http://www.faz.net/-gv6-9a8us

Falsches Angebot : Börsenbehörde veräppelt Fans von Kryptowährungen

Sieht toll aus - ist aber nicht echt: Das „HoweyCoins“-Angebot Bild: FAZ.NET

Kryptowährungen - das nächste große Ding! Die Überzeugung hält sich leider viel zu sehr und unkritisch. Amerikas Börsenaufsicht ergreift jetzt drastische Maßnahmen.

          Behörden gelten ja gemeinhin als bürokratisch und wenig kreativ. Das es auch anders geht, hat jetzt die amerikanische Börsenaufsicht SEC unter Beweis gestellt. Wohl weil ihre Warnungen vor Angeboten neuer sogenannter Kryptowährungen nicht den gewünschten Effekt hatten, entschloss sich die Behörde zu einer Demonstration. Dazu erstellte sie eine gefälschte Internetseite, auf der sie für die Emission einer neuen Kryptowährung warb. Auf „HoweyCoins.com“ stellte die SEC alles bereit, was für ein echtes sogenanntes ICO erforderlich ist und gern verwendet wird. Selbst das geforderte sogenannte Informationsblatt („Whitepaper“) ist dabei.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die SEC versprach das Blaue vom Himmel. HoweyCoins seien offiziell bei der amerikanischen Regierung registriert, werden an einer geregelten Börse gehandelt, könne gegen Bargeld getauscht und werde von jeder teilnehmenden Fluggesellschaft oder teilnehmendem Hotel akzeptiert usw. Man werde mit der gesamten Tourismusbranche Partnerschaften schließen. „Das neueste und einzige Angebot, dass die Magie der Profite aus dem Coin-Handel und die aufregenden und garantierten Gewinne der Tourismusindustrie einfängt“, lautet das Versprechen.

          Rabatte, Zeitdruck, Prominente

          Das achtseitige Whitepaper, das eigentlich über die Emission aufklären soll, verbreitet sich vor allem  über die Vorzüge von Touristik und Kryptowährungen, bleibt aber wenig konkret. Das angebliche Netzwerk von Partnern, bei denen es bis zu 30 Prozent Rabatt für die Zahlung mit „HoweyCoins“ gegen soll, bleibt im Dunkeln. Dafür gibt es jede Menge Rabattangebote – und Zeitdruck durch ein rückwärts zählende Uhr.

          Selbst die pseudo-prominenten Twitter-Nutzer hat die SEC nicht vergessen: „@McWhortle“, der gewitzte (weiße) Geschäftsmann, „@realdrummerstar“, die (afroamerikanische) Schlagzeugerin als Symbol der selbstbewussten Frau und der Kraftprotz „@boxingchamp1934“ sehen in HoweyCoins die nächste große Sache.

          Wer allerdings auf die großzügig verteilten Schaltflächen „Buy Coins now!“ klickt, ist gleich auf dem Boden der Tatsachen. Der Klick führt auf Investor.gov, die Interpräsenz der SEC für Privatanleger. Dort heißt es dann: „Wenn Sie auf ein solches Investmentangebot reagiert haben, hätten Sie abgezockt werden können – HoweyCoins sind ein kompletter Schwindel!“

          „Größte Bedrohung“

          Man habe die gefälschte Seite als Lernwerkzeug geschaffen, um Anleger für mögliche betrügerische Angebote rund um digitale Anlagen zu sensibilisieren , entschuldigt man sich. ICOs gehörten für Kleinanleger derzeit zu den „größten Bedrohungen“, sagte am Mittwoch Steve Peikin, Leiter der Vollzugsabteilung vor einem Ausschuss des amerikanischen Kongress'. Derzeit liefen zahlreiche Untersuchungen solcher Angebote mit dem Hauptaugenmerk darauf, ob es sich dabei um ein Wertpapierangebot handelt. Denn dann unterliegen diese Angebote den strikten Regularien der SEC, so dass diese dagegen vorgehen kann.

          In Deutschland hatte das Fintech-Unternehmen Savedroid im April auf ähnliche Weise auf betrügerische Angebote aufmerksam machen wollen. Nach dem eigenen ICO verschwand die Savedroid-Seite zunächst aus dem Netz: „Und es ist weg“ war dort zu lesen, versehen mit einer Szene aus der Fernsehserie South Park, in der es darum geht, dass die Banken das Geld ihrer Kunden vernichten. Firmengründer Yassin Hankir veröffentlichte auf Twitter ein Bild, das suggerierte, er hätte sich ins Ausland abgesetzt. Für Savedroid geriet die Aktion allerdings zum Desaster, weil die Betroffenen zunächst davon ausgehen mussten, tatsächlich betrogen worden zu sein.

          Der Name HoweyCoin für die SEC-Währung verweist auf den sogenannten Howey-Test. Dieser definiert, was ein Wertpapier ist, basierend auf einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im Jahr 1946 in einem Prozess der SEC gegen den Zitruspflanzer WJ Howey, der seinerzeit Parzellen verkaufte und zurückleaste.

          Es ist nicht der erste Fall, bei dem sich die amerikanische Börsenaufsicht kreativ zeigt. 2003 etwa hatte sie einen falschen Hedgefonds mit Namen GRDI aufgelegt. Spricht man dies als Wort, klingt es wie „greedy“, also gierig.

          Weitere Themen

          Deutschland ist am innovativsten

          Studie : Deutschland ist am innovativsten

          Kein anderes Land hat laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums so eine innovative Volkswirtschaft wie Deutschland. Auch die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik kann sich sehen lassen.

          Topmeldungen

          Eine Verlängerung der Übergangsperiode würde beiden Seiten auch mehr Zeit verschaffen, eine Lösung für das Irland-Problem zu finden - unser Bild zeigt die Grenze zwischen Irland und Nordirland.

          F.A.Z. exklusiv : EU bietet Briten längere Übergangsphase an

          Angesichts der schwierigen Brexit-Verhandlungen hat die EU-Kommission ihre harte Position geändert und eine Verlängerung der Übergangsperiode ins Spiel gebracht. Damit könnte Großbritannien länger als bisher vorgesehen in Binnenmarkt und Zollunion der EU bleiben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.