22.06.2004 · Der im April angekündigte Börsengang der Internetsuchmaschine Google sorgt wieder für Internetphantasie an der Wall Street. Die Kurssprünge der Aktien von Amazon, Ebay und Yahoo übertreffen den Nasdaq deutlich.
Die führenden Internetaktien an der Wall Street befinden sich trotz insgesamt schleppender Börsentendenz seit geraumer Zeit auf einem Höhenflug. Seit der dritten Märzwoche sind die Aktienkurse des Online-Einzelhändlers Amazon.com, des Online-Auktionshauses Ebay sowie des Internetportals Yahoo um zweistellige Prozentsätze gestiegen. Der technologielastige Index der Computerbörse Nasdaq hat dagegen im gleichen Zeitraum um nur 2 Prozent zugelegt. Den deutlichsten Kurssprung machte Yahoo mit einem Plus von 52 Prozent, gefolgt von Ebay, dessen Aktienkurs um 27 Prozent stieg. Amazon steigerte seinen Börsenwert in dieser Zeit um 21 Prozent.
Ein Auslöser dafür scheint der im April angekündigte Börsengang (IPO) der Internetsuchmaschine Google zu sein, der wieder für Internetphantasie an der Wall Street gesorgt hat. Schon einige Wochen vor dessen Ankündigung hatten Berichte über das sehnlich erwartete IPO für Aufregung gesorgt. Bis jetzt gibt es allerdings keinen konkreten Termin für den Börsengang.
Der Schein trügt
Die Aktien der drei führenden Internetunternehmen werden aufgrund des Kurssprungs mit einem hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bewertet. Das KGV ist ein Maßstab dafür, wie teuer oder billig eine Aktie ist. Yahoo wird derzeit zum 96- fachen der für das Geschäftsjahr 2004 erwarteten Gewinne gehandelt. Ebay hat ein KGV von 72, und Amazon kommt auf eines von 48. Zum Vergleich: Der breitgefaßte Index S&P-500 hat derzeit ein KGV von 17 auf Basis der für das Jahr 2004 erwarteten Gewinne. Hohe Bewertungen waren schon während der später geplatzten Spekulationsblase der Internetaktien Ende der neunziger Jahre ein Markenzeichen der Branche. Die derzeitigen Bewertungen sind allerdings nicht so hoch wie damals, als viele Internetfirmen trotz hoher Kurse nur vereinzelt profitabel arbeiteten.
Unter bestimmten Voraussetzungen sind die jetzigen Bewertungen von Yahoo und Co. allerdings noch höher, als es zunächst den Anschein hat. Denn die Unternehmen weisen Aktienoptionen für Mitarbeiter in der Bilanz noch nicht als gewinnmindernde Kosten aus. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden im kommenden Jahr aber neue Bilanzierungsregeln für Aktienoptionen in Kraft treten. Zahlreiche Konzerne haben ihre Rechnungslegung schon freiwillig umgestellt. Technologieunternehmen leisten allerdings Widerstand gegen diese Pläne, weil sie in der Regel einen größeren Teil der Vergütung in Aktienoptionen vergeben. Entsprechend würden sich die Gewinne stärker reduzieren. Würden die Optionen schon jetzt als Aufwand ausgewiesen, wären die Gewinne von Amazon und Yahoo im vergangenen Jahr fast völlig eingeschmolzen. Ebay hätte einen Verlust gemacht.
Investoren unterschätzen Internet
Das alles ist Anlegern natürlich bekannt, führte aber bisher nicht zu einer negativen Reaktion an der Börse. Analysten sind auch für die Zukunft überwiegend positiv gestimmt. Für Anthony Noto von der Investmentbank Goldman Sachs ist Yahoo die beste Wachstumsaktie im Bereich neuer Medien. Das Unternehmen dürfte am stärksten von den großen Trends im Internetsektor profitieren, zu dem etwa die wachsende Nutzung von Online-Handel im Massenmarkt, die Ausweitung von schnellem Internetzugang über sogenannte Breitband-Angebote sowie die internationale Ausbreitung gehören. Yahoo hat erst Anfang dieser Woche eine Suchmaschine in China eingeführt. Allerdings könnte die Konkurrenz von Google das Unternehmen unter Druck setzen, sagt Noto.
Mary Meeker, die während der Phase der geplatzten Internetblase wegen ihrer Kaufempfehlungen kurzzeitig in Ungnade gefallene Internetanalystin der Investmentbank Morgan Stanley, glaubt auch an Yahoo. "Yahoo ist extrem gut positioniert, um von der rapide wachsenden Umstellung auf Breitbandangebote zu profitieren und diese mit anzutreiben", schreibt Meeker. Investoren würden immer noch die Auswirkungen des Internet für Geschäftsprozesse und Konsumentenverhalten unterschätzen. Davon würden die führenden Internetunternehmen profitieren.
Luft wird dünner
Ebay wird ebenfalls von Analysten überwiegend zum Kauf empfohlen. Meeker prognostiziert starkes Umsatzwachstum aufgrund steigender weltweiter Internet-Nutzung und Wachstum im Online-Handel. Noto hat jüngst seine Quartalsprognose für Ebay leicht erhöht.
Unter den drei großen Titeln wird nur Amazon mehrheitlich zum Halten oder zum Verkauf empfohlen. Während Meeker zum Kauf rät und ihre Erwartung nach dem ersten Quartal angehoben hatte, sorgte sich Noto von Goldman Sachs nach Bekanntgabe "solider" Quartalsergebnisse Ende April wegen niedrigerer Gewinnmargen. Insgesamt wird die Luft für Internetaktien mit steigenden Kursen aber dünner. Denn steigende Kurse reflektieren immer auch wachsende Erwartungen der Investoren.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.751,96 | −0,09% |
| FAZ-INDEX | 1.505,26 | −0,19% |
| TecDAX | 772,73 | −1,05% |
| MDAX | 10.296,70 | −0,54% |
| SDAX | 4.989,81 | −0,62% |
| REX | 423,38 | +0,51% |
| Eurostoxx 50 | 2.489,35 | −0,18% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,46 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.876,50 | +0,75% |
| Nasdaq 100 | 2.577,94 | +0,86% |
| S&P500 | 1.343,23 | −0,54% |
| Nikkei225 | 9.238,10 | −0,24% |
| EUR/USD | 1,3104 | +0,33% |
| Rohöl Brent Crude | 119,89 $ | +0,71% |
| Gold | 1.733,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 138,76 € | −0,21% |