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Aktienfonds Flaggschiff in schwierigem Gewässer

14.01.2006 ·  Für große Aktienfonds wie den DWS Vermögensbildungsfonds I kann viel Geld auch ein Nachteil sein. Das unterdurchschnittliche Abschneiden des DWS-Flaggschiffs ist eine Mischung aus hausgemachten Fehlern und systembedingten Schwächen.

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Als „Superstar der Fondsbranche“ wurde er öffentlich gefeiert. Als „Volks-Fonds“ vermarktete sein Arbeitgeber den von ihm geführten DWS Vermögensbildungsfonds I: „Seine Mission: Vermögen für alle“. Doch wie schnell Lorbeer welkt, erfährt Klaus Kaldemorgen in diesen Tagen.

Da blieb im vergangenen Jahr der größte deutsche Aktienfonds mit 4 Prozentpunkten hinter seinem Erfolgsmaßstab MSCI World zurück. Gleichzeitig entzog ihm die Fondsratingagentur Standard & Poor's (S&P) im Wettbewerbsvergleich über die vergangenen drei Jahre einen weiteren Stern, so daß von der einstigen Höchstbewertung von fünf Sternen inzwischen nur noch drei übrig sind. Zwei Rückschläge in kurzer Zeit - und schon drehen sich die meisten Fragen nur noch um das zuletzt enttäuschende Abschneiden.

„Mit bösen Briefen von Anlegern rechne ich nicht“

Deutschlands bekanntester Fondsmanager lernt nun die Kehrseite des Ruhms kennen. Die schönen Werbeprospekte sind erst einmal weggepackt. Statt dessen schaut er auf ein schlichtes Blatt Papier, das vor ihm liegt. Handschriftlich hat er darauf die Anlageergebnisse seit 1995 verzeichnet - der Zeitraum, in dem er für den Fonds verantwortlich ist.

Es sei erst das zweite Mal in zehn Jahren, daß der Vermögensbildungsfonds I schlechter als der Gesamtmarkt abschneide, sagt er dann knapp, während sein Finger durch die Zahlenreihen fährt. Und man solle auch nicht übersehen, daß der Wert seines Fonds im vergangenen Jahr um 22 Prozent gestiegen sei. „Mit bösen Briefen von Anlegern rechne ich dieses Jahr nicht.“

Die jüngste Entwicklung ist ärgerlich und nervt auch ein wenig. Insgesamt bemüht sich Kaldemorgen jedoch, dies nicht zu deutlich zu zeigen. Mag er auch der Star unter den deutschen Fondsmanagern sein, so ist er zumindest keine Diva. Das Gespräch mit ihm artet nicht zur Rechtfertigungsorgie aus, schon gar nicht zu einem Ausbruch verletzter Eitelkeiten. Kaldemorgen legt vielmehr nach den ersten Minuten das Blatt mit den vielen Zahlen zur Seite und liefert einen Rückblick ohne Beschönigungen.

„Das wirkte wie eine Bremse im Kopf“

Tatsächlich ist das unterdurchschnittliche Abschneiden des DWS-Flaggschiffs eine Mischung aus hausgemachten Fehlern und systembedingten Schwächen. Hausgemacht ist etwa die falsche Positionierung auf der Währungsseite gewesen. Kaldemorgen sicherte sich gegen die Folgen eines schwächeren Dollar ab. Statt dessen gewann die amerikanische Währung gegenüber dem Euro im vergangenen Jahr deutlich an Stärke. Allein 4 Prozentpunkte soll dies an Wertzuwachs gekostet haben.

Als Hypothek erwies sich im Nachgang auch seine Einschätzung zu Beginn des Jahres 2005, die von einem moderaten Jahresgewinn um die 10 Prozent ausging. „Das wirkte wie eine Bremse im Kopf.“ Kaldemorgen positionierte sich defensiv, nahm Risiko aus dem Portfolio heraus - und sah riskante Titel aus der zweiten Börsenreihe und den Schwellenländern als Wachstumsträger an sich vorbeiziehen.

Allerdings hatte der Vermögensbildungsfonds I auch mit Nachteilen zu kämpfen, die seiner schieren Größe geschuldet sind. Angesichts des Fondsvolumens von gut sieben Milliarden Euro fallen Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung unter 700 Millionen Euro schon von vornherein aus. Um im Fondsportfolio einen Effekt hervorzurufen, müßte ein solch hoher Anteil erworben werden, daß das Aktienpaket bei einem späteren Verkauf nur mühsam und mit der Gefahr von Kursabschlägen wieder auf dem Markt zu plazieren wäre. Dabei sind gerade die kleinen Unternehmen das Salz in der Suppe.

Große Gewinner: Aktien aus Schwellenländern

Im vergangenen Jahr verschärfte sich das Problem für alle großen Aktienfonds zusätzlich, weil die großen Gewinner vor allem unter europäischen Nebenwerten und Aktien aus Schwellenländern zu finden waren. Beispielsweise konnte auch der berühmte und milliardenschwere Templeton Growth Fund mit der wendigeren Konkurrenz zuletzt nicht mehr mithalten und hat nun ebenfalls nur noch drei S&P-Sterne, die unter deutschen Anlegern beliebte Euro-Version des Fonds sogar nur noch zwei. Fünf Sterne signalisieren in der Systematik von S&P Höchstleistung - nur die besten 10 Prozent der Fonds eines bestimmten Anlageuniversums bekommen sie verliehen.

Drei Sterne bedeuten dagegen Mittelmaß: einer unter vielen weltweit anlegenden Aktienfonds. Das liegt weit hinter den Ansprüchen, die Kaldemorgen an sich und seine Arbeit stellt. Inzwischen ist das Fondsportfolio aggressiver als vor einem Jahr aufgestellt. Allein brasilianische Titel sind derzeit mit 5 Prozent gewichtet. „Der Ehrgeiz ist da, vorn mitzuschwimmen“, macht er zum Schluß des Gesprächs deutlich. Dann begibt er sich wieder auf die tägliche Gratwanderung jedes Fondsmanagers: Wieviel Risikoscheu ist angemessen, ohne zu weit hinter die Konkurrenz zurückzufallen.

Quelle: sfu., F.A.Z., 14.01.2006, Nr. 12 / Seite 19
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