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Aktienmarkt Dax startet spektakulär in den Dezember

02.12.2002 ·  Beflügelt von der T-Online-Platzierung und der Fusionsspekulation im Bankensektor haussiert der Dax am Montag. Zumindest bis zum Nachmittag.

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Selbst die Berufsoptimisten an der Börse zeigen sich überrascht: Eine günstige Nachrichtenkonstellation (wobei das Ausbleiben schlechter Nachrichten hervorgehoben wird!) und die Hoffnungen auf eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag trieben den Dax zum Monatsbeginn über 3.400 Punkte: Bis 14.36 Uhr gewann der Index 4,3 Prozent auf 3.463 Zähler. Der Nemax 50 zog mit einem Plus von 3,5 Prozent auf 460 Punkte nach.

Als der Dax am Mittag das Zwischenhoch vom November bei 3.443 Punkten überwand, gab es zunächst neuen Schub. Damit schien die Gefahr einer „Schulter-Kopf-Schulter-Formation“, die ein starkes Signal für fallende Kurse bedeutet hätte, endgültig vom Tisch zu sein. Schon zum Handelsstart habe sich das technische Bild mit dem Überwinden der 200-Tage-Linie bei 3.320 Zählern verbessert, berichten Händler.

Der amerikanische Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes für November enttäuschte dann allerdings. Er kam mit 49,2 herein, obwohl die Volkswirte von Standard & Poor's einen Anstieg von 48,5 auf 50 Punkte prognostiziert hatten. Mit den November-Daten ist der ISM-Index den dritten Monaten in Folge unter kritischen Marke von 50 geblieben. Vor allem die Rückgange bei den Auftragseingängen und sinkende
Gehalts- und Lohnzahlungen haben sich auf den Index ausgewirkt. Der Beschäftigungsrückgang im Verarbeitenden Gewerbe beschleunige sich, während sich sich der Anstieg der Preise verlangsame. Der Einkaufsmanagerindex der Eurozone dagegen war am Vormittag etwas besser als erwartet ausgefallen.

Das lies die Kursgewinne wieder dahinschmelzen. Der Dax schloss um 20.00 Uhr mit einem Plus von 1,8 Prozent bei 3,380.20 Zählern.

T-Aktie und Banken dominieren

Die Kurse wurden von positiven Unternehmensmeldungen bestimmt: Infolge der mittlerweile abgeschlossenen Platzierung von mindestens 100 Millionen T-Online-Aktien stieg die T-Aktie um 2,62 Prozent auf 12,55 Euro, das Nemax-50-Schwergewicht T-Online gewann zunächst über zehn Prozent auf 6,78 Euro, lag allerdings am Abend nur noch mit einem Plus von 4,88 Prozent bei 6,45 Euro. „Eine erfolgreiche Platzierung der T-Online-Aktien würde das Vertrauen der Anleger (in die Telekom) wirklich stärken", sagte ein Londoner Händler. Schließlich eröffne sich dem hoch verschuldeten Konzern eine Möglichkeit zur Reduzierung seiner Verbindlichkeiten. Die steigenden Kurse des Internet-Anbieters begründeten Händler damit, dass sich durch die Platzierung der Streubesitz dieses Wertes und damit die Gewichtung im Nemax 50 (wahrscheinlich bis zur Obergrenze von zehn Prozent) erhöht.

In neuem Gewand präsentiert sich auch wieder die alte Fusionsspekulation um die Commerzbank und der HypoVereinsbank (HVB). Die Papiere beider Institute gewannen etwa zehn Prozent auf 10,33 beziehungsweise 18,10 Euro. Ausgangspunkt für den erneuten Kursaufschwung ist die Übernahme eines weiteren Aktienpakets der Credit Lyonnais durch den Konkurrenten BNP Paribas, sagten Händler. Dies nähre Spekulationen, die in Frankreich eingeläutete Runde der Konsolidierung in der Finanzbranche könne auch auf Deutschland überschwappen. Commerzbank und HVB stünden dabei ganz oben auf der Liste der Kandidaten. Vergangene Woche hatte die Münchener Rück, die an beiden Banken beteiligt ist, mitgeteilt, sie würde sich einer Fusion nicht entgegenstellen. Seit Dienstag vergangener Woche haben die Titel der Commerzbank damit über 30 Prozent an Wert gewonnen.

„Jahresendrally“ in aller Munde

Schnell ist bei dieser Tendenz das Wort von der „Jahresendrally“ gefallen, die gleichwohl durchaus keine ausgemachte Sache ist. Beispielsweise könnten neue Anschläge oder unerfreuliche Entdeckungen im Irak die Kurse belasten. Zudem bergen allzu optimistische Gewinnschätzungen für das kommende Jahr weiteres Enttäuschungspotenzial. Aber davon will derzeit niemand etwas wissen.

Ein bestimmendes Wochenthema ist natürlich die am Donnerstag von den meisten Experten erwartete Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank in Höhe von 50 Basispunkten auf dann 2,75 Prozent. Unter anderem das Argument, die EZB wolle ihre Unabhängigkeit demonstrieren, spricht dagegen für die Variante eines „kleinen“ Zinsschritts von 25 Basispunkten. Wie der Markt auf die jeweilige Entscheidung reagiert, dürfte sich erst nach der Tendenz in den Handelstagen bis Donnerstag entscheiden lassen. Am Freitag folgen als weiteres wichtiges Datum die US-Arbeitsmarktzahlen für November.

Einjahreschart des Dax.

Quelle: @la
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