Mit Verkäufen europäischer Aktien haben Anleger am Donnerstag auf den Einkaufsmanagerindex für den amerikanischen Dienstleistungssektor reagiert. Der Dax beendete den Xetra-Handel 0,4 Prozent im Minus bei 5301,42 Punkten, nachdem er zuvor bis zu 0,8 Prozent höher notiert hatte. Der MDax schloss hingegen mit einem Plus von 1,95 Prozent bei 6650 Punkten, der TecDax gewann 1,65 Prozent auf 686 Zähler.
„Nachdem der amerikanische Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe Wirtschaftswachstum signalisiert hatte, hatten Anleger darauf gehofft, dass der Service-ISM-Index ebenfalls die Marke von 50 Punkten überspringt“, sagte ein Börsianer.
HSBC-Volkswirt Rainer Sartoris betonte allerdings, dass die aktuellen Zahlen das Bild von einer sich stabilisierenden amerikanischen Konjunktur untermauerten. Der Konjunkturindex für die Dienstleistungsbranche war im August auf 48,4 Punkte gestiegen.
Gerüchteküche brodelt
Ohne nachhaltigen Einfluss auf den Aktienmarkt blieb die erwartete Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), den Leitzins bei 1,0 Prozent zu belassen. Notenbankchef Jean-Claude Trichet bezeichnete zwar den stärksten Konjunktureinbruch in der Geschichte der Euro-Zone als beendet, betonte aber gleichzeitig, das der Weg zurück zu Wachstum voller Schlaglöcher sei.
Für Gesprächsstoff auf dem Börsenparkett sorgten am Mittag Gerüchte, wonach die Deutsche Bank angeblich eine Aufstockung ihrer Anteile an der Postbank plant. Postbank-Titel stiegen daraufhin um bis zu 8,4 Prozent auf den höchsten Stand seit Mitte
Oktober 2008. Die Deutsche Bank wies diese Spekulationen allerdings als „aus der Luft gegriffen“ zurück. Postbank-Aktien schlossen 6,1 Prozent im Plus bei 25,57 Euro. Deutsche Bank notierten 1,5 Prozent höher bei 46,87 Euro.
Unangefochten an der Spitze der MDax-Gewinner behauptete sich dagegen Kuka mit einem Kursplus von 9,9 Prozent auf 11,80 Euro. Der Roboterbauer steht vor einem Führungswechsel. Außerdem legten vier Aufsichtsratsmitglieder ihr Mandat nieder. „Börsianer hoffen nun auf radikale Einschnitte, die zu einer Verbesserung des Ergebnisses führen könnten“, sagte ein Börsianer. Ein anderer äußerte die Vermutung, einige Anleger setzten auf eine Aufstockung der Anteile durch Kuka-Großaktionär
Grenzebach.
Stahl wieder härter
Im Dax gehörten Salzgitter und Thyssen-Krupp zu den Favoriten. Die Aktienkurse der beiden Stahlhersteller stiegen um jeweils rund 3 Prozent. Der japanische Konkurrent JFE Holdings, weltweit die Nummer fünf der Branche, hatte Preiserhöhungen auf seinen Hauptmärkten in Asien angekündigt. Darüber hinaus plant Thyssen-Krupp einem Zeitungsbericht zufolge weitere Einsparungen, infolge derer mehrere Tausend Stellen gestrichen werden sollen.
Im Technologie-Index TecDax waren Infineon gefragt. Wenige Stunden vor der Entscheidung des Arbeitskreises Aktienindizes legten die Papiere des Chip-Herstellers 3,9 Prozent auf 3,60 Euro zu. Infineon gilt als heißer Anwärter auf einen Wiederaufstieg in den Dax. Zudem sagte Firmenchef Peter Bauer in einem Zeitungsinterview, bald wieder eine Marge vor Zinsen und Steuern von 10 Prozent erreichen zu wollen.
Einzelhandelsdaten schieben amerikanische Börsen an
Getrieben von den monatlichen Umsatzzahlen des Einzelhandels präsentieren sich die amerikanischen Aktienmärkte am Donnerstag etwas freundlicher . Die als überraschend gut interpretierten Verkaufszahlen rückten enttäuschende Daten vom Arbeitsmarkt
und aus der Dienstleistungsbranche in den Hintergrund.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte steigt um 0,1 Prozent auf 9294 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 legt um 0,2 Prozent auf 997 Zähler zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewinnt ebenso 0,4 Prozent auf 1974 Punkte.
Der Service-Index des Institute for Supply Management (ISM) stieg auf 48,4 von 46,4 Zählern im Juli. Damit erreichte der Index zwar seinen höchsten Stand seit knapp einem Jahr, signalisiert mit einem Stand unter 50 Punkten jedoch weiterhin ein Schrumpfen der Branche.
Auf die Stimmung drücken auch die wöchentlichen Arbeitslosenzahlen. In der vergangenen Woche stellten 570.000 Menschen einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe, Analysten hatten mit 10.000 weniger gerechnet. Auch die Daten zu den Langzeitarbeitlosen lagen über den Prognosen.
Manche Anleger halten sich zurück, weil sie sich vom monatlichen Arbeitsmarktbericht der Regierung am Freitag mehr Aufschluss über den Verlauf der Konjunktur erhofften. „Jeder wird hier bis dahin wahrscheinlich die Luft anhalten“, sagte Phil Orlando von Federal Investors.
Costco Wholesale und Target wiesen beide höhere Umsätze als erwartet aus. Die Costco-Titel klettern um mehr als 8 Prozent, geholfen auch von einer
Heraufstufung durch J.P. Morgan. Target-Papiere verteuerten sich um 1,6 Prozent.
Die Aktien des Softwareherstellers Oracle müssen Federn lassen und geben um 1,3 Prozent nach. Die EU-Kommission teilte mit, die geplante Fusion des SAP-Konkurrenten mit Sun Microsystems länger zu prüfen. Die Papiere von Sun geben 2 Prozent nach.
