24.07.2007 · Die deutschen Lebensversicherer ändern ihre Produktwelt grundlegend: Statt herkömmlicher Zinsgarantien bieten sie kapitalmarktnähere Anlagen mit abgespeckten Garantien an, die sich nur auf die Endfälligkeit des Vertrages beziehen.
Von Stefan RuhkampDie deutschen Lebensversicherer sind dabei, ihre Produktwelt grundlegend zu ändern. Sie verabschieden sich im Neugeschäft allmählich von den herkömmlichen Zinsgarantien und bieten kapitalmarktnähere Produkte mit abgespeckten Garantien an, die sich nur auf die Endfälligkeit des Vertrages beziehen. Das wird die Flexibilität in der Kapitalanlage erhöhen und zugleich das von der Aufsicht geforderte Sicherheitskapital entlasten. Für die Kunden verbessern die Produkte die Renditeaussichten. Zugleich sind die neuen Garantien aber auch weniger umfangreich, was die Planungssicherheit verringert.
Jüngstes Beispiel für den Trend ist die Ergo-Gruppe, die zur Münchener Rück gehört. Die Tochtergesellschaft Victoria werde noch in diesem Jahr mit dem Verkauf von kapitalbildenden Lebensversicherungen mit veränderten Garantien beginnen, kündigte Kurt Wolfsdorf, Vorstandsmitglied der Ergo, im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an. Die Hamburg-Mannheimer soll folgen. „In diesem Bereich wird sich künftig der Wettbewerb abspielen. Schon in wenigen Jahren werden wir mit den neuen Garantieprodukten mehr als die Hälfte des Umsatzes erwirtschaften.“
Größerer Anteil riskanter Anlageformen
Vorreiter ist in Deutschland die Axa. Sie hat im vergangenen Jahr mit dem Verkauf von „Twinstar“-Rentenverträgen begonnen. „Der Absatz läuft sehr, sehr erfreulich“, sagte kürzlich Henri de Castries, Vorstandschef des französischen Versicherungskonzerns. Bereits ein Drittel des Neugeschäfts der Axa entfällt auf Twinstar. Die Allianz setzt bei den kapitalmarktnahen Produkten bisher vor allem auf Einmalzahlungen. Policen mit monatlicher Zahlung seien aber geplant, sagte Maximilian Zimmerer, Vorstandsvorsitzender der Allianz Leben, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Der Vorteil der neuen Produkte ist, dass sie einen größeren Anteil riskanter Anlageformen ermöglichen und dennoch mit Garantien ausgestattet sind. Die Versicherer sind mit den herkömmlichen Garantien in der Geldanlage eingeschränkt und müssen zu mehr als 80 Prozent in sichere Anleihen investieren, zu mäßigen Verzinsungen. Bei den neuartigen Verträgen können die Versicherer dagegen das Vermögen überwiegend in Aktien oder anderen Anlageklassen investieren, die zwar riskanter sind, auf lange Sicht aber höhere Renditen versprechen.
Kein gänzlicher Verzicht auf Sicherheit
Trotzdem müssen die Sparer - anders als bei reinen fondsgebundenen Policen, bei denen sie das Risiko der Kapitalanlage allein tragen - nicht gänzlich auf ein Sicherheitsnetz verzichten: Die Axa gewährt zum Beispiel für ihr neues Produkt eine endfällige Zinsgarantie von 3 Prozent. Bei der Volksfürsorge, die seit Januar eine kapitalbildende fondsgebundene Rentenversicherung auf der Basis von Garantiefonds verkauft, ist jeweils in einem Fünfjahreszyklus und zum Rentenbeginn für die Dauer von fünf Jahren der Kapitalerhalt garantiert.
Außerdem werden monatlich die im Laufe der fünf Jahre erreichten Höchstwerte des Vermögens garantiert. Nach Ablauf der Frist werde in einen neuen Fonds umgeschichtet, der wiederum für fünf Jahre den Kapitalerhalt garantiere, erläutert Volker Seidel, Vorstand für Finanzen der Volksfürsorge.
Die Garantien sind nur bedingt vergleichbar
Bei der Victoria sollen die neuen Garantien über eine Fondsanlage finanziert werden. Die beauftragten Fondsgesellschaften sollen durch ihre Anlagepolitik und durch Absicherungen selbst ein Sicherungsniveau herstellen. Erst wenn sich der Wert wegen einer ungünstigen Entwicklung auf dem Kapitalmarkt diesem Niveau annähern sollte, werde nach und nach in den herkömmlichen Deckungsstock des Lebensversicherers umgeschichtet, erläutert Wolfsdorf.
Neuartige und herkömmliche Garantien sind nur bedingt vergleichbar. Die neuartige Garantie gilt zum Beispiel bei der Axa erst am Ende des Vertrages. Nur für diesen Zeitpunkt ist sicher, dass der Sparanteil - das sind die Überweisungen der Kunden abzüglich der Kosten für Risikoschutz, Vermittlung und Verwaltung - mit 3 Prozent jährlich rentiert hat. Die herkömmlichen Garantien gelten dagegen jederzeit. Wächst das Kapital in einem Jahr um mehr als den garantierten Betrag, kann der Überschuss nicht mehr gestrichen werden. Die Zinsgarantie bezieht sich fortan auch auf den zusätzlichen Betrag.
Nicht alle Produkte für staatliche Förderung geeignet
Dieses Verfahren legt zwar den Versicherern in der Kapitalanlage enge Fesseln an, gibt den Sparern aber ein hohes Maß an Planungssicherheit. Ein weiterer Unterschied ist, dass die alten Garantien mit Eigenkapital oder anderen Sicherheitsmitteln gedeckt sind. Die neuen Garantien basieren dagegen auf Derivaten oder schlicht auf einer Verhaltensweise bei der Anlage der Fonds. Sie schichten bei beginnenden Verlusten früh genug in sichere Anlagen um, so dass mit den Zinsen der dann gekauften Anleihen das Garantieversprechen eingehalten werden kann.
Diese unterschiedliche Art der Finanzierung könnte zu einem Hemmschuh werden. Denn es ist fraglich, ob alle neuen Produkte für die staatlich geförderten Riester-, Rürup- und Betriebsrenten geeignet sind. Diese privaten Renten werden vom Staat nur begünstigt, wenn garantiert ist, dass im Alter mindestens die eingezahlten Beiträge zur Verfügung stehen. Die Axa hat zwar gerade eine Twinstar-Riesterpolice auf den Markt gebracht. Es sei aber nicht sicher, sagen einige Assekuranz-Vorstände, ob die Aufsichtsbehörde Bafin mitspielen werde, wenn die gesamte Branche den Verkauf der neuartigen Garantieprodukte forciere und sie zur Grundlage von Riester- und Rürup-Verträgen mache.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |