12.05.2006 · Der Anstieg der Rohstoffpreise und die Talfahrt des Dollars sorgen auch weiterhin für gebremsten Konjunkturoptimismus an den Märkten. Allein in den vergangenen vier Wochen hat der Dollar zum Euro rund 7 Prozent an Wert verloren.
Der steile Höhenflug der Rohstoffpreise und die Talfahrt des Dollar sorgen an den Finanzmärkten für wachsende Nervosität. Zum Wochenschluß haben daraufhin die Aktienkurse rund um den Globus kräftig nachgegeben. Der starke Anstieg der Rohstoffpreise nähre Sorgen, daß die Inflation und in der Folge auch die Zinsen steigen könnten, erläuterten Händler. Zudem nimmt die Besorgnis zu, daß die Dollar-Schwäche in einen unkontrollierten „Dollar-Krach“ ausarte.
Am Freitag hat der Euro in der Spitze 1,295 Dollar erreicht, den höchsten Stand seit gut einem Jahr. Als am Nachmittag bekannt wurde, daß das amerikanische Handelsdefizit im März mit 62 Milliarden Dollar etwas niedriger war als befürchtet, erholte er sich etwas; der Euro sank knapp unter 1,29 Dollar. Dennoch hat der Dollar allein in den vergangenen vier Wochen zum Euro rund 7 Prozent an Wert verloren. Gegenüber Währungen wie Yen, Pfund und Schweizer Franken waren die Einbußen noch größer.
Die Stimmung hat sich gedreht
An den Devisenmärkten habe sich die Stimmung gedreht, berichtet Thomas Stolper, ein Währungsanalyst bei Goldman Sachs in London. Bis vor kurzem habe der Zinsvorsprung den Dollar gestützt. Seit dem Treffen der Spitzenpolitiker aus den sieben führenden Industrienationen vor drei Wochen in Washington herrsche nun aber der Eindruck vor, daß der Siebener-Gruppe an einer geordneten Abwertung des Dollar gelegen sei, um das riesige Defizit im amerikanischen Außenhandel einzudämmen. Der Markt habe auf diese Andeutungen reagiert - wohl etwas stärker als erwartet. Stolper geht davon aus, daß europäische Politiker schon bald vor einer zu starken Aufwertung des Euro warnen dürften. Das dürfte die Währungsspekulation verunsichern und den Euro-Kurs damit wieder etwas drücken.
Über die Auswirkungen der Dollar-Schwäche auf die europäischen Aktien gehen die Meinungen weit auseinander. Tammo Greetfeld, ein Aktienstratege bei der Hypo-Vereinsbank in München, erwartet, daß dies über geringere Exporterlöse zu einer Belastung für die Unternehmensgewinne werden wird. Zwar habe bislang noch kein größeres deutsches Unternehmen über die neue Euro-Stärke geklagt. „Aber das wird kommen“, ist sich Greetfeld sicher. Euro-Aufwertung und abflauender Konjunkturoptimismus dürften bei vielen Unternehmen eine Abwärtskorrektur der Prognosen für die Gewinne im Jahre 2006 und 2007 auslösen. Das werde dann auch die Aktienkurse unter Druck bringen. Greetfeld sagt deshalb voraus, daß der Deutsche Aktienindex Dax im dritten Quartal auf 5.500 Punkte absacken wird.
„Nur halb so wild“
Ganz anders sieht das Rolf Elgeti, ein Aktienstratege bei ABN Amro in London. „Ein starker Euro ist für die Unternehmensgewinne nur halb so wild“, sagt er. Zwar sei richtig, daß ein hoher Euro-Kurs die internationale Wettbewerbsfähigkeit mancher Unternehmen - zum Beispiel der deutschen Autokonzerne - beeinträchtige. Aber generell gelte das nicht. So profitierten andere Unternehmen von der Verbilligung ihrer Importe. Und ganz allgemein trage ein starker Euro dazu bei, die Inflation in Schach zu halten - zum Beispiel den Anstieg des Ölpreises abzufedern. Tatsächlich ist der Ölpreis an der Terminbörse in London seit Jahresbeginn um fast 24 Prozent auf zuletzt knapp 73 Dollar je Barrel gestiegen. In Euro gerechnet betrug die Teuerung hingegen nur gut 13 Prozent.
Elgeti meint, daß die Analysten mit ihren Prognosen für die Gewinne europäischer Unternehmen derzeit zu vorsichtig seien. Zum Beleg verweist er darauf, daß die Gewinne im ersten Quartal deutlich besser als erwartet ausgefallen sind. Selbst wenn der Euro Im Jahresdurchschnitt 1,36 Dollar koste - soviel wie auf seinem Rekordhoch Ende 2004 - dürften die Gewinne in diesem Jahr noch einmal um gut 10 Prozent steigen, sagt Elgeti. Seine Schlußfolgerung: Ende 2006 liegt der Dax bei 6.500 Punkten.
Ölpreis nahe am Rekordhoch
Zum Wochenschluß ging es für den deutschen Leitindex allerdings abwärts. Bis zum frühen Abend verlor er 2 Prozent auf 5.936 Punkte. Neben der Euro-Stärke begründeten Händler dies mit dem Anstieg der Rohstoffpreise, der das Risiko höherer Inflationsraten und in der Folge steigender Notenbankzinsen berge. So haben zum Beispiel die Preise für Kupfer und Nickel in dieser Woche Rekordhöhen erreicht, der Goldpreis stieg am Freitag am Spotmarkt zeitweilig auf 730 Dollar, den höchsten Stand in 26 Jahren. Auch der Ölpreis liegt wieder nahe an seinem Rekordhoch. Fachleute erklären die Rohstoffhausse teils mit der starken Nachfrage aufgrund des weiterhin kräftigen Wachstums der Weltwirtschaft, teils mit großen Käufen von Investoren, die auf weitere Preissteigerungen spekulierten. Laufe diese Spekulation aus, warnen diese Stimmen, drohe ein Preisrutsch.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |