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Aktienmarkt Kursgewinne in Italien und Griechenland

02.02.2012 ·  Manch griechischer Bankaktienkurs liegt seit Jahresbeginn mehr als 100 Prozent im Plus. Auch Italiens Börse läuft.

Von Tobias Piller
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Schneller als von vielen erwartet, ist an den Aktienmärkten in Italien und Griechenland die Stimmung von Pessimismus auf Optimismus, fast schon Euphorie, gewechselt. Nachdem Italien im vergangenen Jahr die höchsten Kursverluste unter den großen europäischen Börsen hinnehmen musste und nachdem die Lage in Griechenland die Kurse dort seit langem gedrückt hatte, eilen beide Börsen nun von einem Jahreshoch zum nächsten. In Italien hat der Auswahlindex FTSE Mib 40 seit Jahresbeginn 8 Prozent zugelegt. Der Branchenindex für die Finanztitel legte um mehr als 12 Prozent zu. In Athen gewann der Index FTSE Athex 26 Prozent, der Branchenindex für Banken rund 86 Prozent.

An beiden Börsen bestimmen seit Jahren gerade die Banken das Bild, was bedeutet, dass sich eine Kurserholung allein in der Bankenbranche auch mit großem Gewicht in den Marktindizes niederschlägt. Die Fachleute bewerten die beiden Märkte dennoch sehr unterschiedlich - am Mailänder Aktienmarkt eine kontinuierliche Verbesserung der Aussichten, in Athen dagegen das Schema "null oder eins", je nach Scheitern oder erfolgreichem Abschluss der Verhandlungen über eine Umschuldung Griechenlands. Gerüchte über einen bevorstehenden Abschluss haben daher zuletzt für spekulativen Auftrieb gesorgt.

„Interessante Preise“

"Die Preise sind im Moment immer noch sehr interessant", sagt Paolo Guida von Banca Intesa Sanpaolo, Verantwortlicher der Aktienanalyse für Privatkunden. Beim Blick auf die italienischen Aktien schaut Guida am liebsten auf mittel- und langfristige Kursziele für Italien und kann dabei im Moment vor allem Positives erkennen. Für die Bewertung Italiens sei derzeit besonders die Politik maßgeblich, und die steuere in Richtung eines Neustarts für das Land. Europa bringe zudem überall eine solidere Finanzpolitik. Diese Veränderungen hätten die Finanzmärkte offenbar beeindruckt. Denn damit sei der Risikoaufschlag für italienische Staatsanleihen im Vergleich zu Bundesanleihen gegenüber dem Höchststand vom Herbst 2011 (5,75 Prozentpunkte) um 2 Prozentpunkte gesunken. Das wirke sich nun direkt auf das Vertrauen in die Banken aus. Diese hatten bisher doppelt unter dem Vertrauensschwund gegenüber Italien zu leiden: Zum einen wurden sie wegen der italienischen Staatstitel in den Aktiva als weniger stabil angesehen; zum anderen drohte ihnen gerade wegen der Risiken in den Staatstiteln die Verpflichtung zu umfangreichen Kapitalerhöhungen in schwierigen Zeiten. Wenn nun die Risikozuschläge für Italien schrumpfen, sind die Banken viele belastende Elemente los.

Die Reformen der neuen Regierung Monti - ob schon beschlossen oder bisher nur angekündigt - sorgen nicht nur für schrumpfende Zweifel und Risikozuschläge, sondern bei den Optimisten auch für neue Konjunkturhoffnungen: "Man beginnt im Moment, an eine schnelle Erholung der Konjunktur zu denken", sagt Guida von Banca Intesa. Kurzfristig könnten allerdings immer noch heftige Schwankungen die Kurskalkulationen durcheinanderbringen. Denn Italiens Konjunktur und Börse hänge stark von Europa ab, vor allem von den Ereignissen in Griechenland.

Fusionsphantasien bei Banken

Beim Blick auf die griechische Entwicklung sehen die Fachleute ebenfalls am liebsten über kurzfristige Schwankungen hinweg auf die langfristigen Kursziele. Während bei Anleihen die Preisrally schon vorbei sei und nicht mehr viel zu verdienen sei, könnten Aktien in jedem Fall zu einer lohnenden Anlage werden, sagt ein griechischer Analyst mit sonst nüchternem Blick aus Italien. "Es ist ganz egal, ob Griechenland im Euroraum bleibt oder sogar aus der Währungsunion ausscheidet, die Krise und die Reformregierungen haben viele Veränderungen gebracht, die eine Grundlage für künftiges Wachstum darstellen", sagt der Fachmann. Damit werde das Land langfristig auf jeden Fall wettbewerbsfähiger sein. Für die Banken gebe es Stabilitätsgarantien und zudem noch Fusionsphantasien.

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Jahrgang 1962, Wirtschaftskorrespondent für Italien mit Sitz in Rom.

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