04.07.2006 · Immer mehr Banken ermöglichen Privatanlegern durch Online-Handelssyteme den Zugang zu Aktienmarkt, worüber sonst nur professionelle Anleger verfügen. Fachleute warnen jedoch vor den Risiken einer „gehebelten“ Dax-Spekulation.
Privatanlegern stehen zusehends Werkzeuge zur Verfügung, wie sie ähnliche auch professionelle Anleger nutzen. Jüngstes Beispiel ist eine Online-Handelsplattform, welche die niederländische Großbank ABN Amro dieser Tage startet. Über diese Plattform können Anleger Währungen, Gold, den Deutschen Aktienindex Dax und den Bund-Future zu Konditionen handeln, wie sie bislang nur Großanlegern zugänglich waren. Das Angebot unter dem Namen „Marketindex“ richte sich vor allem an erfahrene und sehr aktiv handelnde Anleger, sagte Robert Lempka von ABN Amro Deutschland, der das Projekt global leitet.
Im Devisenhandel gibt es solche Online-Plattformen mit „Profi-Konditionen“ für Privatanleger schon seit längerem, allerdings meist von kleineren Anbietern. Dazu zählen zum Beispiel „FX direct“ und „Oanda“ sowie die Saxo-Bank, die auch den Online-Handel mit Aktien, Aktienindizes und weiteren Finanzinstrumenten anbietet. Im Mai hat allerdings auch die Deutsche Bank eine Online-Devisenhandelsplattform für Privatanleger gestartet. Bislang steht sie nur britischen Kunden offen, demnächst soll sie auch für deutsche Anleger freigeschaltet werden.
„Contract for Difference“
ABN Amros „Marketindex“-Plattform basiert auf der Technik von Oanda und nutzt deren zahlreiche Innovationen. ABN Amro habe diese Technik aber auf die eigenen Bedürfnisse angepaßt und das Spektrum der handelbaren Instrumente erweitert, sagt Lempka. In nächster Zeit werde man weitere Instrumente hinzufügen, zum Beispiel den Handel mit Rohstoffen wie Öl und anderen Aktienindizes ermöglichen. Noch in diesem Jahr werde man die Plattform auch für Kunden in Österreich, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich öffnen. Voraussetzung für die Teilnahme an dem Handel, der hoch spekulativ betrieben werden kann, ist die Termingeschäftsfähigkeit des Kunden in der höchsten Risikoklasse.
Um über „Marketindex“ zu handeln, muß ein Anleger bei ABN Amro ein spezielles Konto eröffnen und dort mindestens 1000 Euro einzahlen. Alle Guthaben würden derzeit mit einem Jahreszins von einem Prozent verzinst, sagt Lempka. Auf Basis dieses Guthabens kann ein Kunde nun zum Beispiel den Dax kaufen, und zwar nicht wie sonst üblich in Form eines Terminkontrakts, sondern in Form eines „Contract for Difference“, der auf dem Kassakurs des Dax-Index basiert. Bei allen Geschäften ist stets ABN Amro der Geschäftspartner des Kunden.
Im großen Stil spekulieren
Beträgt der Dax-Index aktuell beispielsweise 5500 Punkte, kann der Kunde diesen Kontrakt für 5501 Euro kaufen oder für 5499 Euro verkaufen, und zwar online per einfachen Mausklick. Die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs betrage beim Dax stets 2 Indexpunkte, sagt Lempka. Will der Anleger auf einen steigenden Dax spekulieren, kauft er den Index. Geht die Spekulation auf und der Dax steigt auf 5600 Punkte, kann der Anleger den Kontrakt zu 5599 Euro verkaufen. Die Differenz von 98 Euro ist sein Gewinn, der ihm gutgeschrieben wird. Fällt der Index allerdings, entsteht beim Verkauf ein Verlust.
Analog läßt sich durch einen Verkauf des Dax auch auf fallende Aktienkurse spekulieren. Solche sogenannten Leerverkäufe - man verkauft, ohne das Instrument selbst zu besitzen - werden von professionellen Anlegern vielfach genutzt, da sich so auch an fallenden Kursen Geld verdienen läßt. Für Privatanleger waren solche Leerverkäufe bislang meist mit einigen Schwierigkeiten verbunden, da die meisten Banken dies nur zögerlich anbieten. Der Leerverkauf von Dax-Terminkontrakten ist zwar leichter möglich, doch ist das Kontraktvolumen mit rund 140.000 Euro für Privatanleger meist zu groß.
„Marketindex“ bietet Privatanlegern darüber hinaus die Möglichkeit, wie professionelle Anleger in großem Stil „mit Hebel“ zu spekulieren. So kann ein Guthaben um das 50fache gehebelt werden. Beträgt das Guthaben, das als Sicherheit dient, beispielsweise 1000 Euro, kann der Anleger bis zu 49.000 Euro verzinslich aufnehmen und Kontrakte im Gesamtwert von 50.000 Euro kaufen. Soll- und Habenzinsen werden dabei - eine Oanda-Innovation - nicht nach Tagen, sondern nach Sekunden berechnet.
Fachleute warnen vor Wettleidenschaft
Geht so eine „gehebelte“ Spekulation auf, kann der Anleger auf sein eingesetztes Kapital einen großen Gewinn erzielen. Aber Vorsicht: Läuft die Spekulation schief, entstehen schnell hohe Verluste. „Marketindex“ ist dabei so programmiert, daß die Position des Kunden automatisch aufgelöst wird, wenn die Hälfte der hinterlegten Sicherheit verloren ist. Bei einem Hebel von 50 kommt es deshalb bereits zu einer Zwangsliquidation, wenn sich der Kurs des gehaltenen Instruments nur um ein Prozent in die „falsche“ Richtung bewegt - was schon innerhalb von Minuten der Fall sein kann.
Fachleute empfehlen deshalb, mit deutlich kleinerem oder gar keinem Hebel zu arbeiten. Zudem warnen sie davor, daß das bequeme Investieren per Mausklick den Spieltrieb und die Wettleidenschaft wecken kann, zumal sich Gewinne und Verluste oft schon nach kurzer Zeit ergeben. Die Nutzung dieser Instrumente erfordere deshalb, wie professionelle Anleger planmäßig und diszipliniert vorzugehen.
„Marketindex“ stellt fortlaufend Kurse in Echtzeit, von Montag früh bis Freitag abend, rund um die Uhr. Geschäfte werden unmittelbar vollautomatisch verbucht. Transaktionskosten werden nicht erhoben. ABN Amro verdiene allein an der Kursspanne, sagt Lempka. Die Kursspanne sei dabei unabhängig von der Auftragsgröße für alle Anleger stets gleich. Zu den weiteren Besonderheiten der Marketindex-Plattform zählt, daß sie auf alle Instrumente „Box-Optionen“ anbietet, eine innovative, von Oanda entwickelte Optionsvariante.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |