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Amerikanische Bahngesellschaften Warren Buffett entdeckt die Eisenbahn

11.04.2007 ·  Vor kurzem noch klagte Warren Buffett, ihm gingen die guten Ideen aus. Doch das ist vorbei: Der zweitreichste Mann der Welt steigt ins Eisenbahngeschäft ein. „Vielleicht sieht er etwas, was niemand sonst sieht“, sagt ein Analyst.

Von Norbert Kuls, New York
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Der legendäre Investor Warren Buffett wettet nun auf amerikanische Eisenbahnen. Gemessen am Branchenbarometer Dow Jones Wilshire U.S. Railroads Index, sind die Kurse amerikanischer Bahnbetreiber am Anfang der Woche um mehr als 4 Prozent gestiegen, nachdem Buffetts Anlage- und Holding-Gesellschaft Berkshire Hathaway eine Minderheitsbeteiligung am Marktführer Burlington Northern Santa Fe Corp. bekanntgegeben hatte.

In einer Mitteilung an die Börsenaufsicht bezifferte Berkshire den Anteil an dem im texanischen Fort Worth beheimateten Unternehmen auf 10,9 Prozent. Das entspricht beim aktuellen Börsenwert von Burlington Northern einer Beteiligung im Wert von 3,5 Milliarden Dollar (rund 2,6 Milliarden Euro). Buffett bestätigte zudem Beteiligungen an zwei weiteren nordamerikanischen Eisenbahnbetreibern, deren Namen er allerdings nicht nennen wollte. Investoren oder Unternehmen müssen Beteiligungen an amerikanischen Aktiengesellschaften offenlegen, wenn sie fünf Prozent übersteigen.

Auch Bill Gates setzt auf Eisenbahnen

Die Investitionen Buffetts, der mit seinen Geldanlagen zum Multimilliardär und zum zweitreichsten Mann der Welt wurde, werden an der Wall Street mit entsprechend großem Interesse verfolgt. Zu Berkshire gehören mehr als 60 unabhängig geführte Tochtergesellschafen, darunter das Textilunternehmen Fruit of the Loom und der Rückversicherer General Re. Berkshire ist zudem als Großaktionär von Konzernen wie dem Finanzdienstleister American Express oder dem Getränkehersteller Coca-Cola bekannt.

Mit der Investition in Eisenbahnen, die in Nordamerika im Gegensatz zu Europa nahezu ausnahmslos für den Gütertransport eingesetzt werden, folgt Buffett seinem Freund Bill Gates, dem Mitgründer des Softwareriesen Microsoft und reichsten Mann der Welt. Die Anlagegesellschaft für das private Vermögen Gates' sowie dessen Stiftung halten große Anteile an der größten kanadischen Eisenbahngesellschaft Canadian National, die auch in den Vereinigten Staaten stark präsent ist. Buffett hatte der Stiftung Gates' im vergangenen Jahr den Großteil seines Vermögens versprochen und Berkshire-Aktien im Wert von rund 1,8 Milliarden Dollar übertragen.

Ein Freund traditioneller Industrien

An der Wall Street sind Buffetts Wetten auch von Interesse, weil Berkshire am Ende des vergangenen Jahres fast 40 Milliarden Dollar Barmittel für Übernahmen und Beteiligungen zur Verfügung standen. Aktienkurse von Unternehmen reagieren häufig mit Aufschlägen, wenn eine Beteiligung von Buffett bekannt wird. Buffett gilt als langfristig orientierter Investor und favorisiert Aktien, deren Aktienkurs er für unterbewertet hält.

Noch vor zwei Jahren hatte sich Buffett bei seinen Aktionären wegen eines Mangels an Anlageideen entschuldigt. Seither hat er aber einige Unternehmen unter anderem im Bereich Stromversorgung erworben. Er kaufte zudem Aktien des Bierbrauers Anheuser-Busch und des Einzelhändlers Wal-Mart Stores. Jüngst ging Buffett größere Engagements am amerikanischen Ölkonzern Conoco Phillips, am Pharmariesen Johnson & Johnson und am koreanischen Stahlkonzern Posco ein.

Buffett ist, wie diese Beispiele belegen, ein Freund traditioneller Industrien und investiert kaum in Wachstumsbranchen wie Technologie oder Internet. Die Anlage in Eisenbahngesellschaften fällt in die gleiche Kategorie. „Das ist ein klassischer Fall für die klassischen Industrien, an denen sich Buffett beteiligt hat“, kommentierte Fondsmanager Larry Coats von Oak Value Fund. Zudem ergänzen sich die Eisenbahnen mit Unternehmen im Portfolio von Berkshire.

„Vielleicht sieht er etwas, was niemand sonst sieht“

Berkshire hält eine Mehrheitsbeteiligung am Stromversorger MidAmerican Energy, der ein großer Abnehmer von Kohle ist, die mit der Bahn transportiert wird. „Buffett kennt Eisenbahnen wie seine Westentasche. Vielleicht sieht er etwas, was niemand sonst sieht“, sagte Analyst Matt Nellans vom Informationdienst Morningstar. Die Wette auf Bahngesellschaften überraschte, weil deren Kurse schon stark gestiegen waren. Die Unternehmen hatten in den vergangenen Jahren von steigenden Importen profitiert.

Der Aktienkurs von Burlington Northern reagierte auf die Nachricht vom Einstieg Buffetts mit einem Kurssprung um 6,5 Prozent. Seit Anfang des Jahres sind die Aktien um knapp 20 Prozent gestiegen. Spekulationen über die Identität der beiden nicht genannten Buffett-Beteiligungen im Bahnsegment konzentrierten sich auf den Branchenzweiten Union Pacific, der wie Berkshire in Omaha im Bundesstaat Nebraska beheimatet ist, und auf die Norfolk Southern Corp. Beide Titel stiegen um knapp 4 Prozent.

Quelle: F.A.Z., 11.04.2007, Nr. 84 / Seite 19
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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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