11.11.2006 · Das Blatt wendet sich. Während es fast alle Aktienneuemissionen seit Sommer nur mit Mühe aufs Parkett schafften, sind die Kurse von Standardaktien obenauf. Der Markt für Börsengänge koppelt sich derzeit vom Gesamtmarkt ab.
Der Markt für Börsengänge hat sich vom Aktienmarkt abgekoppelt. Mit Ausnahme des zweitgrößten Börsengang des Jahres, der Immobiliengesellschaft Gagfah, haben es fast alle weiteren Aktienneuemissionen seit der Sommerpause nur mit Mühe aufs Parkett geschafft. Dagegen sind die Kurse von Standardaktien gemessen an Indizes wie dem Dax auf mehrjährigen Höchstständen. „Es ist derzeit leichter für ein Dax-Unternehmen, eine Kapitalerhöhung von mehreren Milliarden Euro zu plazieren, als für ein junges, interessantes Unternehmen Käufer von Aktien im Wert von vielleicht 150 Millionen Euro zu finden“, schildert Achim Schäcker, zuständig für Aktienemissionen der Credit Suisse, die Lage.
Schäcker führt die Schwierigkeiten der Börsenkandidaten auf die hohe Preissensitivität der Anleger zurück. „Viele haben in diesem Jahr sehr gut verdient und scheuen jetzt das Risiko.“ Anfang Dezember sei ohnehin Schluß mit Börsengängen, bis dahin sei das Interesse der Großanleger für dieses Jahr völlig erlahmt. Kandidaten wie Open BC, Q-Sil und Ecodasa, die bis dahin noch an die Börse wollen, stehen demnach vor harten Preisverhandlungen mit Investoren.
„Börsengänge sind nach wie vor möglich“
„Wegen der hohen Macht der Käufer ist es derzeit für Unternehmen aussichtsreicher, außerbörslich an Finanzinvestoren oder strategische Investoren zu verkaufen“, sagt Schäcker. Linde hatte seine Gabelstapler-Sparte in dieser Woche für 4 Milliarden Euro an Finanzinvestoren verkauft, aber auch einen Börsengang geprüft. Den Aromenhersteller Symrise, der am Freitag seine Börsenpläne noch für dieses Jahr bekräftigte und auf ein Emissionsvolumen von einer Milliarde Euro kommen könnte, sehen noch nicht alle Marktbeobachter tatsächlich an der Börse. Möglicherweise prüfen die Banken parallel zum Börsengang einen Verkauf an Finanzinvestoren. Mark Pohlmann vom Symrise-Konsortialführer UBS will diese Spekulation nicht kommentieren.
Er sieht das Marktumfeld für Börsengänge nicht so kritisch. „Börsengänge sind nach wie vor möglich. Die Investoren sind skeptisch gegenüber potentiell schwankungsanfälligen Wachstumstiteln, aber nicht gegenüber soliden Substanzwerten.“ Am Ende sei es immer eine Frage des Preises. Carsten Dentler, Vorstandsmitglied von Morgan Stanley, sieht das ähnlich: „Früher hat der Markt Preisvorstellungen schneller akzeptiert. Heute unterziehen die institutionellen Investoren die Börsenkandidaten einer intensiveren Prüfung.“
„Decoupled-Verfahren“ muß transparenter werden
Seit der Sommerpause haben nur Börsengänge aus dem Immobiliensektor überzeugt. Hier griffen vor allem ausländische Investoren zu. Dies dürfte auch künftig den Markt antreiben. „Der Immobiliensektor wird in den nächsten Jahren für das größte Neuemissions-Volumen sorgen“, sagt Georg Hansel von der Deutschen Bank. Fast alle anderen Börsenkandidaten taten sich dieses Jahr schwer.
Um den Börsengang mangels Nachfrage zu retten, mußten zahlreiche Unternehmen ihr Börsendebüt verschieben, das ursprünglich geplante Aktienangebot kappen und die Preisspanne senken, obwohl die Spannen von den meisten Unternehmen ohnehin erst sehr spät bekannt gegeben werden. Dieses „Decoupled-Verfahren“ muß nach einer Neuregelung der Aufsichtsbehörde Bafin transparenter werden. Nach Angaben einer Sprecherin müssen künftig im Börsenprospekt Schätzwerte für die Aktienzahl und für den Emissionserlös angegeben werden.
Altaktionäre nutzen Börsengang zur Trennung
Eine weitere Variante, wie gefährdete Emissionen plaziert werden können, zeigte das Biotechnikunternehmen Wilex am Freitag. Wilex machte keine Abstriche am Aktienangebot, und die Aktien werden zu 13,80 Euro am unteren Ende der bis 15,80 Euro reichenden, aber nicht veränderten Preisspanne zugeteilt. Damit nimmt Wilex wie geplant zumindest 55 Millionen Euro ein. Das Börsendebüt des ersten Biotechnikunternehmens im Prime Standard in diesem Jahr wird indes am kommenden Montag offensichtlich nur deshalb möglich, weil ein Fonds des Wilex-Altaktionärs und SAP-Gründers Dietmar Hopp 30 Prozent der angebotenen Aktien kauft.
Hopp griff Wilex mit insgesamt 19 Millionen Euro unter die Arme. Normalerweise nutzen Altaktionäre den Börsengang, um sich von ihren Anteilen zu trennen. Angesichts dieser Vorzeichen könnte Wilex am Montag am ersten Handelstag unter Druck geraten. Allerdings steht dem Konsortialführer WestLB eine Reserve (Green Shoe) von 600.000 Aktien zur Verfügung, die zur Stabilisierung des Kurses gekauft werden kann.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |