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Veröffentlicht: 17.02.2014, 11:32 Uhr

Angst vor Finanzkrise in China Die Lunte brennt

Wieder ist eine chinesische „Schattenbank“ in Schieflage geraten. Rettet der Staat sie, wächst der graue Kapitalmarkt weiter. Lässt er sie pleitegehen, droht eine Kettenreaktion.

von , Peking
© REUTERS Wie entwickelt sich Chinas Wirtschaft weiter? Ein Arbeiter im Oktober 2012 in einer Kalksteinmine in Quzhou.

Domino in China: Der eine Treuhandfonds wurde gerade noch gerettet, da droht schon der nächste umzufallen. Wie in Peking bekannt wurde, bedient der Jilin Trust aus der gleichnamigen chinesischen Nordostprovinz einen Teil seiner Zahlungsverpflichtungen schon seit Monaten nicht mehr. Die nächste Zinszahlung, die kommende Woche fällig wird, dürfte ebenfalls nicht geleistet werden, melden chinesische Medien.

Christian Geinitz Folgen:

Insgesamt geht es um drei Anlagetranchen im Wert von zusammen einer Milliarde Yuan (119 Millionen Euro). Vertrieben hat das Produkt, das Investoren hohe Renditen versprach, nicht irgendeine dubiose Finanzeinrichtung, sondern die China Construction Bank - eines der größten staatlichen Geldhäuser des Landes.

Damit erinnert der Fall an den drohenden Ausfall des Fonds Credit Equals Gold No. 1, den die ICBC, die größte Bank der Welt, für das Unternehmen China Credit Trust an ihre Kunden durchgeleitet hatte. Ende Januar konnte dessen drohende Insolvenz erst in letzter Minute abgewendet werden.

Wieder ein Kohle-Finanzierer

Vermutlich standen die Staatsbank selbst sowie andere öffentliche Stellen hinter der Rettungsaktion. Denn die chinesische Regierung fürchtet nichts mehr als eine Kettenreaktion von Pleiten innerhalb des riesigen grauen Kapitalmarkts in der Volksrepublik.

Der Fonds Credit Equals Gold war 2010 aufgelegt worden, um den Kohleförderer Shanxi Zhenfu Energy zu finanzieren. Die Anleger lockte er mit einem Rendite-Versprechen von 10 Prozent, was viel ist: Für einjährige Bankeinlagen gibt es nur etwas mehr als 3 Prozent.

File photo of the China Central Television (CCTV) building seen next to a construction site in heavy haze in Beijing's central business district © REUTERS Vergrößern Nicht nur in Peking, auch auf Chinas grauem Kapitalmarkt ist die Sicht schlecht.

Doch das Minenunternehmen geriet in Schieflage, weshalb sich die Vermögensverwaltungsgesellschaft  nicht in der Lage sah, die fälligen 3,3 Milliarden Yuan (400 Millionen Euro) an die 700 vermögenden Geldgeber zurückzuzahlen. Der Beistand in letzter Minute ersetzte zwar die versprochenen Zinsen nicht, aber immerhin die Anlagesumme konnte erhalten werden.

Wie groß die Schattenbanken sind, weiß keiner

Interessanter Weise diente auch der Jilin-Trust der Finanzierung eines Kohleunternehmens. Dahinter steht die Anlagegesellschaft Jilin Province Trust Co., die den Minenbetreiber Shanxi Liansheng Energy mit Geld versorgt hat.

Chinas Kohleindustrie leidet seit längerem unter einem drastischen Preisverfall und dem vergleichsweise milden Winter. Die Anlageverwalter mussten gegenüber den Investoren jetzt zähneknirschend eingestehen, dass der Bergbaubetrieb restrukturiert werden muss, damit er überleben kann – und damit die Einlagen sich nicht in Luft auflösen.

Die beiden Fonds sind nur die prominentesten Beispiele für die vielen Risiken im chinesischen Schattenbankenwesen. Dessen Volumen ist so unüberschaubar wie das Phänomen selbst: die Schätzungen reichen von umgerechnet 2,5 bis 4,4 Billionen Euro. Das sind bis zu zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Angst vor einer Anleger-Panik

Die Treuhandkonstruktionen (Trusts) machen einen erklecklichen Anteil dieser Aktivitäten außerhalb der Bankbilanzen aus. Nach Angaben des Verbands der Trust-Unternehmen beliefen sich die Vermögenswerte seiner Mitglieder zuletzt auf 1,2 Billionen Euro.

Nach einem Bericht des „Wall Street Journals“ werden 40 Prozent davon in diesem Jahr fällig. Die Ausleihungen an Industriebetriebe, Immobilienentwickler, Rohstoffförderer oder Infrastrukturunternehmen sind nur zu einem Bruchteil mit Eigenkapital unterlegt; die Rede ist von nicht einmal 3 Prozent.

Die Geschäftsbanken leiten die Geldaufnahme lediglich weiter, und zwar außerhalb ihrer Bücher. Formal haften sie deshalb nicht für mögliche Ausfälle. De facto aber machen die Kunden sie dafür verantwortlich. Das ist für den Staat und seine Institute nicht nur unangenehm, sondern für das System auch lebensbedrohlich: Denn wenn das Misstrauen der Anleger um sich greift, können sich die Fonds, die langfristig Geld verleihen, das sie kurzfristig von Investoren einsammeln, nicht mehr kostendeckend refinanzieren.

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Eine riesige Liquiditätskrise wäre die Folge. Um diese abzuwenden, ist die öffentliche Hand schon mehrfach eingesprungen. Ob sie das im Falle des Jilin-Trusts auch tut, ist nicht ausgemacht. Bankfachleute können sich vorstellen, dass kleinere Fonds wie dieser durchaus ausfallen werden, um die Zwickmühle des „Moral Hazard“ nicht zu verschärfen: dass der Staat die Gefahren für Finanzprodukte schultert, die nur deshalb so hohe Rendite ausschütten, weil sie eben risikoreich sind.

Falls die Finanzaufsicht diese implizierten Staatsgarantie nicht aufbricht, indem sie einzelne Pleiten zulässt, könnte noch mehr Geld in zweifelhafte Anlagen fließen. Und so die Verwerfungen noch verschärfen, wenden Skeptiker ein.

Fälle von Insolvenzen hat es nach Angaben der Bank Standard Chartered durchaus schon gegeben. 2013 seien zehn bis zwanzig Trust-Fonds pleite gegangen, schreiben ihre Analysten. Dabei hätten Anleger Einbußen oder Verzögerungen der Rückzahlung hinnehmen müssen. Jilin und China Credit Trust sind zwei von  etwa 60 ähnlicher Treuhandgesellschaften in China.

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