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Altersvorsorge : Preisbrecher bei Rentenversicherung mit Fonds

Senioren im Schlosspark Pillnitz in Sachsen Bild: dpa

Fondsgebundene Rentenversicherungen gelten als zu teuer für die Altersvorsorge. Doch mittlerweile gibt es konkurrenzfähige Angebote.

          Fondsgebundene Rentenversicherungen werden gern verkauft. Ihr Nutzen ist allerdings sehr umstritten. Denn naturgemäß ist es nicht kostenlos, Investmentfonds in ein anderes Produkt einzukleiden, besonders dann nicht, wenn dieses mit einem großen Vertriebsapparat verbunden ist. Die Kosten des Versicherungsmantels mögen nicht hoch erscheinen. Betrachtet man aber die Gesamtkostenquote bei Rentenversicherungen mit von Managern verwalteteten Fonds, so liegt diese in einer beispielhaften Auswertung des Analysehauses Morgen & Morgen für eine Sparrate von monatlich 100 Euro aktuell bei 1,93 Prozent. Das ist fast das Zehnfache dessen, was ein preiswerter Indexfonds (ETF) kostet. Da helfen auch die Steuervorteile des Versicherungsmantels nicht mehr.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Während der Sparer ja Erträge aus einem ETF-Sparplan am Ende der Laufzeit bei Verkauf der Anteile komplett versteuern muss, gilt das bei der Rentenversicherung nur für die Hälfte der Erträge. Doch die hohen Kosten lassen das Vermögen erheblich langsamer wachsen. Während der Unterschied nach einem Jahr nur rund 20 Euro beträgt, sind es nach zehn Jahren schon mehr als 1500. Bei Tarifen mit individuell ausgewählten Fonds, das heißt letztlich ETFs, kommt die durchschnittliche Rentenversicherung besser weg. Sie ist dann nur rund sechseinhalb Mal so teuer, doch reicht dies nicht, um konkurrenzfähig zu sein.

          Die Beratung sei nicht nur teuer - sondern auch falsch

          Aber wie im Investmentfondsgeschäft, in dem ETFs mit Gesamtkostenquoten von 0,2 Prozent teure gemanagte Fonds verdrängten, die noch das Achtfache und mehr an Gebühren kosten, gibt es auch bei fondsgebundenen Rentenversicherungen Preisbrecher. Einer davon ist Mypension.de, ein Unternehmen aus dem Kreis der „Fintechs“, die das Internet als kostengünstige Vertriebsplattform nutzen. Gründer und Geschäftsführer ist Rogier Minderhout, vor einem Jahr noch Investmentbanker. Den schon lange in Deutschland ansässigen Niederländer trieb eine Erkenntnis: „In den Niederlanden gibt es für die private Altersvorsorge schon lange ein viel größeres Bewusstsein. Sie ist aktienlastiger, deshalb rentabler, sie ist flexibler und vor allem kostengünstiger. Warum sollte das nicht auch hier möglich sein?“ Hinderungsgrund sei der teure Vertrieb, der aber nicht im Sinne der Kunden sei. „Beratungsgespräche sind moderner Ablasshandel. Es werden keine Produkte verkauft, sondern das gute Gefühl, etwas für die Altersvorsorge getan und erwachsen und verantwortlich gehandelt zu haben.“ Tatsächlich aber mache die Beratung die Produkte nicht nur teuer, sie sei auch noch falsch dazu. „Da wird etwa viel Aufhebens um die Risikoneigung gemacht, aber nicht berücksichtigt, dass das Risiko ganz wesentlich vom Anlagezeitraum abhängt.“ Und der sei bei der Altersvorsorge nun einmal lang und somit das Risiko vergleichsweise niedrig.

          Mypension bietet einen Sparplan für ein weltweit anlegendes ETF-Portfolio der amerikanischen Gesellschaft Vanguard an. Es besteht zunächst zu 100 Prozent aus Aktien, zehn Jahre vor Laufzeitende wird die Quote schrittweise bis auf 30 Prozent reduziert – sofern der Kunde darauf nicht verzichtet. Beitragsänderungen sowie Zu- und Auszahlungen sind kostenfrei und online durchführbar. Rund 1000 Kunden hat Mypension bisher gewonnen, die monatlich im Durchschnitt 190 Euro ansparen.

          Andere Anbieter setzen vor allem auf die Riester-Rente

          Mit einer Kostenbelastung von 0,94 Prozent bei einer Sparrate von 100 Euro im Beispiel bietet Mypension derzeit laut Analyse von Morgen & Morgen die günstigste fondsgebundene Rentenversicherung in Deutschland an. Dank des Steuervorteils des Versicherungsmantels kann der Sparplan unter dem Strich sogar die bessere Alternative gegenüber dem hausgemachten ETF-Sparplan sein. Dabei kommt der Versicherung zugute, dass auch die laufenden Erträge steuerfrei wieder angelegt werden können, die beim privaten Sparplan versteuert werden müssen. Ab etwa einem Prozent jährlicher Ausschüttung schneidet Mypension im gewählten Beispiel nach Steuern besser ab als ein Sparplan. Aktuell betrage die Ausschüttung des Mypension-Portfolios 2,6 Prozent, sagt Minderhout.

          Direkte Wettbewerber sieht Minderhout außerhalb der Versicherungsbranche derzeit nicht. Der Fintech Fairr.de bietet zwar ebenfalls Altersvorsorge-Produkte an, setzt dabei aber vor allem auf die Riester-Rente. Dass Mypension eine Versicherung anbieten kann, ermöglicht die Zusammenarbeit mit dem Lebensversicherer My Life. Auch wenn Mypension am Markt aktuell die Nase vorn hat, so sind einige Versicherer dem Fintech auf den Fersen. So bietet etwa Universa mit der „Topinvest Rente“ ein Produkt, dessen Gesamtkostenquote wie für Mypension auf 0,94 Prozent beziffert wird. Die prognostizierte Ablaufleistung liegt allerdings etwas unter der von Mypension, was am Ende laut Analyse 24 Euro Rente weniger im Monat bedeuten kann. Garantiert sind die Rentenhöhen bei keinem der Produkte.

          Auch Direktversicherer Europa kommt mit einer Gesamtkostenquote von 0,96 Prozent Mypension nahe. Das gilt für die Variante „Anlageplan 2“ seiner „Fonds-Rente Flexible Rente“ mit Ablaufmanagement. Da der Versicherer zusätzlich zur Ablaufleistung der Fondsanlage auch noch eine Beteiligung vor allem an Rückvergütungen der Fondsgesellschaften gewährt, kann die Europa-Rente am Ende sogar 14 Euro höher ausfallen als bei Mypension.

          Aufgrund eines technischen Fehlers (wirklich) waren In einer ersten Version dieses Textes in der Tabelle für gemanagte Tarife einige Tarife falsch bezeichnet. Die Daten für die jeweiligen Anbieter waren allerdings korrekt. Wir bitten dies zu entschuldigen.

          Quelle: FAZ.NET

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