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Aktienjahr 2011 Mutige Privatanleger in schweren Börsenzeiten

 ·  Entgegen mancher Börsenklischees haben Privatanleger, denen ein Hang zum Herdentrieb nachgesagt wird, zuletzt überwiegend antizyklisch gehandelt. Bei fallenden Kursen kauften sie 2011 Aktien zu. Besonders beliebt waren Banktitel und Energieversorger.

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Privatanleger haben im Jahr 2011 an den Aktienmärkten mehr Titel gekauft als verkauft - trotz der negativen und stark schwankenden Entwicklung vieler Werte an der Börse. Besonders in Phasen fallender Kurse, zum Beispiel als sich im August die Eurokrise verschärfte, kauften sie, während sie Aktien bei steigenden Kursen eher verkauften. Das geht aus einer Studie der Transaktionsbank Deutsche Wertpapierservice (DWP) Bank hervor, die das Investitionsverhalten deutscher Privatanleger im vergangenen Jahr auswertet. Mit ihrer Risikofreude handelten die Privatanleger antizyklisch in einer Phase, da der deutsche Leitindex Dax binnen eines Jahres um 14,7 Prozent gesunken ist.

Die DWP Bank wickelt nach eigenen Angaben die Wertpapiergeschäfte von zwei Dritteln aller Banken in Deutschland ab und gilt hierzulande als Marktführer. Für die Untersuchung hat die Bank 5 Millionen Wertpapierdepots privater Anleger zusammengefasst und mehr als eine Million Transaktionen betrachtet, die 160 Aktien des Dax, Tec-Dax, M-Dax und S-Dax umfassten. Der hieraus ermittelte Kaufquotient teilt das Volumen aller Käufe von Aktien in Euro durch das Volumen aller Verkäufe. Liegt der Wert über 1, hat die Gruppe der Privatanleger mehr gekauft als verkauft, liegt er unter 1, hat sie mehr verkauft als gekauft.

Bankaktien bei privaten Anlegern beliebt

Insgesamt ermittelte die DWP Bank für das Jahr 2011 einen Kaufquotienten von 1,14. Das heißt, dass das Kaufvolumen der privaten Anleger 14 Prozent über dem Verkaufsvolumen lag. Während der Kaufquotient in den ersten sieben Monaten bei Seitwärtsbewegung des Dax neutral blieb (1,01), stieg er in den letzten fünf Monaten im Verlauf der Eurokrise auf 1,44 - bei starken Verlusten des Dax von 18,7 Prozent.

Im Monat August, in dem Proteste in Griechenland und die Herabstufung der Vereinigten Staaten durch Standard & Poor's die Kurse belasteten, fiel der Dax um rund 21 Prozent, das Kaufvolumen der Privatanleger lag hingegen 91 Prozent über dem Verkaufsvolumen.

An einzelnen Tagen im August kauften sie etwa fünf Mal mehr Papiere als sie verkauften, die Handelsvolumen lagen an diesen Tagen bis zu 2,5 Mal höher als der Jahresdurchschnitt.

Trotz des Reaktorunfalls von Fukushima und der Eurokrise setzten Privatanleger 2011 verstärkt auf Bankaktien sowie auf Energieversorger und Versicherer. Direkt nach Fukushima folgten sie zwar eher dem Börsentrend. In dieser Phase verkauften sie Aktien von Versorgern und Versicherern und kauften im Sektor regenerative Energien. Auf dem Höhepunkt der Euroschuldenkrise von August bis Dezember hingegen handelten sie gegen den Börsentrend. Die Käufe bei Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank zusammen überstiegen die Verkäufe um 64 Prozent (Kaufquotient 1,64).

Privatanleger kauften gegen den Trend

Damit unterschied sich das Verhalten der privaten von den institutionellen Anlegern, die eher zyklisch handelten - auch weil sie in ihren Anlageentscheidungen an strengere Vorgaben gebunden seien. "Die Privatanleger haben in der Eurokrise 2011 alles andere als ängstlich agiert, sie sind nicht die schwache Hand der Börse, sondern Player im Markt", sagte Karl-Martin im Brahm, Vertriebsvorstand der DWP Bank. "Sie haben im Crash zugekauft und dabei besonders bei Bankaktien zugegriffen."

Damit wiederhole sich ein Muster, das die Bank schon in Untersuchungen zur Börsenkrise in der Zeit zwischen Oktober 2008 und März 2009 festgestellt habe. Das Ergebnis zeige auch, dass die privaten Anleger in ihrer Wissensbildung nach dem Platzen der New Economy Blase im Jahr 2000 Fortschritte gemacht hätten. Die Untersuchung gibt allerdings keine Auskunft darüber, ob die Anleger mit ihrer Strategie erfolgreich waren und überwiegend Wertzuwächse erzielt haben.

Sparer wollen in sichere Anlagen investieren

Aus einer Studie der Bank of Scotland geht zudem hervor, dass 16 Prozent der Bundesbürger ihr Geld heute anders als vor Beginn der Turbulenzen am Markt im Sommer 2011 investieren. 53 Prozent der Sparer mit verändertem Anlageverhalten sagen, dass sie mehr in sichere Einlagen investieren wollen. Weitere 47 Prozent möchten nur noch Anlageprodukte nutzen, die sie gut verstehen. Während 40 Prozent nur noch Produkte mit kurzer Laufzeit im Blick haben, wollen 37 Prozent keine Geldanlagen mehr erwerben, die an der Börse gehandelt werden.

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Jahrgang 1981, Redakteurin in der Wirtschaft.

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