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Aktienindex Die Überraschungssieger im Dow Jones

04.01.2007 ·  Im vergangenen Jahr wäre es mit einer relativ banalen Strategie leicht gewesen, viel Geld zu verdienen. Man hätte nur in die Hunde des Dows, die scheinbaren Verlierer, investieren müssen. Denn die Kursverlierer des Jahres 2005 waren die Gewinner 2006.

Von Norbert Kuls, New York
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Im vergangenen Jahr war es nur einem Fünftel der Anlageprofis an der Wall Street gelungen, die großen Marktbarometer zu schlagen. Dabei wäre es mit einer relativ banalen Strategie leicht gewesen, doppelt so viel zu verdienen wie mit einer Anlage in die 30 Aktien des Dow Jones Industrial Average - obwohl der weltbekannte Index mit neuen Rekorden und prozentual zweistelligen Kursgewinnen Schlagzeilen machte.

Die vor fünfzehn Jahren vom amerikanischen Fondsmanager Michael O'Higgins populär gemachte Strategie heißt „Dogs of the Dow“ - Hunde des Dow Jones. Dog ist in diesem Fall als umgangssprachlicher Begriff für eine wertlose Sache zu verstehen. Hunde des Dow sind die scheinbaren Verlierer im Dow Jones. O'Higgins bezeichnet damit die zehn Titel im Dow Jones, die am Anfang des Jahres die höchste Dividendenrendite ausweisen.

Steigende und hohe Dividendenrenditen sind nicht nur eine Folge von Dividendenerhöhungen, sondern häufig auch eine Konsequenz fallender Kurse. Und damit erwiesen sich im vergangenen Jahr die scheinbaren Verlierer noch als die Sieger - womit sich der Bibelspruch: Die Letzten werden die Ersten sein, auch an der Börse bewahrheitet hätte. Die Dividendenrendite errechnet sich, indem man die jährliche Ausschüttung an die Aktionäre durch den Kurs einer Aktie dividiert. Fällt der Kurs bei gleichbleibender Dividendenzahlung, steigt die Rendite.

GM beste Aktie im Dow Jones

O'Higgins' Strategie sieht vor, am Anfang eines Jahres einen jeweils gleichhohen Betrag in die aktuellen zehn Verliereraktien im Dow Jones zu investieren. Die Anlage in diese Titel hat im vergangenen Jahr für durchschnittliche Kursgewinne von 26,6 Prozent sowie eine Dividendenrendite von 4,8 Prozent gesorgt. Der Dow Jones selbst kam auf eine durchschnittliche Dividendenrendite von 2,2 Prozent, die sich zu einem Kursgewinn von 16,3 Prozent addierte.

Anfang des vergangenen Jahres war der führende Dow-Dog der Autohersteller General Motors gewesen. Die Aktie war 2005 mit einem Kursverlust von 52 Prozent das Schlusslicht im Dow Jones gewesen. Das resultierte in einer Dividendenrendite von 10,3 Prozent. Im abgelaufenen Jahr wurde GM mit einem Kursgewinn von 58,2 Prozent dagegen die beste Aktie im Dow Jones.

„Dogs of the Dow“

„Die Dogs of the Dow haben sich in diesem Jahr ausgezahlt“, sagte Denis Amato, Chef-Aktienstratege beim Wertpapierhaus Ancora Advisors, Ende des vergangenen Jahres. Amato glaubt, dass dahinter das Grundelement einer zum Markt konträren Anlagestrategie steht, was Vorteile haben kann. „Man darf ihr aber nicht blind folgen“, sagte Amato. In vier der vergangenen sechs Jahre ist die Strategie allerdings aufgegangen.

Die Aktien mit der jeweils nächsthöheren Dividendenrendite nach General Motors waren Anfang 2005 die Telefongesellschaften Verizon und AT&T sowie der Pharmakonzern Merck gewesen. Wie General Motors hatte der Aktienkurs von Verizon im Börsenjahr 2005 deutlich nachgegeben. Die Aktienkurse von AT&T und Merck hatten im gleichen Zeitraum stagniert.

Im vergangenen Jahr avancierte AT&T mit einem Kursplus von 46 Prozent nach General Motors aber zur Aktie mit der zweitbesten Kursentwicklung im Dow Jones. Die fünftbeste Dow-Aktie im vergangenen Jahr war Merck, und auch Verizon zählte zu den besten zehn Titeln im amerikanischen Leitindex.

Rudel der Dow-Hunde

Trotz ihrer hohen Kursgewinne zählen General Motors, AT&T, Verizon und Merck auch in diesem Jahr wieder zu den zehn Dow-Werten mit der höchsten Dividendenrendite. Auch die anderen Namen im Rudel der Dow-Hunde sind im Grunde gleichgeblieben. Allerdings hat sich die Reihenfolge geändert, und Dividendenrenditen sind wegen der gestiegenen Kurse zurückgegangen. Nach dem guten Börsenjahr 2006 wachsen jedoch Zweifel, ob sich diese Entwicklung wiederholen lässt.

Die Aktie mit der höchsten Dividendenrendite (4,4 Prozent) ist jetzt Verizon, gefolgt vom Lebensmittel- und Zigarettenhersteller Altria (3,9 Prozent) sowie AT&T (3,8 Prozent). Auf das Führungstrio folgen die Pharmakonzerne Pfizer (3,7 Prozent) und Merck (3,5 Prozent), der Finanzdienstleister Citigroup (3,5 Prozent), General Motors (3,3 Prozent), der Chemiegigant DuPont (3,0 Prozent), die Bank JP Morgan Chase (2,8 Prozent) sowie der Mischkonzern General Electric (2,7 Prozent). General Electric war im übrigen die einzige Aktie in dieser Gruppe, die im vergangenen Jahr Anlegern keine zweistelligen Renditen gebracht hatte.

Quelle: F.A.Z., 05.01.2007, Nr. 4 / Seite 19
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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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