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Aktienindizes Merck bringt sich für den Dax in Stellung

23.01.2007 ·  Das Rennen um den Platz im Dax ist eröffnet: Durch die angekündigte Kapitalerhöhung überflügelt das Darmstädter Pharmaunternehmen Merck die Depfa Bank. Voraussichtlich wird im Juni der Platz von Altana frei.

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Die Merck KGaA hat das Rennen um den wahrscheinlich im Juni frei werdenden Platz von Altana im Deutschen Aktienindex Dax eröffnet. Mit der zu Wochenbeginn angekündigten Kapitalerhöhung schiebt sich das Chemie- und Pharmaunternehmen Merck an der bisher am aussichtsreichsten platzierten Depfa Bank vorbei.

Altana wird den Dax verlassen müssen, weil das Unternehmen nach der Hauptversammlung im Mai nicht mehr genug Wert auf die Waage bringen wird. Altana hat seine Pharma-Sparte verkauft und schüttet den Verkaufserlös an die Aktionäre aus. Schon derzeit ist Altana mit einem Marktwert aller Aktien im Streubesitz von 3,3 Milliarden Euro kleinster Dax-Wert. Sollten nach der Hauptversammlung unverändert rund 50 Prozent des Unternehmens in „festen Händen“ bleiben, käme Altana nur noch auf einen Marktwert des Streubesitzes von rund einer Milliarde Euro. „Das wäre nur noch Platz 71 unter den größten deutschen Aktiengesellschaften“, stellt Christian Stocker von der Hypo-Vereinsbank (HVB) fest.

Ein Fall für den „schnellen Rauswurf“

Auch im für Altana günstigsten Fall, einem Streubesitz von 100 Prozent, reichte es mit einer Marktkapitalisierung von rund 2 Milliarden Euro nur noch für Rang 47. Da das Chemieunternehmen demnach nicht mehr unter den größten 45 Unternehmen wäre, ist Altana nach der Ausschüttung der Sonderdividende ein Fall für den „schnellen Rauswurf“.

In einem solchen Fall - Marktkapitalisierung des Streubesitzes oder Handelsumsätze nicht mehr unter den besten 45 - wartet die Deutsche Börse nicht bis zur jährlichen Routineüberprüfung ihres wichtigsten Aktienindexes im September, sondern handelt sofort zum nächsten Verkettungstermin. Zuletzt war Schering nach der Übernahme durch Bayer aus dem Dax gefallen. Im September 2006 war für den Berliner Pharmakonzern Schering die Postbank aufgerückt.

Marktwert als entscheidendes Kriterium

Schon damals war Merck ein Aufstiegskandidat gewesen. Nur knapp musste das Unternehmen aus Darmstadt der Postbank den Vortritt lassen. Auch diesmal ist Merck nicht konkurrenzlos. Für einen Aufstieg in den Dax nach einem schnellen Rauswurf qualifizieren sich derzeit noch zwei weitere Unternehmen. Auch die Depfa Bank und Salzgitter bringen es im Marktwert und bei den Handelsumsätzen unter die erforderlichen besten 35.

Gibt es mehrere Aufstiegskandidaten, ist der Marktwert des Streubesitzes das entscheidende Kriterium. Danach liegt die Depfa Bank mit Sitz in Dublin mit einer Marktkapitalisierung von 4,8 Milliarden Euro derzeit sogar noch vor Merck mit 4,5 Milliarden Euro. Die Depfa Bank war bislang kein Kandidat für den Dax, weil das Unternehmen seinen Sitz im Ausland hat. Die Deutsche Börse hat indes die Regel verändert. Danach ist nicht mehr der Unternehmenssitz entscheidend, sondern ob der Großteil der Handelsumsätze an der Deutschen Börse stattfindet. Das ist bei der Depfa Bank der Fall.

Einseitiger Branchenmix?

Salzgitter hat sich dank der hohen Kursgewinne in den vergangenen Monaten weit nach vorne geschoben. Der hinter Thyssen-Krupp zweitgrößte deutsche Stahlhersteller hat in den vergangenen zwölf Monaten seinen Börsenwert verdoppelt. Mit einem Marktwert des Streubesitzes von 4 Milliarden Euro belegt Salzgitter inzwischen ebenso wie nach Handelsumsätzen nach Daten der HVB Rang 33. Mit der Kapitalerhöhung um insgesamt zwei Milliarden Euro lässt Merck indes die beiden Rivalen hinter sich. Da ein Teil der Kapitalerhöhung „privat“ plaziert wird, dürfte der Marktwert des Streubesitzes von 4,5 auf 5,6 Milliarden Euro steigen.

Damit hätte Merck eine Vorsprung vor der Depfa von immerhin 0,8 Milliarden Euro. Auch einen vierten Aufstiegskandidaten, Beiersdorf, muss Merck nicht fürchten. Die Stadt Hamburg hat zwar ihren Anteil von 10 Prozent verkauft und Beiersdorf damit dank des höheren Streubesitzes auf Rang 34 katapultiert. Über den relevanten Zwölf-Monats-Zeitraum sind indes die Handelsumsätze so niedrig, dass Beiersdorf nach diesem Kriterium lediglich auf Rang 48 liegt.

Merck wäre womöglich längst Mitglied im Dax, wenn in dem Familienunternehmen die Zugehörigkeit zum Dax einen höheren Stellenwert hätte. So schaffte es die Postbank zuletzt im September mit einem Klimmzug, an Merck vorbeizuziehen. Die Muttergesellschaft Deutsche Post kündigte rechtzeitig eine Wandelanleihe an und steigerte so den Marktwert und die Handelsumsätze der Postbank. Der „ewige Kandidat“ Merck hat auch deshalb Sympathien, weil es im dreißig Aktien umfassenden Dax bereits sieben Finanzwerte gibt. Mit dem Staatsfinanzierer Depfa käme der achte hinzu. Mit Merck dagegen würde der Branchenmix im Dax nicht noch einseitiger.

Quelle: ham., F.A.Z., 24.01.2007, Nr. 20 / Seite 21
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