage sich auch an den Aktienmärkten nieder. Noch bis in das dritte Quartal 2011 hinein war das vergleichsweise schwache Abschneiden der europäischen Aktien gemäß Bärtschi vor allem auf Sorgen über die Euroschuldenkrise zurückzuführen. Und im vierten Quartal 2011 hätten vor allem die erwähnten Makrotrends die amerikanischen Aktien begünstigt.

Doch weil die Makro-Überraschungen in Amerika bereits ein sehr hohes Niveau erreicht hätten, billigen die Analysten bei Sarasin Euroland nun ein deutlich größeres Überraschungspotenzial zu. Für Bärtschi ist das auch einer der Hauptgründe, warum er in den nächsten Monaten bei europäischen Aktien mit einem überdurchschnittlichen Abschneiden rechnet.

Die längerfristigen strukturellen Probleme von Euroland seien zwar nicht zu verharmlosen, doch der Pessimismus gegenüber Euro-Aktien habe zu Jahresbeginn übertrieben erschienen. Eine Umfrage bei globalen Vermögensverwaltern im Januar habe gezeigt, dass Euro-Aktien am stärksten untergewichtet werden. Es erstaune nicht, dass amerikanische Aktien, welche in den vergangenen Monaten die beste Performance aufwiesen, am stärksten übergewichtet werden (siehe Grafiken).

Obwohl die Untergewichtung im Januar leicht reduziert worden sei, gebe es immer noch viel Potenzial für Geldzuflüsse in den Euroraum. Neben einer weiteren Aufhellung des Makrobildes könnte dabei auch die zweite Liquiditätsspritze der EZB für die Banken Ende Februar ein Auslöser für eine Neueinschätzung sein. Der globale zyklische Aufschwung, welcher erst am Anfang stehe, spreche auch für eine zyklischere Ausrichtung der Anleger. So dürften sich die Anleger vermehrt den zyklischen Märkten wie den Schwellenländern aber auch Euroland zuwenden.

Niedrige Bewertung und negative Stimmung bieten großes Aufwärtspotenzial

Euroland-Aktien sind nach Ansicht von Bärtschi einfach zu günstig. Vor allem im Vergleich zu den amerikanischen Aktien sei die Bewertung deutlich attraktiver. Euroland-Aktien seien trotz der Erholung vom Tiefststand in der relativen Bewertung im Oktober 2011 mit einem Abschlag von 25 bis 30 Prozent immer noch
deutlich günstiger bewertet als Aktien aus Amerika (siehe Grafiken). Auch unter Berücksichtigung des durchschnittlichen Abschlags der vergangenen 25 Jahre von 10 bis 15 Prozent erschienen Euroland-Aktien sowohl absolut als auch relativ zu anderen Regionen deutlich unterbewertet.

Da der Euro-Aktienmarkt auf dem gleichen Niveau wie in der Krise 2008/09 bewertet sei, sei eine Rezession bereits vorweggenommen. Dank der besser als erwarteten Makrodaten dürfte es in den nächsten Monaten zu einer deutlichen Neubewertung kommen. Obwohl keine Rückkehr zu den hohen Bewertungen der vergangenen zwanzig Jahre erwartet werde, bestehe doch ein sehr deutliches Aufwertungspotenzial. Bärtschi erachtet ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11 mittelfristig als faire Bewertung für Euroland. Dies bedeute, dass über die nächsten fünf Jahre eine Neubewertung von über 5 Prozent pro Jahr stattfinden müsste, um diesen fairen Wert 2016 zu erreichen.

Sarasin setzt auf Stärke und favorisiert Aktien aus zyklischen Sektoren in Kerneuropa

Die Verantwortlichen bei Sarasin raten Anlegern dazu, die Kernstaaten Eurolands, allen voran Deutschland gegenüber der Peripherie zu bevorzugen. Bei einer weiteren Entspannung der Euroschuldenkrise dürften zwar die Ramschpapiere in einer Rallye kurzfristig am stärksten zulegen. Dennoch achten die Experten aus der Schweiz mit einer mittelfristigen Perspektive lieber auf Qualität und auf die Fundamentaldaten. Der deutsche Exportsektor sei international äußerst wettbewerbsfähig und dürfte am stärksten von einem globalen Aufschwung profitieren. Die Peripherieländer hingegen würden am meisten unter den Sparmaßnahmen der Regierungen leiden.

Deutsche Aktien dürften bei zunehmendem Risikoappetit am meisten von den niedrigen Zinsen profitieren. Viele Industriefirmen könnten sich dank guter Bonität und günstigem Zinsumfeld zu sehr attraktiven Konditionen refinanzieren oder neues Geld aufnehmen. Für deutsche Anleger, institutionelle und private, böten Aktien im Vergleich zu Anleihen die größte Risikoprämie (siehe Grafiken). Ein Vergleich der Risikoprämien der größten Länder zeige das Nord-Süd-Gefälle deutlich, welches sich im vergangenen Halbjahr akzentuiert habe. Bärtschi sieht deshalb für 2012 das größte Potenzial für den deutschen Aktienmarkt.

Bei den Sektoren rechnet er damit, dass die heftige Rotation, welche in den vergangenen Wochen stattgefunden hat, weitergehen wird. Zur Vorsicht mahnt der Sarasin-Stratege jedoch bei EU-Banken. Aufgrund der Unsicherheit bezüglich der Griechenland-Umschuldung bleiben sie eine «Wildcard» mit Risiken nach oben und nach unten. Er ziehe deshalb ein Engagement in Versicherungen innerhalb des Finanzsektors weiterhin vor. Diese seien wie viele zyklische Sektoren relativ günstig bewertet (siehe Grafiken) und böten großes Aufholpotenzial und eine hohe Dividendenrendite.

Innerhalb der zyklischen Konsumgüter seien die Industrien Automobile und Luxusgüter am attraktivsten. Sie dürften am meisten vom globalen zyklischen Aufschwung profitieren. Die expansivere Geldpolitik in den Schwellenländern werde den Konsum und die Wachstumsphantasien dieser Aktien wieder beflügeln. Auch der Industriesektor sei attraktiv bewertet und dürfte aufgrund der besseren Aussichten im Industriebereich positiv überraschen. Bärtschi rechnet im ersten Halbjahr mit einer Trendwende in der Auslastung des Industriesektors.

Fazit: Zu Jahresbeginn gibt es somit laut Bärtschi genügend gute Gründe um ein Engagement in Euroland-Aktien zu rechtfertigen. Trotz der hohen Unsicherheit auf der politischen Bühne dürften sich nach seiner Lesart Euro-Aktien, insbesondere der deutsche Aktienmarkt, überdurchschnittlich entwickeln. Die positiv überraschenden Makrodaten, die Untergewichtung von Euro-Aktien bei vielen Anlegern sowie die äußerst attraktive Bewertung würden für deutliches Aufwärtspotenzial sprechen. Bei Sarasin trauen die Analysten den Euro-Aktien aus zyklischen Sektoren in den nächsten Monaten jedenfalls ein Plus von 20 Prozent und mehr zu.

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